Bei Sonic Pi handelt es sich zwar um quelloffene Software, aber die Entwickler behandeln die Linux-Version zugunsten von Windows und Mac OS stiefmütterlich. Die hier vorgestellten Sprachmittel gibt es erst seit Version 3.0. Das für ARM-Architekturen vorliegende und hier verwendete Sonic Pi 3.0.1 ist bereits nicht mehr ganz aktuell; für Linux auf dem PC gibt es lediglich die Version 2.9.
Fazit
Sonic Pi überzeugt mit klugen Abstraktionen, etwa bei der gleichartigen Behandlung von Cues sowie MIDI- und OSC-Nachrichten per sync und get. Es mag zunächst seltsam erscheinen, dass externe Audiosignale über einen Synth hereinkommen und ein Effekt die Aufnahme übernimmt. Tatsächlich ist auch das konsequent gedacht – statt neue Sprachmittel einzuführen, haben die Entwickler bestehende Strukturen erweitert.
Die in diesem Artikel vorgestellten Techniken machen im Verbund Anwendungen möglich, die auch Profis faszinieren dürften. Denkbar wären etwa Multimedia-Installationen, bei denen per OSC kommunizierende Raspberry-Pi-Rechner dynamische Bild- und Klangwelten generieren. Die in Listing 12 vorgestellte Methode zur automatisierten Produktion von Klangbibliotheken lässt sich ausbauen, um beispielsweise Klänge von per MIDI gesteuerten externen Synthesizern systematisch aufzuzeichnen.
Wenn Sie Zugriff auf einen Röhrenamp oder einen halligen Kellerraum haben, könnten Sie diese verwenden, um anstelle von Simulationen sehr reale Effekte auf ganze Verzeichnisstrukturen von Klängen zu rechnen. In einem diesbezüglichen Test gelang es den Autoren, mit gerade einmal 20 Zeilen Code 6000 Samples in einem Rutsch durch reale Hardware zu schicken und zu resamplen.
Die Autoren
Der Medienkünstler Pit Noack ist Sonic-Pi-Nutzer der ersten Stunde. In Hannover gibt er im eigenen Atelier Programmierkurse zu Sonic Pi, Python und Processing für Laien und Profis.
Hartmut Noack arbeitet in Celle und Hannover als Dozent, Autor und Musiker. Von seinem Webserver unter http://lapoc.de können Sie einige CC-lizenzierte Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware herunterladen.
Ungeachtet aller Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Namens sowie der Berufe, Hobbys und Arbeitsorte sind Pit Noack und Hartmut Noack weder verwandt noch verschwägert und haben sich erst kürzlich über die Arbeit an Artikeln für dieses Magazin kennengelernt.
Infos
- Workshop MIDI-Controller: Hartmut Noack, “Alles unter Kontrolle”, LU 02/2019, S. 90, http://www.linux-community.de/40996
- Sonic Pi (Teil 3): Pit Noack, “Im Gleichtakt”, RPG 03-04/2019, S. 74, http://www.raspi-geek.de/41260
- Grundkurs Processing: Pit Noack, “Physiklabor”, RPG 09-10/2018, S. 80, http://www.raspi-geek.de/41257





