Editorial 03-04/2018

Guter Start

Für Raspberry-Pi-Benutzer hat das neue Jahr mit gleich zwei guten Nachrichten begonnen. Die eine dreht sich um etwas, das dem RasPi fehlt, die andere um etwas, das er neu dazubekommen hat.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

für Raspberry-Pi-Benutzer hat das neue Jahr mit gleich zwei guten Nachrichten begonnen. Die eine dreht sich um etwas, das dem RasPi fehlt, die andere um etwas, das er neu dazubekommen hat.

Anfang Januar stellten Sicherheitsforscher zwei bereits im Sommer 2017 entdeckte, katastrophale Sicherheitslücken vor, die so gut wie alle gängigen Prozessorarchitekturen und Betriebssysteme betreffen. Die Tatsache, dass die beiden auf den Namen Meltdown (Kernschmelze) und Spectre (Schreckgespenst) getauften Lücken auf Eigenschaften von CPUs basieren, also von Hardware, macht die Angelegenheit zum absoluten Sicherheits-GAU: Einfache Software-Patches greifen nur bedingt.

Sowohl Meltdown [1] als auch Spectre [2] nutzen aus, dass CPUs zur Leistungssteigerung mehrere Instruktionen parallel auszuführen versuchen ("Out-of-order Execution"). Zur Geschwindigkeitssteigerung raten sie dabei, welche Anweisungen als Nächstes anstehen ("Predictive Branching"), laden die entsprechenden Daten schon einmal aus dem Speicher und verarbeiten sie ("Speculative Execution"). Das wiederum kann ein Angreifer ausnutzen, um Informationen aus geschützten Speicherbereichen auszulesen, etwa um Passwörter oder andere sicherheitsrelevante Daten abzugreifen.

Da die Angriffe auf wesentlichen Eigenschaften der CPUs basieren, könnte lediglich ein Austausch des Prozessors gegen ein nicht betroffenes Modell vollständigen Schutz gegen die Attacken bieten. Solche CPUs muss die Industrie jedoch erst einmal entwickeln und dann bauen, was wenigstens viele Monate dauert, wahrscheinlich eher Jahre [3]. Derweil behelfen sich Intel und Konsorten mit dem Ausliefern eher schlecht als recht funktionierender Mikrocode-Patches [4], die den Rechner unter Umständen deutlich ausbremsen [5]. Software-Anbieter versuchen parallel, Angriffe durch das Verändern bestimmter Timing-Eigenschaften wenigstens zu erschweren.

Als glücklicher Besitzer eines Raspberry Pi können Sie sich aber ruhig zurücklehnen und dem hektischen Treiben in aller Ruhe zusehen: Die Cores der Prozessortypen ARM1176 (Pi0, Pi1), Cortex-A7 (Pi2) und Cortex-A53 (Pi3) verzichten auf Speculative Execution und sind deshalb immun gegen Meltdown und Spectre [6].

Im Rummel um Meltdown und Spectre völlig untergegangen ist die zweite gute RasPi-Nachricht zu Jahresanfang. Die Hardware-Familie hat wieder Zuwachs bekommen: Der Mitte Januar vorgestellte Raspberry Pi Zero WH [7] ergänzt ganz unspektakulär, aber äußerst praktisch den Pi Zero um einen fertig aufgelöteten GPIO-Header mit 40 Pins, wie ihn die größeren Modelle bereits mitbringen. Wer nicht gern lötet oder einfach nur einmal schnell etwas ausprobieren möchte, der wird am Pi Zero WH seine Freue haben. Das neue Modell eignet sich auch ideal zum Einsatz mit dem GPIO Expander [8]: Von einem RasPi, PC oder Mac mit Raspberry-Pi-Desktop aus nutzen Sie dann die Pins auf einem über USB angeschlossenen Pi Zero, der dazu noch nicht einmal eine SD-Card braucht. Komfortabler geht es kaum noch.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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