Ohne einen funktionsfähigen PC kann man einen neuen Raspberry Pi nicht in Betrieb nehmen. Die Testversion des überarbeiteten Bootloaders löst diese Abhängigkeit, indem sie den RasPi Imager integriert.
Will man einen neuen Raspberry Pi bestücken oder ein alternatives Betriebssystem auf dem Mini-Computer einspielen, braucht man dazu bislang immer einen einsatzbereiten zweiten Computer, um darauf etwa mittels des Raspberry Pi Imagers das Betriebssystem auf eine SD-Karte zu flashen. Eine nun veröffentlichte Beta-Version des Raspberry-Pi-Bootloaders soll dieses Problem über eine Netzwerkinstallation lösen. Die Raspberry Pi Foundation sucht noch Beta-Tester für den Bootloader [1]. Mit diesem Artikel kommen wir der Aufforderung nach.
Entwickler Peter Harper schreibt in der Ankündigung, dass sich mit der neuen Netzwerkinstallationsfunktion die Anwendung Raspberry Pi Imager direkt auf einem Raspberry Pi 4 oder 400 starten lässt, indem man sie via Ethernet-Kabel aus dem Internet herunterlädt. Anschließend könne man den nun im Speicher des Raspberry Pi laufenden RasPi Imager wie gewohnt zum Flashen des Betriebssystems auf eine SD-Karte oder einen USB-Stick einsetzen.
Neuer Bootloader
Um den neuen Bootloader auf dem RasPi zu installieren, müssen Sie zunächst den Raspberry Pi Imager für Ihren Computer herunterladen. Die Anwendung gibt es für Linux, MacOS und Windows. Nach der Installation rufen Sie das Programm auf und wählen den Schalter SD CARD BOOT zum Einspielen eines Systems aus. Im sich daraufhin öffnenden Menü überspringen Sie jedoch die Betriebssysteme und wählen gegen Ende der Liste die Option Misc utility images aus. Hier finden Sie nun den Eintrag Beta Test Bootloader, mit dem Sie die Installation fortsetzen (Abbildung 1). Die Option Bootloader würde den alten, noch offiziellen Bootloader zurückspielen.

Abbildung 1: Die Beta-Version des neuen Bootloaders müssen Sie einmalig über den Raspberry Pi Imager auf Ihrem RasPi 4 oder 400 einspielen.
Nach diesem Schritt erfragt der Imager, in welcher Reihenfolge der Raspberry Pi in Zukunft nach bootfähigen Medien suchen soll. Mit der Option SD Card Boot bootet das System primär von der SD-Speicherkarte, mit USB Boot von einem USB-Stick oder Kartenleser. Danach wählen Sie über SD-KARTE WÄHLEN ein Speichermedium aus. Achtung: Der Prozess überschreibt die Daten auf der Speicherkarte vollständig. Nutzen Sie daher nicht eine Karte mit einem bestehenden RasPi-System, das Sie in Zukunft noch verwenden möchten. Ein Klick auf SCHREIBEN kopiert die Daten auf das ausgewählte Speichermedium.
Booten Sie jetzt Ihren Raspberry Pi 4 oder 400 von der Speicherkarte, dann leuchtet der Bildschirm lediglich komplett in Grün auf, weitere Informationen gibt es auf dem Display nicht zu sehen. Lassen Sie sich davon nicht irritieren: Das ist kein Fehler, sondern einfach nur das Signal, das beim Einspielen des Bootloaders in den Speicher des Raspberry Pi anzeigt, dass alles funktioniert hat.
Klemmen Sie nun den Mini-Rechner wieder vom Strom ab und legen Sie eine Speicherkarte mit einem bestehenden System ein, dann sollte der RasPi wie gewohnt starten. Findet der RasPi allerdings nicht sofort ein bootfähiges System, startet der neue Bootloader – vorausgesetzt, am RasPi ist eine Tastatur angeschlossen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Findet der Bootloader eine Tastatur, aber kein Betriebssystem, dann startet ein grafischer Dialog. Durch einen Druck auf die Umschalttaste laden Sie den RasPi Imager.
Netzwerk-Installer
Ohne weitere Interaktion mit dem Nutzer sucht der Bootloader auf der SD-Speicherkarte sowie auf per USB angeschlossenen Datenträgern nach einem bootfähigen System. Die Anzeige Trying boot mode USB-MSD oder Trying boot mode SD erläutert, wo das System gerade sucht. Legen Sie erst jetzt eine vorbereitete Speicherkarte mit Raspberry Pi OS in den Kartenleser, startet das System nach einer kurzen Wartezeit.
Möchten Sie das System jedoch frisch installieren, ohne einen gesonderten Rechner zu bemühen, schließen Sie den Raspberry Pi über ein Ethernet-Kabel ans lokale Netzwerk an und drücken die Umschalttaste für mehr als drei Sekunden. Daraufhin bezieht der Bootloader über DHCP vom Router die Netzwerkkonfiguration und lädt aus dem Internet eine angepasste Version des Raspberry Pi Imager herunter (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der im Bootloader geladene Raspberry Pi Imager gleicht der PC-Version. Mit wenigen Klicks schreiben Sie das gewünschte System auf eine Speicherkarte.
Im Imager stellen Sie am unteren Rand auf Deutsch als Sprache und de als Tastaturlayout um. Danach suchen Sie wie gewohnt über OS WÄHLEN das zu installierende Betriebssystem und via SD-KARTE WÄHLEN das Ziel aus (Abbildung 4). Installieren Sie ein RASPBERRY PI OS, erscheint ein zusätzlicher Schalter mit einem Zahnrad, über das Sie die erweiterten Optionen öffnen. Dort tragen Sie zum Beispiel den Host-Namen schon vor dem ersten Start des Betriebssystems ein, aktivieren das WLAN und den SSH-Zugang oder setzen einen Benutzernamen und ein Passwort.







