Vor allem große RasPi-Modelle sind und bleiben teure Mangelware. Hier springt der Rock Pi 5 mehr als adäquater Ersatz in die Bresche.
Beim Rock Pi 5 handelt es sich nicht um ein direktes Konkurrenzprodukt zum Raspberry Pi 4. Um es konkreter auszudrücken: Der Rock Pi rangiert eher im Bereich eines kleinen Desktop-PCs und ist um ein Vielfaches leistungsfähiger als ein Raspberry Pi 4.
Da überrascht es umso mehr, dass es ihn aktuell zu einem vernünftigen Preis gibt, was man vom Raspberry Pi zurzeit nicht gerade behaupten kann. Ein RasPi 4 mit 4 GByte RAM [1] kostet aktuell um die 200 Euro. Da fällt die 8-GByte-Variante des Rock Pi 5 [2] mit 190 Euro schon etwas günstiger aus, das Modell mit 16 GByte erhalten Sie für 236 Euro [3].
Rock Pi im Detail
Der Rock Pi 5 nutzt den genormten Pico-ITX-Formfaktor und fällt mit den Maßen von 100 x 72 Millimeter ein wenig größer aus als der RasPi. Er ist bis auf wenige Ausnahmen leistungsfähiger als sein britischer Konkurrent. Das einzige, was ab Werk fehlt, ist eine Wi-Fi-Schnittstelle. Die lässt sich aber für kleines Geld mit einem M.2-Modul nachrüsten. Wo wir gerade bei M.2 sind: Wie schon sein Vorgänger verfügt auch der Rock Pi 5 über eine M.2-Schnittstelle zum Anschluss von NVMe-SSDs sowie einen eMMC-Steckplatz. Damit booten Sie alternativ zur SD-Karte das System.
Neben dem RasPi-kompatiblen GPIO-Connector finden sich auf dem Board je ein Power- und Reset-Button – zwei Schalter, die man auf einem Raspberry Pi vergeblich sucht. Als weitere interessante Funktion bringt der Rock Pi eine Echtzeituhr mit, ebenso einen Anschluss für eine Pufferbatterie. Bei so viel Rechenleistung ist es sinnvoll, die CPU ordentlich zu kühlen. Daher besitzt der Rock Pi zum Anschluss eines zusätzlichen Lüfters einen gesonderten Power-Anschluss. Da der Originalkühler aktuell nicht lieferbar war, verwendeten wir im Test eine generische Lösung aus Kühlkörper [4] und Lüfter [5]. Letzterer lässt sich über den 3,3- oder 5-Volt-Anschluss der GPIO betreiben.
Alle Komponenten auf dem Board sind sehr gut verbaut und erwecken einen soliden Eindruck (Abbildung 1). Die recht beeindruckenden technischen Daten des Kleinrechners fasst die Tabelle “Radxa Rock Pi 5: Technische Daten” zusammen. Weitere Informationen zum Rock Pi finden Sie auf der Herstellerseite [6].
Achten Sie beim Einsatz des Rock Pi 5 darauf, ein ausreichend dimensioniertes Netzteil zu verwenden. Das Datenblatt drückt sich hinsichtlich der benötigten Stromzufuhr etwas unklar aus. Deswegen entschieden wir uns für ein etwas stärkeres Modell, das PD 2.0 unterstützt [7]. Es bietet genügend Reserven, um jegliche Probleme auszuschließen.
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Bauteil |
Bezeichnung |
|---|---|
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SoC RK3588 |
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CPU |
4 x ARM Cortex-A76 (max. 2,4 GHz), 4 x ARM Cortex-A55 ( max. 1,8 GHz) |
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GPU |
ARM Mali G610MP4 |
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NPU |
6T Neural Processing Unit für KI-Anwendungen |
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RAM |
LPDDR4 (4/8/16 GByte) |
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Anschlüsse |
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M.2 |
Oberseite: E-Key-Connector für Wireless-Module, Unterseite M-Key-Connector für NVMe-SSDs |
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MIPI CSI |
Kameraanschluss |
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MIPI DSI |
Display-Anschluss |
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GPIO |
40-polig (RasPi-kompatibel) |
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USB |
2 USB 2.0, 2 USB 3.0 |
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Ethernet |
2,5 GByte mit PoE-Unterstützung |
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HDMI |
2 Standard-8K mit 60 fps |
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Micro HDMI |
Input 4k/60fps |
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Klinke |
3,5 Millimeter Stereo Out, Mic In |
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microSD |
1 Slot |
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USB-C |
Spannungsversorgung PD 2.0, 5V/3A und 12V/2A |
Betriebssystem
Auf der Download-Seite von Radxa [8] finden sich etliche Betriebssystem-Images für den Rock Pi. Da wir einen LXC-Server aufsetzen möchten, fällt die Wahl auf das Ubuntu-Server-Abbild [9]. Nach dem Herunterladen entpacken Sie es mit dem Kommando:xz -d Image.xz. Fehlt auf Ihrem Rechner Xz, installieren Sie es mit sudo apt install xz-utils nach.
Danach schreiben Sie das Image beispielsweise mit dem wohlbekannten Raspberry-Imager (Abbildung 2) auf eine SD-Karte. Eine solche bietet sich für erste Versuche mit dem SoC an, da sie sich schnell neu beschreiben lässt, wenn etwas schiefgeht. Für den Normalbetrieb sollten Sie jedoch auf eine eMMC umsteigen.
Beim Booten von der SD-Card startet der Rock Pi wie ein normaler Ubuntu-Server. Der SSH-Dämon ist aktiv, und Sie können sich als User rock mit gleichlautendem Passwort direkt an der Konsole anmelden. Alle folgenden Kommandos müssen Sie als User root ausführen. Daher wechseln Sie mit dem Kommando sudo bash in eine Root-Shell.
Vor dem Installieren neuer Software stellen Sie mit apt update sicher, dass sich das System auf dem aktuellen Stand befindet. Hierbei kann ein GPG-Fehler auftreten. Um das Problem zu lösen, müssen Sie den aktuellen GPG-Key für das Repository installieren. Das erledigen Sie mit den Kommandos aus Listing 1. Der Befehl aus der dritten Zeile nimmt die eigentliche Aktualisierung vor. Das kann einige Minuten dauern, da es sich um ein etwas älteres Installationsabbild handelt.
Listing 1
System aktualisieren
# export DISTRO=focal-stable # wget -O - apt.radxa.com/$DISTRO/public.key | sudo apt-key add - # apt update && apt upgrade # apt install lxc libvirt0 man-db # /usr/share/lxc/templates/lxc-download -l
LXC
Bevor es ans Setup des Systems geht, sollten wir uns erst einmal ein wenig mit der Theorie hinter LXC beschäftigen. Als Erstes gilt es, zu klären, worum es sich dabei überhaupt handelt. LXC steht als Kürzel für Linux Containers, ein Virtualisierungsverfahren, bei dem alle Gastsysteme den Kernel des Host-Servers mitverwenden. Daher benötigen die Container (also Gast-Server) im Vergleich zu einer Hardwarevirtualisierung weniger Systemressourcen.








