Mit Schleifen, Fallunterscheidungen und Funktionen programmieren Sie komplexe Skripte auf einfache und elegante Weise.
Im ersten Teil des Workshops in der vorigen Ausgabe [1] haben Sie bereits etliche Konstrukte kennengelernt, mit denen Sie einfache Tests und Zuweisungen vornehmen. In diesem Teil lernen Sie, wie Sie entsprechend bestimmten Bedingungen im Shell-Code verzweigen.
Wenn, dann
Das If-Konstrukt kommt zum Einsatz, um etwa den Erfolg respektive Misserfolg eines Befehls oder die Beschaffenheit von Dateien, Verzeichnissen und Variablen auszuwerten und Folgerungen daraus zu ziehen. Eine einfache Variante besteht aus dem einleitenden if, der Folgerung then und dem abschließenden Statement fi.
Bei Bedarf erweitern Sie das Konstrukt um weitere Verzweigungen mit elif [Bedingung]; then. Mit else rufen Sie eine Anweisung auf, die greift, wenn zuvor alle Bedingungen nicht greifen. In diesem Fall entfällt allerdings das abschließende then. Das ermöglicht ein Verschachteln und damit das Entwerfen komplexerer Verzweigungen (Listing 1).
Listing 1
if [ Bedingung1 ]; thenAnweisung1 elif [ Bedingung2 ]; thenAnweisung2 elif [ Bedingung3 ]; then if [ Bedingung3A ]; thenAnweisung3A fi [...] elseAnweisung4 fi
Beim Skript aus Listing 2 finden Sie in der dritten Zeile eine Befehlsfolge, die prüft, ob das Verzeichnis versuch existiert. Fehlt das Verzeichnis, legt das Skript es an. Die dazu verwendete Befehlsverkettung ist zwar kompakt, aber auch gleichermaßen kryptisch. Eleganter und wesentlich verständlicher fällt das Ganze mithilfe eines If-Konstrukts aus (Listing 3).
Listing 2
#!/bin/bash # Prüfen: Anlegen: ls versuch > /dev/null 2>&1 || mkdir versuch
Listing 3
#!/bin/sh if [ ! -d versuch ]; then mkdir versuch; fi
Mehrfach verzweigen
Mit dem Case-Befehl lösen Sie übersichtlich die Aufgabe, mehrere unterschiedliche Werte je einer Aktion zuzuweisen. Damit programmieren Sie etwa ein Menü, das Eingaben mit unterschiedlichen Zeichen ermöglicht. Sie leiten das Konstrukt mit dem Schlüsselwort case ein; mittels der Umkehrung esac beenden Sie es wieder. Listing 4 zeigt die grundsätzliche Form der mehrfachen Verzweigung.
Listing 4
case "$VARIABLE" inWerte1)AnweisungAnweisung
;;Werte2)Anweisung
;;
*)Fallback-Anweisung ;;
esac
Die einzelnen Werte trennen Sie mit dem Pipe-Zeichen | ab. In der Praxis könnte der Code für das Abfragen einer Bestätigung beim Benutzer wie folgt aussehen:
[jJ]|[yY]|Z|Ja|ja) echo "Zugestimmt" ;;
Dabei dürfen Sie sowohl sogenannte Wildcards verwenden als auch ganze Wörter einsetzen. Bei der letzten Alternative in der Kette setzen Sie die Joker-Zeichen ? und * ein. Das entspricht dann vom Prinzip her der Else-Klausel des If-Konstrukts.
Iterationen
Eine For-Schleife läuft solange, bis ihr die Argumente ausgehen. Die stammen in vielen Fällen aus einer Subshell, in selteneren Fällen aus einer echten Liste von Werten. Die Anweisung do leitet den Anweisungsteil ein, mit done schließen Sie diesen ab (Listing 5).






