Raspberry Pi als AirPlay-Server im Heimnetz

© Pavel Ignatov, 123RF

(F)AirPlay

In der Apple-Welt streamt AirPlay Musik oder Videos im Netzwerk auf einen Fernseher oder eine Stereoanlage. Mit ShairPort machen Sie den RasPi fit für AirPlay und damit zum Zentrum Ihrer Stereoanlage.

README

Mit AirPlay ermöglicht Apple seinen Kunden Musik aus iTunes auf AirPlay-fähige Empfänger wie Lautsprecher, Stereoanlagen oder Fernseher zu schicken. Wer Apple nicht unnötig Geld für einen AirPlay-Empfänger in den Rachen werfen möchte, der rüstet die Funktion mit einem Raspberry Pi nach.

Mit AirPlay bietet Apple eine sehr komfortable Möglichkeit, iPhone, iPad oder einen Mac-Rechner drahtlos mit einer Stereoanlage oder aktiven Lautsprechern zu koppeln. Der günstigste Einstieg in die AirPlay-Welt gelingt mit einer AirPort-Express-Basisstation [1], alternativ schließen Sie einen Apple TV [2] an Ihre Heimkino-Anlage an. Beide Lösungen kosten Sie im Internethandel etwa 90 Euro. Inzwischen bringen aber auch zahlreiche AV-Receiver einen integrierten AirPlay-Empfänger mit.

Wer ein iOS-Gerät besitzt, sich aber nicht gänzlich in Apples goldenen Käfig begeben möchte, der macht seine Stereoanlage stattdessen mit einem Raspberry Pi fit für AirPlay. Neben AirPlay-fähigen Mediacenter-Lösungen mit XBMC lässt sich mittels ShairPort [3] auch ein AirPlay-Server auf einem nackten Raspbian installieren, den Sie vielleicht schon als Fileserver in Ihrem Netzwerk benutzen. Der ShairPort braucht kaum Ressourcen und eignet sich daher ideal für den RasPi, der lediglich eine Verbindung zur Stereoanlage benötigt.

ShairPort installieren

Der ShairPort-Server hat bisher noch nicht den Weg in die Paketquellen von Debian und somit auch noch nicht zu Raspbian gefunden. Auch gibt es keine DEB-Pakete, die sich leicht über die Paketverwaltung einspielen ließen. Sie müssen die Software daher von Hand aus dem Quellcode bauen, was mit dem richtigen Wissen allerdings keinen außergewöhnlich großen Aufwand darstellt.

Zum Kompilieren von ShairPort aktualisieren Sie das System und installieren anschließend in einem ersten Schritt die notwendigen Abhängigkeiten und Bibliotheken (Listing 1) aus den Paketquellen von Raspbian. Anschließend laden Sie den Quellcode aus dem GitHub des Projekts und bauen die Software mit dem üblichen Dreisatz aus configure, make und make install (Listing 2).

Welcher RasPi für Hi-Fi-Audio?

Die Raspberry-Pi-Modelle der ersten Generation gelten nicht unbedingt als Klangwunder. Die bei diesen Platinen verwendeten Spannungswandler induzieren Störungen in das Audiosignal, die Sie dann als Rauschen und Knackser im Ton wahrnehmen. Erst beim Raspberry Pi B+ wurde diese Schwachstelle behoben. Erwägen Sie daher für optimale Tonqualität den Einsatz eines Modell B+ oder das Upgrade eines älteren RasPi mit einer USB-Soundkarte oder einem HiFiBerry-Modul [5].

Die Installationsroutine kopiert dabei allerdings nur die Programmdatei nach /usr/local/bin/. Es fehlen die Konfigurationsdatei und das Init-Skript, das später dafür sorgt, dass ShairPort beim Start des Systems automatisch mitlädt. Diese Dateien kopieren Sie daher zum Abschluss der Installation noch von Hand ins System (Listing 3).

Listing 1

 

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get upgrade
$ sudo apt-get install libssl-dev libavahi-client-dev libasound2-dev avahi-daemon

Listing 2

 

$ cd /tmp
$ git clone https://github.com/abrasive/shairport.git
$ cd shairport
$ ./configure
$ make
$ sudo make install

Listing 3

 

$ sudo cp scripts/debian/init.d/shairport /etc/init.d/
$ sudo cp scripts/debian/default/shairport /etc/default/

Danach benötigt die Konfigurationsdatei des ShairPort-Servers ein wenig Aufmerksamkeit. Öffnen Sie dazu die Datei /etc/default/shairport mit einem Editor mit Root-Rechten, also etwa mittels sudo nano /etc/default/shairport, und bearbeiten Sie die in Listing 4 genannten Variablen USER, GROUP, AP_NAME und MDNS. Den AirPlay-Namen dürfen Sie dabei frei wählen. Mit [Strg]+[O] schreiben Sie Ihre Änderungen auf die Speicherkarte, mit [Strg]+[X] beenden Sie danach den Nano-Editor.

Listing 4

 

# User and group under which shairport should be run
# user should have permission to output sound
# Check the audio output documentation for details.
USER=pi
GROUP=nogroup
...
# Set the AirPlay advertised name.
# Defaults to computer's hostname
AP_NAME=Raspberry Pi
...
# Force the mDNS backend
# By default, shairport will try all backends until one works.
# Check 'shairport -h' for details
MDNS=avahi

Zum Testen starten Sie nun den ShairPort-Server am besten einmal von Hand (Listing 5, Zeile 1) und schauen dann auf Ihr iPhone oder einen Mac mit aktiver iTunes-Software. Der Dialog unter dem AirPlay-Icon sollte jetzt den auf dem Raspberry Pi aktiven ShairPort-Server unter dem Namen Shairport-Test als möglichen Empfänger zum Streamen der iTunes-Musik aufführen (Abbildung 1).

Listing 5

 

$ shairport -a 'Shairport-Test'
Starting Shairport 1.1.1-22-gd679d19
Listening for connections.
$ sudo update-rc.d shairport defaults
$ sudo service shairport start
Abbildung 1: Mit ShairPort leiten Sie die Musikwiedergabe aus iTunes auf den Raspberry Pi um.

Gibt ShairPort trotz richtiger Konfiguration keinen Ton aus, dann müssen Sie eventuell noch die Wiedergabelautstärke erhöhen oder den von Raspbian genutzten Audioausgang von Hand bestimmen. Für einen schnellen Test geben Sie mit speaker-test -t sine -f 500 einen Sinuston über die Boxen aus. Hören Sie hier ebenfalls nichts, dann steigern Sie mit dem alsamixer mit [Pfeil-oben] die Wiedergabelautstärke bis kurz vor dem roten Bereich (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit dem Alsamixer erhöhen Sie die Wiedergabelautstärke des Raspberry Pi.

Erklingt immer noch kein Ton und hängt der Raspberry Pi über die Kopfhörerbuchse an einer Stereoanlage, dann erzwingen Sie entsprechend der Anleitung im Kasten "Audioausgang wählen" die Ausgabe über die analoge 3,5-mm-Klinkenbuchse. Ist Ihr RasPi per HDMI an einen AV-Receiver angeschlossen, dann geben Sie mit Force HDMI explizit den digitalen Weg vor – anschließend sollte die Audioausgabe korrekt konfiguriert sein.

Audioausgang wählen

Der Raspberry Pi gibt Klänge entweder über die 3,5-mm-Klinkenbuchse oder per HDMI aus. Raspbian sollte eigentlich automatisch erkennen, ob Sie am analogen Audioausgang ein Kabel angeschlossen haben, und den Ton entsprechend umleiten. Klappt dies bei Ihnen nicht, dann rufen Sie mit sudo raspi-config das Setup-Werkzeug von Raspbian auf und setzen unter 8 Advanced Options | A8 Audio den Audioausgang manuell (Abbildung 3).

Abbildung 3: Im Raspi-Config-Tool bestimmen Sie, welchen Audioausgang der RasPi verwenden soll.

Funktioniert alles zu Ihrer Zufriedenheit, dann beenden Sie mit der Tastenkombination [Strg]+[C] den testweise gestarteten ShairPort-Server und fügen das Programm mit den letzten zwei Befehlen aus Listing 5 zu den während des Boot-Vorgangs automatisch gestarteten Diensten hinzu. Um einen Neustart zu vermeiden, starten Sie den Dienst danach letztmalig von Hand.

XBMC als ShairPort-Alternative

Dient Ihnen ein Raspberry Pi mittels Raspbmc oder OpenELEC bereits als XBMC-Mediacenter, dann müssen Sie sich nicht mit der Installation eines AirPlay-Servers abmühen: Die vielseitige Mediacenter-Software bringt die entsprechende Funktion von Haus aus mit. Sie müssen lediglich den AirPlay-Dienst in den Einstellungen aktivieren.

Unter System | Dienste | AirPlay finden Sie dazu die Option AirPlay Inhalte empfangen (Abbildung 4). Ist diese aktiviert, dann finden Sie das Mediacenter in iTunes je nach XBMC-Installation unter dem Namen XBMC (OpenELEC) oder Kodi (OpenELEC) als mögliches Ziel des AirPlay-Streams.

Abbildung 4: Das XBMC-Mediacenter bringt von Haus aus einen integrierten AirPlay-Server mit.

Aufgrund des großen Umfangs und des nicht zu unterschätzenden Leistungshungers des Mediacenters sollten Sie jedoch nur dann auf XBMC setzen, wenn Sie den RasPi auch wirklich als Mediacenter nutzen möchten. Soll er lediglich als AirPlay-Empfänger für Musik dienen, dann bietet sich ShairPort als deutlich schlankere Option an; zudem bleibt Ihnen Raspbian als flexibler Mini-Server erhalten.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Aktuelle Ausgabe

05/2016
RasPi als Heimserver

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 7,99
(inkl. 19% MwSt.)

Neuigkeiten

  • Neues auf der Heft-DVD

    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial eines Mini-PC. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur die neusten Distributionen für den RasPi und Co., sondern gleichzeitig auch die passenden Programme zu den Artikeln.

  • Immer der Reihe nach

    Mittels SPI binden Sie schnell weitere Komponenten an einen ESP8266. Vorteile beim Verkabeln gehen aber unter Umständen durch komplexe Programmierung verloren.

  • Wetterfühler

    Empfindliche Pflanzen brauchen die passende Pflege. Mithilfe eines entsprechenden Sensors werten Sie die jeweiligen Parameter auf dem Raspberry Pi aus.

  • Angefasst

    Es gibt zahlreiche RasPi-Anwender, die suchen einen Raspberry Pi mit Display in einem kompakten Gehäuse. Die Display T. Box richtet sich genau an diesen Kundenkreis. Die überarbeitete Version bietet nun einen besseren Touchscreen und ein schnelleres Herz.

  • Learning by Doing

    Kano möchte für Grundschulkinder mehr sein als nur ein reiner Lerncomputer. Das RasPi-basierte System setzt auf ein innovatives, ganzheitliches Konzept.

  • Aufgegabelt

    Führende Owncloud-Entwickler, darunter der Gründer Frank Karlitschek, überwarfen sich mit dem Kurs des Projekts und haben mit Nextcloud einen Fork gestartet. Der soll ein besseres Gleichgewicht zwischen Unternehmen, Kunden und Nutzern herstellen.

  • Datenwerkstatt

    Mit dem kompakten grafischen Werkzeug SQLiteStudio erledigen Sie unkompliziert und schnell alle Alltagsaufgaben rund um SQLite-Datenbanken.

  • Drucken auf Kommando

    Ein Raspberry Pi eignet sich bestens als Druckserver für kleine Netze, zumal sich der Server-Dienst Cups auch abseits von Web- und GUI-Oberflächen via Terminal verwalten lässt.

  • Sicher ist sicher

    Eine gute Datensicherung bewahrt nicht nur bei Festplattenausfall vor Ärger, sondern hilft auch bei Virenbefall und Erpressungstrojanern. Der RasPi eignet sich perfekt als Backup-Server im Hintergrund.

  • Immer schön der Reihe nach

    Bei der Arbeit mit strukturierten Textdateien bietet Miller eine clevere Alternative zu herkömmlichen Werkzeugen wie Grep, Cut, Sed und anderen.