Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Defekte MP3-Dateien suchen mit Checkmate 0.21, Erreichbarkeit prüfen mit Httping 2.5, Editor-Alternative Joe 4.6, mit PV 1.6.6 den Datenfluss in Pipes visualisieren.

MP3-Tester

Mit Checkmate 0.21 spüren Sie defekte MP3-Dateien schnell auf.

Als Mediaserver erfreut sich der RasPi seit jeher großer Beliebtheit. Viele Anwender nutzen Lösungen wie LibreELEC oder Kodi, um große MP3-Sammlungen im lokalen Netz bereitzustellen. Defekte MP3-Dateien sind dabei keine Seltenheit. Mit Tools wie Checkmate prüfen Sie solche Bestände automatisch auf defekte Dateien. Checkmate hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, findet sich aber trotzdem nicht im Repository von Raspbian. Bei Bedarf kompilieren Sie das Tool also selbst aus den Quellen.

Während die Windows-Variante eine einfache grafische Oberfläche bereitstellt, steht unter Linux nur die Variante Mpck für die Kommandozeile bereit. Das Tool eignet sich zur Integration in Skripte und damit zum Automatisieren von Tests. Um eine Datei zu prüfen, geben Sie diese beim Aufruf als Parameter mit. Mpck prüft dann die Frames und die Header der MP3-Datei auf Inkonsistenzen. Möchten Sie statt einer einzelnen Datei ganze Verzeichnisse prüfen, geben Sie den Parameter -R mit. Mit -e übergeben Sie eine Dateierweiterung. Mpck beschränkt dann die Prüfung auf Dateien mit dieser Endung. Mit dem Parameter -n prüfen Sie zusätzlich Dateinamen auf nicht unterstützte Zeichen.

Standardmäßig gibt das Programm für jede kontrollierte Datei einen Bericht aus. Mit -B beschränken Sie die Berichte defekter Dateien, mit -q reduzieren Sie die Ausgabe auf "beschädigt" oder "nicht beschädigt". In letzterem Fall müssen Sie dann gezielt prüfen, was an der jeweiligen Datei nicht stimmt. Wollen Sie die Ausgabe automatisiert verarbeiten, besteht mit dem Parameter -x die Möglichkeit, den Bericht im XML-Format auszugeben. Mpck schreibt immer auf die Standardausgabe. Grundsätzlich prüft das Tool sehr schnell, die Dauer hängt also in erster Linie von der Größe der MP3-Sammlung ab.

Checkmate 0.21

★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://checkmate.gissen.nl/

Zustandsprüfer

Mit Httping 2.5 prüfen Sie die Erreichbarkeit von entfernten Rechnern.

Ob ein entferntes System online ist, prüft man klassischerweise mittels Ping. Manche Administratoren blockieren jedoch aus verschiedenen Gründen Abfragen über das von Ping verwendete Protokoll ICMP. Läuft auf dem entfernten System ein Webserver, weichen Sie auf Httping aus, das die Antwort- und Reaktionszeiten des entfernten Rechners über den Server ermittelt. Das Tool findet sich in den Repositories des aktuellen Raspbian.

Für eine einfache Prüfung geben Sie beim Aufruf die IP-Adresse oder URL des Zielsystems als Parameter an. Das Programm sendet dann eine HEAD-Anfrage und ermittelt die Reaktionszeit aus den Antwortpaketen. Wie beim klassischen Ping legen Sie mit dem Parameter -c fest, wie viele Anfragen die Software stellt, mit -i die Pause zwischen den Anfragen. Akzeptiert der Webserver nur Anfragen über HTTPS, geben Sie den Parameter -l an. Httping bietet Parameter, um die Abfragen über einen Proxy zu schicken, was jedoch die Reaktionszeiten unter Umständen verfälscht. Mit -G sendet das Tool eine GET-Anfrage. Da es bei dieser immer die ganze Seite als Antwort erhält, kann es außerdem den Datendurchsatz ermitteln. Auf Wunsch schreibt es die Return-Codes des Webservers auf die Ausgabe. Dazu setzen Sie den Parameter -s. Für das Weiterverarbeiten in Skripten oder anderen Programmen erzeugen Sie mit -m eine für Maschinen lesbare Ausgabe.

Alternativ besteht die Möglichkeit, Nagios-konforme Rückgabewerte zu erzeugen und Httping zum Überwachen einzusetzen. Auf der Webseite des Projekts finden Sie eine Anleitung um die Software in Nagios zu integrieren. Für den direkten Einsatz bietet das Programm eine Ncurses-Oberfläche, die Sie mit -K aktivieren. Das setzt aber voraus, dass Sie das Tool mit entsprechender Unterstützung erstellt haben. Neben einer Balkengrafik zeigt diese Ansicht die durchschnittliche Dauer für den Auf- und Abbau der Verbindung, die Namensauflösung und die Zeit, die ein Request benötigt.

Httping 2.5

★★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://www.vanheusden.com/httping/

Editor-Alternative

Mit Joe 4.6 haben Sie einen schlanken Editor für die Kommandozeile zur Hand.

An Editoren besteht unter Linux kein Mangel. Klein und trotzdem leistungsfähig präsentiert sich Joe's Own Editor, kurz Joe. Sie installieren ihn ohne großen Aufwand via Paketverwaltung. Die spartanische Oberfläche des konsolenbasierten Editors erinnert stark an eine Textverarbeitung aus den 1980er-Jahren. Dass sich die Belegung der Tasten an Wordstar anlehnt, verstärkt diesen Eindruck noch. Das Programm unterstützt darüber hinaus die Schemata von Editoren wie Emacs, Pico oder Star. Nach der Installation stehen neben dem Befehl joe die Aliase jmacs, jpico und jstar bereit, die den Editor direkt mit der gewünschten Tastenbelegung starten.

Durch sein spartanisches Erscheinungsbild glänzt der Editor außerdem in Sachen Geschwindigkeit und eignet sich damit für den Einsatz in Remote-Verbindungen wie SSH. Ähnlich wie Vim bietet Joe die Möglichkeit, Konsolenbefehle auf dem Inhalt des Editors auszuführen. Das passende Tastenkürzel ist jedoch etwas umständlich. Eine Übersicht über alle Tastenkürzel erhalten Sie mit der Kombination [Strg]+[K],[H]. Joe klappt dann ein Menü für die Hilfe auf, in dem Sie mit [Esc]+[.] und [Esc]+[,] blättern. Bei der Suche in Texten unterstützt der Editor den Einsatz regulärer Ausdrücke. Für Programmierer dürfte das umfangreiche Syntax-Highlighting interessant sein, das viele aktuelle Sprachen unterstützt. Das Ausführen von Compiler-Aufrufen aus dem Editor heraus ist ebenfalls ein Plus an Komfort.

Der Editor verfügt außerdem über einen integrierten Makro-Recorder, mit dem Sie wiederkehrende Aufgaben aufzeichnen und reproduzieren. Selbst ein rudimentärer Taschenrechner ist enthalten. Wollen Sie mehrere Dateien in einem Aufruf laden, teilt der Editor das Fenster gleichmäßig auf. Über Tastenkürzel ändern Sie die Größe der einzelnen Bereiche oder wechseln zwischen ihnen.

Joe 4.6

★★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://joe-editor.sourceforge.io/

Durchsatzprüfer

Mit Pv 1.6.6 werfen Sie einen Blick auf den Datenfluss in Pipes.

Tools kombiniert man in der Shell über sogenannte Pipes. Dabei erkennen Sie jedoch von Haus aus nicht, ob gerade Daten fließen oder nicht. Hier schafft das Tool Pipe Viewer, kurz Pv, Abhilfe. Es bietet verschiedene Ansätze, um den Durchsatz zu visualisieren. Sie binden das Tool einfach via Pipe in den Datenfluss zwischen Quell- und Zielprogramm ein. Die Manpage enthält dazu einige Beispiele, wobei die Palette von einfachen Konstrukten bis hin zur mehrfachen Integration bei komplexen Szenarien reicht.

Die eigentlichen Daten tastet die Software nicht an. Standardmäßig visualisiert sie den aktuellen Durchsatz mittels einer einfachen Balkengrafik und gibt dessen numerischen Wert sowie die bisherige Dauer der Übertragung aus. Mit dem Parameter -e versucht das Tool die Dauer der gesamten Übertragung zu kalkulieren. Standardmäßig aktualisiert es die Ausgabe im Sekundentakt, mit -i passen Sie das Intervall an. Mit -N weisen Sie der jeweiligen Pv-Instanz einen eindeutigen Namen zu – besonders praktisch, um in einem Aufruf mehrere Instanzen zu nutzen. Pv vermag die zu übertragenden Daten kurzzeitig zu puffern, um einen kontinuierlichen Datenfluss zu gewährleisten. Die Größe des Puffer legen Sie mit -B fest. Mit -L begrenzen Sie außerdem den maximalen Durchsatz pro Sekunde. Um nur eine bestimmte Datenmenge zu übertragen, geben Sie mit -S eine Obergrenze vor. Weitere Parameter wie --wait oder --delay-start verzögern den Start von Pv, bis die ersten Daten einlaufen.

Das Tool bietet noch weitere Einstellungsmöglichkeiten, etwa die Ausgabe individuell zu formatieren. Beispiele finden Sie in der mitgelieferten Manpage. Pv ist schon länger im Raspbian-Repository enthalten, jedoch nicht immer in der aktuellsten Version. Um einen Eindruck zu gewinnen, genügt es aber, Pv erst einmal aus dem Repository zu installieren. (agr)

Pv 1.6.6

★★★★

Lizenz: Artistic License 2.0

Quelle: http://www.ivarch.com/programs/pv.shtml

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Aktuelle Ausgabe

12/2019
RasPi-Alternativen

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Grußbotschaften

    Mit Sonic Pi zaubern Sie komplexe Sounds, die Sie bei Bedarf sogar noch während des Abspielens modifizieren.

  • Das Runde und das Eckige

    Mit dem MCP4725 ergänzen Sie einen RasPi um einem D/A-Wandler, der bei Bedarf noch weitere Funktionen erfüllt.

  • Alles unter Kontrolle

    Schon ein einfaches Mikrocontrollerboard wie das CY8CKIT-049-42xx bietet erstaunlich viele Möglichkeiten beim Ansteuern von Hardware.

  • Viele Kerne

    Das Spresense Development Board von Sony lässt sich mit der Arduino IDE programmieren und bringt auch ein eigenes Entwickler-SDK mit.

  • Exotische Früchte

    Der aus China stammende Orange Pi positioniert sich mit einem guten Preis und interessanten Features gegen die RasPi-Truppe. Kann er sich auch behaupten?

  • Flexibler Surfer

    Mit dem neuen RasPi 4 setzen Sie einen öffentlichen Webkiosk schnell und kostengünstig auf.

  • Auskunftsfreudig

    Viele Devices, so auch der E.ON-Aura-Controller, verwenden eine Schnittstelle namens REST, um Zustandsdaten zu übermitteln. Mit ein wenig Bastelei lesen Sie diese auch über Ihr Smartphone aus.

  • Doppelt gemessen

    Mit wenig Aufwand und einem Pi Zero realisieren Sie einen mobilen Zweikanal-Spannungsprüfer.

  • Elegant zusammengeführt

    Tizonia streamt Musik von Online-Quellen und lokalen Sammlungen. Die schlanke Architektur macht den Player zur guten Wahl für den Einsatz auf dem RasPi.

  • Kommunikativ

    Nicht jeder traut sich zu, sein eigenes Smartphone zu bauen. Allerdings kann jeder Linux-Nutzer den Raspberry Pi im Handumdrehen zu einem VoIP-Telefon aufrüsten.