Aus Raspberry Pi Geek 10/2020

DAB+-Platine für den RasPi

© Pariwat Intrawut, 123RF

Guter Empfang

Bernhard Bablok

Das DAB Board von uGreen bietet viele Möglichkeiten für eigene Radioprojekte, und sei es nur zum Nachrüsten eines entsprechenden Empfängers für den heimischen Receiver.

DAB+ bietet eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber den derzeit noch weitverbreiteten analogen Sendern. Der größte Vorteil: Die Übertragung erfolgt selbst bei schlechtem Empfang einwandfrei, das Rauschen und Knistern im Randbereich der Sender entfällt. Neben dem eigentlichen Radioprogramm liefern entsprechende Stationen zusätzlich Daten wie Verkehrsinformationen oder Informationen zum aktuell laufenden Lied. UKW-Frequenzen, die durch den Wechsel freiwerden, stehen für andere Zwecke bereit.

Manche sehen DAB+ nur als Übergangstechnologie auf dem Weg zu einer Streaming-Lösung via Mobilfunknetz. So forderte der Landtag von Niedersachsen Mitte 2019 einstimmig die Landesregierung auf, sich für ein Ende von DAB+ einzusetzen. Das das Mobilfunknetz mit genug Bandbreite für jedermann in absehbarer Zeit flächendeckend bereitsteht, ist aber wenig wahrscheinlich. Ein solcher Ansatz ließe außerdem Krisenszenarien mit großflächigem Stromausfall außer Acht.

Zumindest die Rundfunkanstalten rühren nach wie vor kräftig die Werbetrommel für DAB+, das Angebot an passenden Geräten ist jedoch eher spärlich. Es gibt Nachrüstsätze für Autos sowie tragbare Kofferradios und weitere Geräte im unteren Qualitätsbereich. Wer ein DAB+-Gerät mit HDMI-Ausgang für seinen AV-Receiver sucht, tut sich dagegen schwer. Einen komplett neuen Receiver nur wegen DAB+ anzuschaffen, erscheint unverhältnismäßig.

Die Auswahl an Boards für Maker ist extrem schlecht. Das liegt vorrangig an den Empfangsbausteinen. Hier hat Silicon Labs mit der Si468x-Serie zwar kein Monopol, aber die Alternativen MAX2173 von Maxim oder der T2-L4A-8650C von Keystone sind nicht offener. Die Datenblätter, falls sie überhaupt verlinkt sind, gibt es beispielsweise nur mit einem Geheimhaltungsabkommen (NDA, Non-disclosure Agreement). Bei Silicon Labs kommt noch hinzu, dass der Hersteller die für den Betrieb notwendige Firmware unter Verschluss hält. Das bremst unabhängige Maker ebenfalls aus.

Neben dem Monkeyboard aus Australien, das auf dem Keystone-Chip basiert und als komplettes Entwicklungsboard daherkommt, ist das DAB Board von uGreen (Abbildung 1) die einzige entsprechende Hardware für den RasPi. Der Hersteller aus der Schweiz produziert es in Kleinserie und vertreibt es über seinen Shop [1] für 44 Euro plus Versandkosten. Für den Test stellte er uns freundlicherweise ein Exemplar bereit.

Abbildung 1: Das uGreen DAB Board auf einem Pi Zero.

Abbildung 1: Das uGreen DAB Board auf einem Pi Zero.

Die Platine

Die Platine des DAB Board ist kaum größer als die Pin-Leiste des RasPi. Neben dem Hauptchip Si4684 gibt es eine LED, die den Betriebszustand anzeigt, einen Antennenanschluss sowie eine Audiobuchse im Format 3,5 mm. Letztere hängt direkt am Empfangschip. Das Audiosignal lässt sich aber auch über zwei nicht bestückte Pins abgreifen. Besondere Ansprüche stellt das Board nicht, es ist mit allen RasPis mit großer Pin-Leiste kompatibel.

Neben einer Platine mit aufgelöteter Buchse für zweimal 20 Pins gibt es Exemplare ohne Buchsenleiste. Wer in Sachen Löten fit ist, montiert hier eine Buchse mit langen Pins (ebenfalls im Shop zu kaufen). Die nicht belegten Pins (Abbildung 2) ermöglichen dann den Anschluss zusätzlicher Hardware auf der Oberseite.

Abbildung 2: Wenn Sie eine Buchsenleiste mit langen Pins anlöten, haben Sie die Möglichkeit, die nicht durch das DAB Board belegten Pins für den Anschluss weiterer Hardware zu nutzen. (Bild: uGreen)

Abbildung 2: Wenn Sie eine Buchsenleiste mit langen Pins anlöten, haben Sie die Möglichkeit, die nicht durch das DAB Board belegten Pins für den Anschluss weiterer Hardware zu nutzen. (Bild: uGreen)

Ein Nachteil der kleinen Platine liegt im Layout: Die Anschlüsse für die Antenne sowie die Audiobuchse liegen innen. Steckt der RasPi in einem Gehäuse, kommt man nicht an sie heran. Aus diesem Grund sitzt das Board beim Autor auf einem Butterfly [2]. Dieser Pin-Multiplexer spiegelt die äußeren Pin-Reihen, sodass der Antennenanschluss an die Außenseite wandert. Das macht das Gehäuse allerdings etwas breiter.

Als weiterer Nachteil des DAB Board stellt sich der SMA-Antennenanschluss heraus. Man kennt ihn aus der WLAN-Technik; allerdings haben gängige Antennen für die Unterhaltungselektronik entweder einen IEC-Koax- oder einen F-Anschluss. Insbesondere der Adapter für die IEC-Koax-Variante war für den Test schwer zu beschaffen.

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Boards gestaltet sich recht einfach. Sie laden das ZIP-Archiv von der uGreen-Webseite herunter und führen die Befehle aus Listing 1 aus. Die Versionsnummern passen Sie bei Bedarf den aktuellen Gegebenheiten an.

Listing 1

$ wget https://ugreen.eu/wp-content/uploads/files/Files_v6.zip
$ sudo unzip Files_v6.zip -d /usr/local/lib
$ sudo mv /usr/local/lib/Files_v6 /usr/local/lib/ugreen-dab+
$ sudo ln -s /usr/local/lib/ugreen-dab+/radio_cli_v2.0.1 /usr/local/sbin/radio_cli
$ sudo ln -s /usr/local/lib/ugreen-dab+/DABBoardRadio_v0.16.4 /usr/local/sbin/DABBoardRadio
$ sudo apt-get -y update
$ sudo apt-get -y install libncurses5

Anschließend aktivieren Sie entweder mit einem Editor in der Datei /boot/config.txt oder per sudo raspi-config die SPI-Schnittstelle und starten den Rechner neu. An die Audiobuchse der Platine schließen Sie zum Testen Kopfhörer oder kleine Aktivlautsprecher an.

Das ZIP-Archiv enthält die zwei ausführbaren Dateien DABBoardRadio_v0.16.4 und radio_cli_v2.0.1. Bei keinem der beiden Programme handelt es sich um Open-Source-Software, Nutzer des DAB Boards dürfen sie lediglich kostenlos verwenden. Das hat unter anderem damit zu tun, dass beide Programme die nicht frei erhältliche Firmware des DAB-Chips enthalten.

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