Editorial 11-12/2019

Anwalts Liebling?

Der berüchtigte USB-C-Fehler des Raspberry Pi 4B beschäftigt nach wie vor die Gemüter, manche prüfen sogar juristische Schritte. Statt in Prozesskosten sollte man sein Geld aber lieber in interessante RasPi-Alternativen investieren, findet Chefredakteur Jörg Luther.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

anfangs von einigen Lieferengpässen geplagt, ist der Raspberry Pi 4B jetzt endlich in Stückzahlen problemlos im Handel erhältlich. Es gibt sogar schon Software, die die Fähigkeiten des neuen Modells zum Vorteil der Benutzer ausreizt, wie etwa die pfiffige Webkiosk-Lösung, die wir im Artikel ab Seite 50 vorstellen.

Allerdings mussten einige Raspberry-Fans so lange auf ihren RasPi 4 warten, dass sich mancher angesichts wiederholter Vertröstungen durch den Lieferanten gefragt hat, ob er nicht lieber die Bestellung stornieren und erst eine spätere RasPi-4-Revision ohne den berüchtigten USB-C-Fehler kaufen soll [1]. Der Raspberry Pi 4B verweigert ja bekanntlich das Zusammenspiel mit vielen USB-C-Netzteilen, weil der Hersteller sich beim Aufbau der Schnittstelle nicht an die Spezifikation hielt, um einen Transistor einzusparen.

Für den RasPi-Urvater Eben Upton scheint dieser Mangel keine große Rolle zu spielen: Er versuchte in einer Fragestunde zum RasPi 4B den Fehler zu verharmlosen, was in der Community für einige Irritationen sorgte [2]. Den O-Ton dazu finden Sie in einem auch ansonsten sehr sehenswerten Video, in dem mehrere Ingenieure der Raspberry Pi Foundation fast eine Stunde lang die gängigsten Fragen rund um den RasPi 4B beantworten [3]. Ganz so harmlos, wie Upton das im Video darstellt, ist der USB-C-Kinken des neuen Modells aber zumindest nach deutschem Recht nicht.

Dazu hat Marvin Gülker, ein Open-Source-Entwickler und Jura-Student mit Schwerpunkt im Urheber-, Patent- und Markenrecht, eine recht aufschlussreiche Analyse vorgelegt [4]. Darin kommt er zu dem Schluss, wegen des Konstruktionsfehlers sei der Raspberry Pi 4 mangelhaft, und der Verkäufer schulde dem Kunden nach hiesiger Gesetzeslage eine Nacherfüllung. Eine Nachbesserung, also Reparatur, könne der Lieferant zwar wegen Unzumutbarkeit verweigern, dem Käufer stehe aber eine Nachlieferung in Form des korrigierten Nachfolgemodells zu.

Im Zweifelsfall müsste man das aber als Kunde gerichtlich durchsetzen – das dürfte den Ärger kaum wert sein. Statt in einen Rechtsanwalt würde ich persönlich im Zweifelsfall das Geld lieber in einen zusätzlichen RasPi 3B+ investieren, oder je nach Projekt auch in eine der RasPi-Alternativen, die mehr Leistung, geringere Kosten oder beides versprechen. Einige interessante Vertreter dieser Gattung stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe in der Rubrik "Open Hardware" ab Seite 54 vor.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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