Jukebox-Distributionen für den Raspberry Pi im Test

© James Heyworth, 123RF

RasPi-Jukebox

Der RasPi macht nicht nur als Mini-Server oder stromsparendes Mediacenter eine gute Figur, sondern auch als Teil der Stereoanlage. Wir stellen drei Jukebox-Distributionen für den Rechenzwerg auf den Prüfstand.

README

Mit den Jukebox-Distributionen Volumio, RuneAudio oder Pi MusicBox rüsten Sie Ihre Stereoanlage digital nach.

Die klassische Hi-Fi-Stereoanlage aus Verstärker, Tuner und CD-Spieler wandelt sich immer mehr zum Auslaufmodell und Lieberhaberstück. Wo früher einmal in vielen Wohnzimmern ein Turm aus schwarz schimmernden Hi-Fi-Komponenten thronte, steht heute oft nur noch ein einziger AV-Receiver unter dem Fernseher – wenn überhaupt. Viele weniger audiophile Menschen begnügen sich inzwischen mit blechern tönender Musik aus einer iPhone-Dockingstation oder einem Bluetooth-Lautsprecher.

Einen nachhaltigen Aufschwung erlebt die Hi-Fi-Branche zuletzt mit vernetzten Lautsprechern und Verstärkern wie jenen von Sonos [1] oder dem Raumfeld-System des deutschen Herstellers Teufel [2]. Per PC-Anwendung oder Smartphone-App steuern Sie bei diesen Anlagen die Musikwiedergabe per Maus- oder Fingerzeig. Bei Sonos lässt sich die Musik sogar gleichzeitig in mehrere Räume streamen. Mithilfe von Jukebox-Distributionen für den Raspberry Pi rüsten Sie diese Funktionen in Ihrer Stereoanlage nach.

Volumio

Volumio [3] installieren Sie wie jede gewöhnliche Distribution für den Raspberry Pi. Die Homepage liefert ausführliche Installationshinweise für Windows, Mac OS X und Linux. Unter Windows bannen Sie die nach dem Entpacken des heruntergeladenen Archivs vorliegende IMG-Datei mit Win32 Disk Imager auf eine leere SD-Karte, unter Linux genügt dafür das bordeigene dd (Listing 1). Neben der Variante für den RasPi bieten die Entwickler Volumio auch für andere Mini-Rechner an, wie den Solidrun Cubox, den Udoo und den BeagleBone Black.

Listing 1

 

$ unzip Volumio1.4PI.zip
$ sudo dd if=Volumio1.4PI.img of=/dev/sdc && sync

Mit der Volumio-SD-Karte gestartet, erreichen Sie nun Ihren Raspberry Pi mit einem Webbrowser unter http://volumio oder der mDNS-/Zeroconf-Adresse http://volumio.local (Abbildung 1). Computer mit Mac OS X oder Linux sollten in der Lage sein, diese Adressen aufzulösen, eventuell gilt es, vorher noch Avahi zu installieren. Bei großen Distributionen wie Ubuntu, Fedora oder OpenSuse ist dies jedoch schon von Haus aus der Fall. Unter Windows rüsten Sie die Funktion mit Bonjour-Druckdienste für Windows von Apple [4] nach. Alternativ verrät Ihr Router, unter welcher IP-Adresse sich der Volumio-RasPi erreichen lässt.

Abbildung 1: Die Weboberfläche von Volumio kommt sehr schlicht und aufgeräumt daher.
Abbildung 2: Der Datenbank-Browser trennt übersichtlich zwischen Künstler, Album und Song.

In einem ersten Schritt füllen Sie die Musikdatenbank des Audioplayers. An den Raspberry Pi angeschlossene USB-Festplatten oder Speichersticks durchsucht Volumio automatisch nach Musikdateien. Unter Menu | Library und Add new mount binden Sie jedoch auch per Samba/CIFS und NFS Netzwerkfreigaben in Volumio ein. Fügen Sie Ihrer Musiksammlung weitere Alben hinzu, so müssen Sie die Volumio-Datenbank an dieser Stelle mit Update MPD database aktualisieren.

Raspberry-Pi-Hi-Fi im Vergleich

 

Volumio 1.4

RuneAudio 0.2-beta

Pi MusicBox 0.5 beta2

Unterstützte Quellen

USB

+

+

+

Samba/CIFS

+

+

+

NFS

+

+

Spotify

+

Google Music

+

Subsonic

+

Webradio

+

+

+

Podcasts

+

Airplay

+

+

+

MPD integriert

+

+

+

Unterstützte Dateiformate

MP3

+

+

+

OGG

+

+

+

WAV

+

+

FLAC

+

+

AAC

+

+

+

ALAC

+

+

Verfügbarkeit

Raspberry Pi

+

+

+

Solidrun Cubox

+

+

Udoo

+

+

BeagleBone Black

+

+

Die über Volumio zur Verfügung stehende Musik erreichen Sie entweder durch einen Klick auf Browse am unteren Fensterrand, oder Sie durchstöbern unter Library die vom Audioplayer bereits indexierte Musiksammlung (Abbildung 2). Hier lassen sich die nach Künstler, Alben und Titel getrennten Songs auch bequem durchsuchen und zur Playlist hinzufügen. Das Webfrontend passt sich der Fensterbreite an, sodass Sie diese Seite auch gut mit dem Handy steuern können.

Sollte Sie die Audioqualität des auf dem Raspberry Pi integrierten Audiochips nicht zufriedenstellen, so bietet es sich an, eine USB-Soundkarte wie eine Creative Sound Blaster X-Fi oder ein günstigeres No-Name-Gerät an den Raspberry Pi zu hängen. Unter Menu | Playback erlaubt Ihnen Volumio die Audioausgabe umzuleiten.

RuneAudio

RuneAudio [5] entspricht von der Optik her in weiten Teilen Volumio, aufgrund der gemeinsamen Geschichte verwundert dies auch nicht weiter: Beide Projekte gingen aus dem Tsunamp-Projekt [6] hervor. Volumio setzt jedoch auf Debian als Basis, bei RuneAudio kommt Arch Linux zum Einsatz. Für das Abspielen der Musik zeichnet in beiden Fällen der Music Player Daemon MPD verantwortlich, auf den wir am Ende dieses Artikels noch genauer eingehen.

Installation und Konfiguration von RuneAudio entsprechen in weiten Teilen jenen von Volumio. Den mit RuneAudio gestarteten RasPi erreichen Sie nach dem Start unter den URLs http://runeaudio oder http://runeaudio.local. Auf der Weboberfläche (Abbildung 3) zeigt RuneAudio unter Browser die lokal gefundene Musik an (Abbildung 4), Samba- oder NFS-Netzwerklaufwerke binden Sie unter Menu | Database und Add new mount ein.

Abbildung 3: RuneAudio und Volumio ähneln sich im Hinblick auf die Oberfläche sehr.
Abbildung 4: Im Gegensatz zu Volumio bietet RuneAudio nur einen Ordner-Browser.

In der Standardkonfiguration deaktiviert RuneAudio den in die Oberfläche integrierten Lautstärkeregler. RuneAudio möchte auf diesem Weg eine bestmögliche Tonqualität garantieren, die Wiedergabelautstärke müssen Sie über einen angeschlossenen Verstärker regeln. Unter Menu | MPD | Volume control aktivieren Sie den internen Lautstärkeregler nachträglich.

Der Software-Mixer bietet hohe Kompatibilität, reduziert jedoch die Tonqualität. Der Hardware-Mixer bietet eine gute Tonqualität, benötigt jedoch einen entsprechenden Hardware-Support – beim Raspberry Pi ist der gegeben. Nutzen Sie eine USB-Soundkarte, dann blendet RuneAudio hier auch den Punkt Overall sound quality ein und überlässt dann dem zusätzlichen Audiogerät die Lautstärkeregelung.

Im Gegensatz zu dem von uns getesteten Volumio 1.4 trennt RuneAudio unter Menu | MPD die in Audio output interface aufgelisteten Audioausgänge sauber auf. An dieser Stelle haben Sie daher die Wahl, den Ton entweder über HDMI oder über den analogen Audioausgang auszugeben. Eine Änderung des Tonausgangs setzt RuneAudio ohne einen Neustart direkt um.

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