Der Raspbian-Desktop LXDE im Detail

© pino, 123RF

Desktop Light

Das Lightweight X11 Desktop Environment, oder kurz LXDE, sorgt dafür, dass auch auf dem Raspberry Pi alle Vorteile einer leistungsfähigen grafischen Benutzerschnittstelle zur Verfügung stehen.

README

Die leichtgewichtige grafische Oberfläche LXDE erweist sich als leistungsfähiger und weitgehend nach eigenen Wünschen konfigurierbarer Desktop. Mit ein wenig Know-how und einem schlichten Texteditor passen Sie LXDE schnell Ihren Vorstellungen an.

Unter den Entwicklern und Benutzern von Linux gilt es als Binsenweisheit, dass es so gut wie jede Komponente des freien Betriebssystems, vom Kernel einmal abgesehen, mindestens in zwei Varianten gibt. So tut man sich schwer, unter Windows eine andere weit verbreitete Bürosuite zu finden als Microsoft Office – unter Linux streiten sich OpenOffice, LibreOffice und Calligra um diese Position.

Bei den Desktop-Umgebungen sieht es ganz ähnlich aus: Unter Mac OS X und Windows arbeiten Sie unter der vom Hersteller vorgegebenen Oberfläche, unter Linux haben Sie die Wahl zwischen Gnome, KDE, Unity, LXDE, XFCE, Cinnamon, Maté, Enlightenment und vielen anderen.

Mit Linux nicht vertraute Anwender irritiert diese Qual der Wahl regelmäßig, doch tatsächlich ist jedes der zahlreichen Desktop-Projekte ursprünglich einmal entstanden, um ein ganz bestimmtes Bedürfnis zu befriedigen. Die Gnome-Entwickler gelten als Usability-Fetischisten, die es mit dem Mantra der einfachen Bedienbarkeit für Endanwender gerne auch mal übertreiben. KDE dagegen ist vollgestopft mit vom Benutzer anpassbaren Features und Funktionen, Enlightenment will auch auf dem ältesten Rechner noch mit spektakulären 3D-Effekten glänzen und so weiter.

Bei Raspian, der offiziellen Distribution für den RasPi, hat sich die Raspberry Foundation für LXDE [1] als Desktop-Umgebung entschieden – eine gute Wahl: LXDE gibt sich mit wenig Systemressourcen zufrieden, und wenn es auch nicht so viele Einstellmöglichkeiten bietet wie KDE oder eine aufpolierte Oberfläche wie Gnome, so bringt es doch alles mit, was ein moderner Desktop braucht.

Einstieg in LXDE

Bekanntlich lässt sich Raspbian wahlweise auf eine Kommandozeile oder direkt in die grafische Oberfläche booten. Auch von der Kommandozeile aus lässt sich der Desktop nachträglich starten, indem Sie startx aufrufen. Das Layout der LXDE-Oberfläche gibt sich recht konventionell (Abbildung 1), ein riesiges RasPi-Logo prangt auf der ansonsten schneeweißen Oberfläche (Punkt 1).

Klicken Sie mit der rechten Maustaste in den leeren Bereich des Desktops, erscheint ein Menü, über das Sie Einstellungen zum Desktop treffen. Wählen Sie Desktop Preferences, können Sie beispielsweise das Hintergrundbild und die verwendeten Schriften ändern und anderes mehr.

Abbildung 1: Der Raspbian-Desktop und seine Komponenten.

Auf der Desktop-Oberfläche tummeln sich links bereits die Icons für einige wichtige Anwendungen (Punkt 2). Wie bei den meisten grafischen Oberflächen müssen Sie eines davon doppelt anklicken, um die zugehörige Applikation zu starten. Weitere Anwendungen lassen sich relativ einfach hinzufügen; es genügt jedoch dazu nicht, einfach ein Icon auf den Desktop zu ziehen. Wie Sie trotzdem Ihre am meisten benutzten Programme direkt über den Desktop erreichbar machen, lesen Sie weiter unten im Abschnitt "Maßgeschneidert".

An der Unterseite des Bildschirms gibt es ein Panel (Punkt 3) samt einem Menü-Startknopf in der linken Ecke (Punkt 4). In der Anwendungsleiste links neben dem Menüstarter finden Sie Icons zum Starten des Dateimanagers und Webbrowsers sowie eine App, die es erlaubt, alle angezeigten Fenster zu minimieren oder einzuklappen (Punkt 5). Als Nächstes folgt der Desktop-Umschalter (Punkt 6), dessen Existenz schon signalisiert, dass LXDE mehr als nur einen Desktop zur Verfügung stellt.

Der mittlere Teil des Panels bleibt für die sogenannte Taskbar reserviert (Punkt 7), die eine Liste der geöffneten Fenster umfasst. Ganz rechts im Panel residieren ein Applet, welches die CPU-Auslastung signalisiert (Punkt 8), sowie eine Uhr. Daran schließt sich eine Anwendungsleiste an (Punkt 9), die einen Button zum Sperren des Bildschirms enthält sowie einen weiteren Schalter, mit dem Sie sich abmelden oder das System herunterfahren beziehungsweise neu starten.

Bei einem Rechtsklick auf das Panel erscheint ein Popup-Menü. Wählen Sie dort Panel Preferences an, können Sie das Aussehen des Panels beeinflussen, weitere Applets hinzufügen oder nicht gebrauchte entfernen. Im Reiter Geometry stellen Sie die Größe und Position des Panels und seiner Icons ein; in Appearance wählen Sie Farben und ein Theme; in Panel Applets ergänzen Sie weitere Apps und sortieren diese über die Schalter Up und Down (Abbildung 2). Ungeachtet der Bezeichnung meint im Default-Panel Up nach links, Down dementsprechend nach rechts.

Abbildung 2: Über die Panel Preferences fügen Sie dem XFCE-Panel unkompliziert weitere Applets hinzu.

Viele der Komponenten im Panel lassen sich ebenfalls den eigenen Wünschen gemäß anpassen. Ein Rechtsklick auf die Anwendungsleiste beispielsweise fördert ein Menü zutage, über das Sie der Leiste die Icons für weitere von Ihnen häufig verwendete Anwendungen hinzufügen.

Doppelter Desktop

Wie die meisten grafischen Oberflächen unter Linux stellt auch LXDE mehr als nur eine Arbeitsfläche bereit. Sie können bis zu 16 solcher Arbeitsflächen einrichten, doch mehr als vier davon braucht man erfahrungsgemäß nur in Ausnahmefällen, und zu viele aktive Flächen produzieren nur unnötig Systemlast.

Um eine neue Arbeitsfläche hinzuzufügen, klicken Sie mit der mittleren Maustaste beziehungsweise dem Mausrad auf eine freie Stelle des Desktops und wählen aus dem daraufhin erscheinenden Menü den Punkt Add new desktop. Um zwischen den einzelnen Flächen zu wechseln, verwenden Sie ebenfalls die mittlere Taste der Maus oder klicken im Desktop-Umschalter des Panels einfach die gewünschten Bereiche an.

Ein Rechtsklick auf die Titelleiste eines Fensters fördert ein Menü zutage, über dessen Punkt Send to desktop Sie das Fenster auf eine andere Arbeitsfläche befördern (Abbildung 3). Soll es eine angrenzende Fläche sein, klappt das auch, indem Sie das Fenster mit der Maus auf die entsprechende Seite des Desktops ziehen.

Abbildung 3: Durch Anklicken der Titelleiste können Sie Fenster auf andere Arbeitsflächen verschieben.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Aktuelle Ausgabe

10/2019
Raspberry Pi 4B

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Sonnige Zeiten

    UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar, was sie umso gefährlicher macht. Die Höhe der tatsächlichen Belastung verrät Ihnen das Selbstbauprojekt UV-Sensor.

  • Gut verpackt

    Für das Ansteuern kleiner Displays gibt es keine Programme von der Stange. Mit Python und einer Pygame-Bibliothek erstellen Sie trotzdem im Handumdrehen Anwendungen.

  • Macro-Mini-Micro-Bit

    Was dem Raspberry Pi für die Computerwelt gelungen ist, versucht der BBC Micro:bit für Mikrocontroller zu wiederholen. Das für Schüler entwickelte Kit hilft beim Einstieg in die hardwarenahe Programmierung.

  • Vorhang auf

    Mit dem modernen Video-Codec HEVC (H.265) erstellte Filme spielen bisherige RasPi-Modelle oft nur ruckelnd ab. Wir testen, ob der neue Raspberry Pi 4B das besser kann.

  • Überraschung!

    Eine optimierte Architektur und mehr RAM beschleunigen den RasPi 4B deutlich. Wir prüfen, wie gut sich der Neuling als Desktop-Rechner schlägt.

  • Durchgestartet

    Ein Stresstest zeigt, wie sich der neue Raspberry Pi 4 Modell B gegenüber den älteren Modellen abhebt.

  • Vierte Generation

    Eine schnellere CPU, USB 3.0 und Gigabit-Ethernet sind nur die Highlights des Raspberry Pi 4B: Das Board bringt viele weitere Neuerungen mit.

  • Tiefenmesser

    Um die Pumpe in einem Brunnenschacht möglichst genau zu positionieren, brauchen Sie dessen Tiefe. Die ermitteln Sie mithilfe eines präzisen Messgeräts aus einem Luftdrucksensor und einem Mikrocontroller.

  • Faktencheck

    Das via DVB-T2 ausgestrahlte Digital-TV liefert Bilder in HD-Qualität. Der dabei eingesetzte H.265-Standard überfordert allerdings kleine Mini-Rechner wie den Raspberry Pi – oder geht es doch?

  • Zugriff von außen

    React Native erlaubt es, Apps mit wenigen Zeilen Code zu programmieren. Mit einem entsprechenden Server sprechen Sie so den RasPi vom Smartphone aus an.