Owncloud-Fork Nextcloud auf dem RasPi im Praxistest

© handmadepictures, 123RF

Aufgegabelt

Führende Owncloud-Entwickler, darunter der Gründer Frank Karlitschek, überwarfen sich mit dem Kurs des Projekts und haben mit Nextcloud einen Fork gestartet. Der soll ein besseres Gleichgewicht zwischen Unternehmen, Kunden und Nutzern herstellen.

Die freie Cloudspeicher-Software Owncloud mauserte sich in den vergangenen Jahren zu einer ernsthaften Alternative zu kommerziellen Diensten wie Dropbox oder Google Drive. Wer seine Daten für sich behalten möchte, sie aber trotzdem komfortabel zwischen seinen Rechnern und mobilen Geräten abgleichen oder gezielt mit anderen teilen will, greift zur Owncloud-Instanz auf einem kleinen Server. Nutzer von NAS-Geräten finden die Software oft in den offiziellen Paketquellen des jeweiligen Systems.

Doch die Erfolgsgeschichte von Owncloud bekam Ende April 2016 einen herben Dämpfer: Zusammen mit dem Owncloud-Gründer Frank Karlitschek [1] verließen etliche Stammentwickler das Projekt, um mit Nextcloud [2] einen Fork von Owncloud weiterzuführen. Jos Poortvliet, zuvor Ownclouds Community-Manager und jetzt für die Kommunikation bei Nextcloud verantwortlich, bezeichnet das Vorhaben als "Neustart". Als Grund für die Neugründung geben Karlitschek und Poortvliet "strukturelle Probleme" und einige "wirtschaftliche Entscheidungen" des Owncloud-Unternehmens an, die für große Unzufriedenheit gesorgt hätten.

Nextcloud kooperiert mit dem Unternehmen Spreed.me [3], das einen WebRTC-Server als Videokonferenzlösung mit Owncloud kombiniert und einen damit vorinstallierten Rechner unter dem Namen Spreedbox [4] verkauft. Das neue Unternehmen führen Frank Karlitschek und Niels Mache – Letzterer war bisher für Spreed.me verantwortlich und zählt zu den Mitgründern von Red Hat Deutschland.

Das neue Projekt will die Webanwendung über die Kernfunktionalität hinaus deutlich erweitern und etwa den WebRTC-Server von Spreed sowie die dazugehörige Anwendung in Nextcloud integrieren. Zudem möchte man viel genutzte Owncloud-Anwendungen wie den Kalender oder die Kontaktverwaltung pflegen und offiziell unterstützen. Es existieren auch Pläne, mit LibreOffice zu kooperieren, um Office-Dokumente kollaborativ im Browser zu bearbeiten.

Next- vs. Owncloud

Die derzeit vorliegende Ausgabe von Nextcloud trägt die Versionsnummer 9.0.52 und basiert zu wesentlichen Teilen noch auf Owncloud 9. Unter den Neuerungen des Forks findet sich zum Beispiel eine Write-Only-Funktion. Sie erlaubt anonymen Nutzern das Hochladen von Daten auf den Cloudspeicher, ohne dass sie selbst Zugriff auf vorhandene Dateien und Verzeichnisse erhalten. Ebenfalls neu ist eine Protokollierung von Ereignissen wie etwa Dateifreigaben, Updates oder Logins. Des Weiteren gibt das Entwicklerteam an, die Software gegen Angriffe gehärtet und einige Fehler beseitigt zu haben.

Bei der Installation von Nextcloud können Sie sich in vielen Fällen an Anleitungen zu Owncloud orientieren. Im Rahmen des Tests muss sich Nextcloud auf einem RasPi 3 mit Raspbian "Jessie" Lite im Zusammenspiel mit Apache und MariaDB (ehemals MySQL) beweisen. Eine Port-Weiterleitung vom Router erlaubt den Zugriff aus dem Internet auf den Home-Server. Mithilfe eines kostenlosen SSL-Zertifikats von Let's Encrypt schützen Sie Ihre Daten auf dem Weg durch das Internet vor fremden Blicken.

Installation

Bevor Sie mit der Installation von Nextcloud beginnen, aktualisieren Sie am besten die Paketquellen des Systems und spielen die anstehenden Updates der Distribution ein (Listing 1, Zeile 1 und 2). Anschließend installieren Sie den Apache-Webserver mitsamt MariaDB und allen für den Dienst benötigten Apache- und PHP-Erweiterungen (Zeile 3). Für "lesbare" URLs aktivieren Sie danach das Apache-Modul mod_rewrite sowie für die SSL-Verbindung noch mod_headers; anschließend starten Sie den Webserver neu (Zeile 4 bis 6). Als Datenbank ließe sich zwar auch SQLite einsetzen, für den Zugriff von mehr als zwei, drei Anwendern empfiehlt sich jedoch MySQL/MariaDB.

Listing 1

 

$ sudo apt update
$ sudo apt full-upgrade
$ sudo apt install apache2 mariadb-server php5 libapache2-mod-php5 php5-gd php5-json php5-mysql php5-curl php5-intl php5-mcrypt php5-imagick
$ sudo a2enmod rewrite
$ sudo a2enmod headers
$ sudo service apache2 restart

Bei der Installation des MariaDB-Servers erfragt das System ein Root-Passwort für den Datenbankserver. Dies sollte sich aus Sicherheitsgründen vom eigentlich Root-Passwort des Systems beziehungsweise vom Passwort für den Nutzer pi unterscheiden. Danach fehlt Nextcloud noch eine Datenbank, die in Zukunft die Daten des Cloudspeichers organisiert. Dazu melden Sie sich beim MariaDB-Server an und erstellen die Datenbank samt der entsprechenden Rechte und Einstellungen (Listing 2). Beim Anlegen des Datenbank-Benutzers (CREATE USER [...]) sollten Sie zur Sicherheit ein besseres Passwort als geheim verwenden. Merken Sie es sich, Sie müssen es später nochmals eingeben.

Listing 2

 

$ mysql -u root -p
MariaDB [(none)]> CREATE DATABASE nextcloud;
MariaDB [(none)]> CREATE USER 'nextcloud'@'localhost' IDENTIFIED BY 'geheim';
MariaDB [(none)]> GRANT ALL PRIVILEGES ON nextcloud.* TO 'nextcloud'@'localhost';
MariaDB [(none)]> FLUSH PRIVILEGES;
MariaDB [(none)]> exit;

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