Viele IoT-Geräte sind gegen Angriffe so schlecht geschützt, dass es ein Kinderspiel ist, sie aus der Ferne zu übernehmen. Das muss keineswegs so sein: Mit den richtigen Mitteln und Werkzeugen lässt sich gegensteuern.
Das S in IoT steht bekanntlich für Sicherheit – so lautet ein Bonmot der Netzkultur. Die jüngere Geschichte der IoT-Entwicklung ist gepflastert von absurden Beispielen, in denen die Sicherheit im Internet der Dinge fatal auf der Strecke blieb. Quasi ein Evergreen ist die per Bluetooth zu steuernde Toilette, deren Pairing-Code 0000 war und sich nicht ändern ließ. Auch die smarte Milchpumpe, die aus unschuldigen Müttern unverhofft Botnet-Betreiber machte, dürfte dem einen oder anderen noch in Erinnerung geblieben sein.
Das alles hat dem Erfolg des Prinzips IoT aber offensichtlich keinen Abbruch getan: Immer umfangreicher wird die Masse der schlauen Helfer in den Haushalten. Nicht zuletzt das Bedürfnis, in diesem Winter mit der verfügbaren Energie sparsam umzugehen, hat vielerorts unter anderem zum Einbau schlauer Heizthermostate geführt. Die lassen sich aus der Ferne steuern und erlauben eine deutlich genauere Kontrolle der Raumtemperatur als ihre analogen Vorgänger. Auch sonst muss man nicht lange suchen, um vielerorts schlaue Geräte zu finden: Die smarte Jalousiensteuerung, die intelligente Hausbeleuchtung, schlaue Steckdosen oder Kaffee- und Waschmaschinen, die sich per WLAN steuern lassen, sind nur einige Beispiele.
Wie immer gilt: Wo Technik ist, lässt sie sich potenziell missbrauchen. Im Kontext von IoT ist das vielen Anwendern gar nicht bewusst, weil sie das von eventuell problematischen Geräten ausgehende Bedrohungsszenario nicht verstehen. Was hätten Angreifer schon davon, die Kontrolle über eine smarte Waschmaschine zu übernehmen? Abgesehen von einer bewusst herbeigeführten Überlastung durch den ständigen Betrieb ergibt sich hier in der Tat kein größeres Problem.
Anders sieht die Sache aber schon aus, wenn man sich mit den smarten Jalousien und vor allem der intelligenten Steuerung der Beleuchtung im eigenen Heim beschäftigt. Wer Zugriff auf die Konfiguration von Philips Hue (Abbildung 1) bekommt, sieht beispielsweise, wann jemand zu Hause ist und wann nicht. Diese Information lässt sich wunderbar nutzen, um Einbrüche in die betroffenen Wohnungen oder Häuser zu planen. Auch unsichere Thermostate an Heizkörpern können zum Problem werden, etwa bei einem Nachbarschaftszwist, bei dem ein Nachbar dem anderen die Wohnung in eine Sauna verwandelt. Stellt er das noch schlau an und ändert im Anschluss die Zugangsdaten zum Kontrollzentrum der Thermostate, läuft die Heizung beim Nachbarn auf Hochtouren, ohne dass dieser etwas dagegen unternehmen könnte.

Abbildung 1: Smarte Beleuchtungsutensilien wie Hue-Lampen von Philips nutzen in der Regel Zigbee für die Kommunikation untereinander. Das verkleinert den Angriffsvektor, durch den benötigten Hub bleibt aber ein Restrisiko. Quelle: Philips
Wie so oft im IT-Kontext gilt auch im Zusammenhang mit IoT, dass Vorsicht besser ist, als das Nachsehen zu haben. Wer zu Hause IoT-Geräte betreibt, tut deshalb gut daran, einige Faktoren zu beachten, um die Sicherheit zu erhöhen. In diesem Artikel geht es genau darum: Worauf sollten Sie bereits bei der Anschaffung von IoT-Geräten achten, welche Software steht zum Abwehren von Angriffen zur Verfügung, und mit welchen Werkzeugen können Sie zu Hause mit relativ geringem Aufwand zumindest herausfinden, dass etwas nicht stimmt?
Die richtige Hardware
Ihren Anfang nimmt die Betrachtung von Sicherheitsaspekten im IoT-Kontext an einem Punkt, den viele Käufer entsprechender Geräte schon gar nicht mehr beachten: die Wahl der richtigen Hardware. Dabei liegt es auf der Hand, dass Sicherheitsaspekte, um die der Hersteller einer Lösung sich adäquat kümmert, nicht mehr auf der To-do-Liste des Anwenders stehen müssen. Ein Faktor teilt die IoT-Geräte in zwei Gruppen: die WLAN-Anbindung.
Ein Teil der am Markt verfügbaren IoT-Geräte nutzt für seine Kommunikation Protokolle und Standards, die an den spezifischen Zweck angepasst sind, allen voran Zigbee. Zigbee ist auch ein Wireless LAN, aber nicht das typische WLAN des heimischen WLAN-Routers. Stattdessen funkt Zigbee auf eigenen Frequenzen, und es ist für Clients nicht vorgesehen, sich in ein Netz auf Zigbee-Basis einzuloggen. Wie ein normales Wi-Fi lässt Zigbee sich also gar nicht nutzen, und das ist bereits ein Beitrag zur Sicherheit: Ein Netz, das umfangreichen Angriffsszenarien keinen Raum bietet, ist von vorneherein weniger anfällig.
Zur Riege der Zigbee-Geräte gehören heute typischerweise Lösungen für die smarte Beleuchtung von Räumen, darunter Philips Hue. Auch viele Thermostate für Heizkörper setzen auf die Kommunikation nach diesem Standard. Allerdings ist ein Kommunikations-Gateway nötig, um zwischen den Zigbee-Geräten einerseits und dem Administrator andererseits zu vermitteln. Das ist in den meisten Setups der sogenannte Hub, wie man ihn im Beispiel Philips Hue findet. Er steht quasi mit einem Bein in der Zigbee-Kommunikation, ist mit dem anderen aber automatisch Mitglied des normalen Netzwerks vor Ort und mithin ein neuralgischer Ansatzpunkt für die Abwehr von Angreifern.
Hersteller in der Pflicht
Hier greift wieder die Forderung, sich im Vorfeld die Hardware genauer anzusehen, die man sich ins Haus holt, denn die erste Verteidigungslinie im Kampf gegen IoT-Angriffe ist stets der Hersteller. Ihn trifft die Pflicht, die eigene Nutzerschaft regelmäßig mit Updates zu versorgen, um bekannt gewordene Fehler in den Geräten zu korrigieren. Die Premiumhersteller haben hier in Summe eine gute Leistungsbilanz. Wer sich allerdings schlaue Lampen via Ali Express aus Fernost bestellt, holt sich möglicherweise buchstäblich Probleme ins Haus. Hängt ein verwundbares Gerät erst einmal im Netz, wird vom Hersteller aber nicht mehr aktualisiert, handelt es sich um einen permanent präsenten, gefährlichen Angriffspunkt für einen Einbruch.
Als Administrator eines lokalen Netzwerks sind Sie dem aber nicht vollkommen schutzlos ausgeliefert. Die allermeisten Router und Wi-Fi-Access-Points bieten heute die Möglichkeit, mehrere Netzwerke lokal zu betreiben. Es gibt dann etwa ein Gastnetz, dessen spezifische Parameter Sie bis ins Detail festlegen können. Die Idee dahinter gilt eigentlich der Internet-Anbindung von Besuchern in Ihren vier Wänden. Sie lässt sich im Sinne von höherer IoT-Sicherheit aber wunderbar verwenden, um die IoT-Geräte in einem eigenen Netzwerksegment zu separieren.
Daraus wiederum ergeben sich etliche Möglichkeiten, die Sicherheit zu erhöhen, auch wenn einige der Maßnahmen ausgesprochen mühsam sind. So lässt sich für ein IoT-Netz beispielsweise auf den meisten Routern eine generelle Sperre für ein- wie ausgehende Pakete definieren. Hier lautet die Devise dann, dass die im Netz beheimateten Geräte weder Traffic für die Außenwelt produzieren dürfen noch welchen empfangen, den der Administrator – also Sie – per Firewall zuvor nicht explizit erlaubt hat. Mühsam ist diese Absicherung vor allem, weil längst nicht jeder Hersteller klar kommuniziert, mit welchen Systemen im Netz seine Geräte denn zu kommunizieren gedenken. Versuch und Irrtum, ergänzt um eine entsprechende Google-Suche sind hier in der Regel die Mittel der Wahl.
Die Segmentierung hat übrigens noch weitere Vorteile: Sie sorgt dafür, das Schadensausmaß eines Angriffs so klein wie möglich zu halten. Selbst wenn es einem Angreifer gelingen sollte, das IoT-Netz zu kompromittieren, erhält er dadurch nicht automatisch Zugriff auf das normale WLAN-Netz und die sich darin befindlichen Geräte. Zumindest der Verlust von Daten lässt sich auf diese Weise gut verhindern.
Direktes Wi-Fi
Finden sich im heimischen Netz Geräte, die unmittelbar per WLAN im Netz hängen und nicht auf Zigbee setzen, erweisen sich gut segmentierte Wi-Fi-Netzwerke als beinahe überlebenswichtig. Als Anwender bekommen Sie es hier nämlich mit einer ganzen Reihe potenzieller Probleme zu tun, eines kritischer als das andere.






