Wer satt Power braucht, der findet selbst im Lager der Mini-PCs die passenden Rechner – vorausgesetzt, das Budget reicht dafür aus.
Der Raspberry Pi 3 lässt als Mediacenter und Spieleplattform nur wenig Wünsche offen. Trotzdem gibt es noch genügend Fälle, in denen reine Rechenleistung (fast) alles ist. Deshalb haben wir uns zwei Rechner näher angeschaut, die genau das bieten sollen und Ende des vergangenen Jahres herauskamen: den Banana Pi M3 von Sinovoip und den Lemaker Hikey (siehe Tabelle “Banana Pi M3 vs. Lemaker Hikey – Spezifikationen”). Doch wir wollen nicht nur wissen, ob die Bastelrechner mit ihren Achtkern-Prozessoren flott zur Sache gehen: Wir prüfen außerdem, ob die Linux-Unterstützung und Dokumentation bei den Herstellern sich wie früher als ständige Baustelle erweisen.
Ein wenig Würze liegt schon deshalb in diesem Vergleich, weil Sinovoip und Lemaker bislang vor allem durch ihre konkurrierenden Banana-Pi-Modelle auffielen und sich seit einem undurchsichtigen Rechtsstreit um die Marke im Jahr 2015 fast als Erzfeinde betrachten. Es gibt also durchaus Grund zur Hoffnung, dass beide Hersteller gewillt sind, im Kampf um die Kunden nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den Service und die Software zu achten.
Banana Pi M3 vs. Lemaker Hikey – Spezifikationen
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Banana Pi M3 |
Lemaker Hikey |
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CPU |
A83T ARM Cortex-A7, ARMv7, 8 Kerne, max. 2 GHz |
ARM Cortex-A53, ARMv8, 8 Kerne |
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GPU |
PowerVR SGX544MP1 (OpenGL ES 2.0, OpenCL 1.x, DX 9_3) |
ARM Mali450-MP4 (OpenGL ES 1.1/2.0, OpenVG 1.1) |
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RAM |
2 GByte LPDDR3 |
1 oder 2 GByte LPDDR3 |
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Speicher |
8 GByte eMMC |
8 GByte eMMC |
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Schnittstellen |
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Massenspeicher |
Micro-SD-Card, SATA (USB-to-SATA; GL830) |
Micro-SD-Card |
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USB Ports |
2 USB 2.0, USB OTG |
2 USB 2.0, USB OTG |
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GPIO |
40 Pins (GPIO, UART, I2C, I2S, SPI, PWM, +3.3V, +5V, GND) |
40 Pins (GPIO, UART, I2C, SPI, PWM, PCM, SYS_DCIN, +1.8V, +5V, GND); 60 Pins (SDIO, MIPI_DSI, MIPI_CSI) |
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Netzwerk |
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Ethernet |
10/100/1000 Mbit/s (Realtek RTL8211E/D) |
optional (via USB-Adapter) |
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WLAN |
802.11b/g/n |
802.11b/g/n |
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Bluetooth |
Bluetooth 4.0 |
Bluetooth 4.1 LE |
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Audio, Video |
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Audio Out |
3,5mm Klinke, HDMI |
HDMI |
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Audio In |
Onboard-Mikrofon |
HDMI |
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Video Out |
HDMI 1.4 (HDCP 1.2, max. 1920×1080), MIPI DSI |
HDMI 1.4 (max. FHD 1080p), 2 MIPI DSI |
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Video In |
Parallele 8-Bit-Kameraschnittstelle, MIPI CSI |
2 MIPI CSI |
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Sonstiges |
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Schalter |
Power, Reset, U-Boot |
Power/Reset |
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LEDs |
Power, RJ45, benutzerdefiniert |
WLAN, Bluetooth, 4 benutzerdefiniert |
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Strom |
Micro-USB, optional 5V-Klinke |
8V~18V/3A Klinke |
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OS |
Android, Linux |
Android, Linux |
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Abmessung |
92mm x 60mm |
85mm x 55mm |
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Straßenpreis |
90 Euro |
120 Euro |
Das All-inclusive-Board
Das Banana Pi M3 [1] führt die klassische Banana-Pi-Reihe fort (Abbildung 1). Die CPU des Typs Allwinner A83T verfügt über acht ARM-Cortex-A7-Kerne, getaktet mit je maximal 2 GHz. Der Arbeitsspeicher beläuft sich auf 2 GByte, als Massenspeicher dient ein 8 GByte großes eMMC-Modul. Alternativ nimmt eine Micro-SD-Karte Betriebssystem und Daten auf. Dazu gibt es Gigabit-Ethernet, 802.11b/g/n-WLAN, Bluetooth, DSI, CSI, eine SATA-Schnittstelle, zwei USB-Ports, ein Mikrofon und vieles mehr. Dennoch fällt die Platine nicht größer aus als die des RasPi.

Abbildung 1: Es ist fast unmöglich, den Banana Pi M3 anzufassen und nicht irgendwelche Buchsen zu berühren.
Da bleiben eigentlich keine Wünsche mehr offen. Allerdings steht bei der Banana-Pi-Serie stets die Frage im Raum, welche Komponenten sich unter Linux auch wirklich nutzen lassen. Sinovoip stellt für den M3 wieder eine ganze Reihe von Distributionen bereit [2], empfiehlt aber keine explizit. Ein Blick ins zugehörige Forum zeigt, dass alle zumindest die grundsätzlichen Funktionen abdecken.
Unsere erste Wahl fällt auf eine Distribution mit dem obskuren Namen BPI-Berryboot, vor allem wegen des Hinweises w/GPU support. Allerdings lesen sich die zugehörigen Kommentare der Benutzer wenig ermutigend. Ein genuines Ubuntu Maté erscheint da sinnvoller, auf Grafikbeschleunigung müssen wir damit verzichten. Wer nach einer Banana-Distribution sucht, sucht vergebens: Es gibt selbst für den M2 bislang nur eine alte Beta, nicht alle Hardware funktioniert wie gewünscht.
Nach dem Aufspielen auf eine Micro-SD-Karte startet das System ohne weitere Probleme. Der Netzzugriff via Ethernet funktioniert problemlos, die Konfiguration des WLANs klappt ebenfalls auf Anhieb. Unter den vorinstallierten Programmen finden sich unter anderem LibreOffice, die Arduino-IDE und Iceweasel. Das parallele Ausführen von Anwendungen stellt kein Problem dar.
Der Versuch, das Onboard-Mikro mithilfe von Arecord zu nutzen, schlug allerdings fehl, der Banana Pi M3 erkennt kein Mikrofon. Auch die SATA-Schnittstelle macht niemanden wirklich glücklich: Sie ist per USB angebunden, teilt sich die Leitung mit dem Hub und lässt sich nicht zum Booten nutzen. Auf einen Geschwindigkeitstest verzichteten wir deshalb. Für einen schnellen Start legen Sie das Betriebssystem besser auf dem eMMC-Speicher ab [3].
Als angenehmes Extra fällt der gut funktionierende An/Aus-Knopf auf – den wünschen wir uns als Standard auf allen SBCs. Allerdings liegt der winzige Schalter unangenehm nah am ebenso winzigen Reset-Knopf. Positiv sticht auch der UFL-Anschluss für eine WLAN-Antenne ins Auge – den gibt es weder beim Lemaker Hikey noch beim RasPi 3.
Lemaker Hikey
Der Lemaker Hikey unterscheidet sich schon optisch vom Banana Pi M3 (Abbildung 2). Das Design stammt allerdings nicht von Lemaker: Die Größe der Platine und die Anschlüsse basieren auf den Anforderungen der 96Boards-Spezifikation [5]. Der 96Boards-Zusammenschluss versucht, industrienahe Hardware- und Software-Standards für eingebettete ARM-Rechner zu etablieren. Beim Hikey handelt es sich also um ein Profi-Gerät, weniger um einen klassischen Bastelrechner.

Abbildung 2: Die Anschlüsse des Lemaker Hikey befinden sich mit Ausnahme des Stromanschlusses auf einer Seite.
Als Prozessor kommt ein Kirin 620 zum Einsatz, wie er beispielsweise auch im Smartphone Huawei P8 Lite zum Einsatz kommt. Die acht ARM-Cortex-A53-Kerne lassen sich maximal mit 1,2 GHz takten. Unser Testgerät bringt 2 GByte RAM mit, es gibt jedoch auch eine Variante mit nur 1 GByte Arbeitsspeicher.
Als Massenspeicher dient ein 8 GByte großes eMMC-Modul, das wir im Test auch verwendeten. Alternativ steht ein Slot für Micro-SD-Karten bereit. Peripherie binden Sie über zwei USB-2.0-Ports oder per Bluetooth an. Dazu gibt es eine Schnittstelle für Micro-USB-OTG. Video- und Audiosignale überträgt der Hikey per HDMI, Kontakt mit dem Netzwerk gibt es nur per WLAN. Die Stromversorgung erfordert ein 12-Volt-Netzteil mit passendem Hohlstecker.
Für Bastler stehen zwei Pin-Leisten bereit: Die 40-Pin-Variante für GPIO-Kontakte und verschiedene Bussysteme ist trotz der identischen Pin-Anzahl nicht kompatibel mit dem RasPi. Eine 60-polige Buchse stellt ebenfalls Bussysteme bereit, aber auch einen Kamera- und einen Display-Anschluss (CSI, DSI). Allerdings erfordert die Buchse dafür ein Breakout-Board. Beide Pin-Leisten entsprechen dem 96Boards-Standard, sodass es dafür bereits sogenannte Mezzanine-Aufsätze [6] mit zusätzlichen Sensoren und Anschlüssen gibt.






