Distributionen für den Raspberry Pi im Überblick

© subbotina, 123RF

Süße Früchtchen

Für den Raspberry Pi gibt es inzwischen eine Vielzahl an Betriebssystemen für jeden nur denkbaren Einsatzzweck. Wir stellen Ihnen die zwölf wichtigsten vor.

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Erst das richtige Betriebssystem haucht dem Pi Leben ein. Wir stellen hier sowohl die bekannteren OS-Images vor als auch exotischere Vertreter. Neben einer Vielzahl an prominenten Linux-Distributionen finden sich darunter auch zwei vollkommen eigenständige Betriebssysteme.

Auf keinem Rechner wechselt man das Betriebssystem so leicht wie auf dem Raspberry Pi: Einfach eine SD-Karte mit einem anderen OS-Image booten, fertig. Doch welches der zahlreichen angebotenen Systeme soll man wofür wählen? Und was für ein SD-Card-Image eignet sich für welchen Zweck am besten?

Einige Betriebssysteme für den Raspberry Pi ragen aus der Masse besonders hervor. Bei manchen liegt das daran, dass es sich um Ports besonders beliebter Linux-Distributionen handelt. Andere genießen im Netz besonders hohe Popularität , wieder andere verdanken ihre Verbreitung der Tatsache, dass sie auch auf der offiziellen Homepage der Raspberry-Pi-Foundation zum Download [1] bereitstehen.

Raspbian

Das bekannteste OS für den RasPi ist mit Sicherheit Raspbian [2]. Dabei handelt es sich um eine für den Minirechner angepasste Variante von Debian GNU/Linux. Debian ist nicht nur auf Serversystemen weit verbreitet, sondern bildet auch die Grundlage für einige populäre Desktop-Distributionen, wie beispielsweise Ubuntu. Dies wirkt sich wiederum positiv auf Raspbian aus: Mit den 35 000 Paketen aus den Debian-Paketquellen kann der Nutzer auf eine enorme Menge an freier Software zurückgreifen.

Raspbian liegt in den beiden Varianten Hardfloat und Softfloat vor. Erstere arbeitet deutlich schneller, weswegen Sie es in fast allen Fällen bevorzugen sollten. Wollen Sie aber aus irgendeinem Grund die Java-VM von Oracle nutzen, müssen Sie auf das Softfloat-Image zurückgreifen: Die Hardfloat-Variante ist mit der Oracle-JVM nicht kompatibel.

Nach dem Booten von Raspbian startet automatisch das Tool Raspi-config, in dem Sie über ein kleines Menü wichtige Einstellungen anpassen, wie etwa Passwort und Zeitzone. Hier wählen Sie auch aus, ob nach dem Booten der schlanke grafische Desktop LXDE starten soll (Abbildung 1). Besonders für Einsteiger, die das Arbeiten mit der Shell scheuen, stellt er eine gewisse Erleichterung dar. Auf der Arbeitsfläche und im Startmenü finden auch Newbies schnell wichtige Programme: Mit Midori surfen Sie dank der flinken Webkit-Engine schnell durch das Web, die visuelle Entwicklungsumgebung Scratch ist ebenfalls bereits vorinstalliert.

Abbildung 1: Die am weitesten verbreitete RasPi-Distribution: Das von Debian GNU/Linux abstammende Raspbian.

Wollen Sie den RasPi auch für Büroarbeiten nutzen, spielen Sie über den Paketmanager bequem auch LibreOffice aus dem Netz ein. Die freie Bürosuite reagiert trotz ihres Funktionsumfangs überraschend zügig: Zumindest auf dem B-Modell mit 512 MByte RAM treten bei gewöhnlichen Aufgaben keinerlei Performance-Probleme auf. Riesige Tabellen mit umfangreichen Berechnungen bringen den Pi allerdings verständlicherweise an seine Grenzen.

Raspbian gilt zurecht als die Standard-Distribution für den RasPi: Sie erleichtert einerseits Einsteigern die ersten Schritte mit dem Minirechner, weswegen sie auch als Grundlage vieler Tutorials bildet. Andererseits fühlen sich mit ihr auch fortgeschrittene Anwender wohl, die auf einem Desktop oder Server schon Debian oder eines seiner Derivate genutzt haben. Trotzdem können für einige Anwendungszwecke andere Distributionen interessanter sein, wie wir im Folgenden sehen werden.

Pidora

Bei Pidora [3] handelt es sich um eine an den Raspberry Pi angepasste Version von Fedora, der Community-Variante von Red Hat Linux. Auf Desktop-PCs erfreut sich Fedora hoher, auf Servern wachsender Bedeutung. Unter anderem deswegen plante die Raspberry Pi Foundation ursprünglich, Pidora zur Standard-Distribution für den RasPi zu ernennen. Doch die ersten Versionen erwiesen sich als sehr langsam und zum Teil fehlerhaft, weswegen Raspbian zum Klassenprimus aufstieg und von da an stark gefördert wurde. Inzwischen haben die Pidora-Entwickler jedoch die anfänglichen Kinderkrankheiten beseitigt und für gute Performance gesorgt. Für ältere RasPi-Modelle mit lediglich 256 MByte RAM erwies sich Pidora jedoch in unserem Test als nach wie vor ungeeignet.

Nach dem ersten Booten nehmen Sie die Erstkonfiguration des RasPi komfortabel über eine grafische Oberfläche vor. Zudem gibt es nützliche Erweiterungspakete: So kann Pidora beispielsweise im Headless-Betrieb die aktuelle IP-Adresse des Minirechners via Sprachausgabe nennen oder über LEDs anzeigen. Fast alle Software-Pakete für das PC-Fedora stehen auch in der ARM-Paketquelle für den RasPi zur Verfügung. Allerdings fehlen einige wichtige Video- und Audio-Codecs. Daher greifen Sie für Multimedia-Projekte derzeit besser zu Raspbian oder zu einer jener Distributionen, die auf das Media-Center XBMC fokussieren.

Für andere Zwecke eignet sich Pidora jedoch bestens – insbesondere, wenn Sie Fedora und dessen Spezifika (wie etwa den Paketmanager Yum und die kurzen Release-Zyklen) bereits kennen. Anders als auf einem PC mit Fedora-Installation treffen Sie hier jedoch nicht auf den Gnome-Desktop, sondern auf das leichtgewichtigere XFCE – ein Tribut an die eingeschränkten Ressourcen des Raspberry Pi (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Fedora-Ableger Pidora hat seine anfänglichen Leistungsprobleme inzwischen überwunden.

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