Raspberry Pi 4B als Desktop im Praxistest

© udra, 123RF

Überraschung!

Eine optimierte Architektur und mehr RAM beschleunigen den RasPi 4B deutlich. Wir prüfen, wie gut sich der Neuling als Desktop-Rechner schlägt.

"Wir haben heute eine Überraschung für Sie", mit diesen Worten kündigte Eben Upton, Gründer der Raspberry Pi Foundation und Geschäftsführer von deren Vertriebsableger, am 24. Juni um 7 Uhr britischer Sommerzeit (8 Uhr MESZ) die sofortige Verfügbarkeit des neuen Raspberry Pi 4B an [1]. Das überrumpelte Publikum stürzte sich mit solcher Vehemenz auf das neue Modell, dass der RasPi 4B bei den meisten internationalen Wiederverkäufern innerhalb weniger Stunden ausverkauft war, bis auf einige Restexemplare der schwächsten Variante.

Eben Upton selbst erklärte, das neue Modell sei rundum modifiziert worden und erreiche nunmehr Leistungsdaten, wie sie ein ausgewachsener Personal Computer bietet. Dazu passend kam nahezu zeitgleich das neue Raspbian "Buster" heraus [2]. Das Duett schickt sich nun an, älteren PCs, aber auch neuen Systemen der Einsteigerklasse auf dem Desktop Konkurrenz zu machen.

Alles neu

Der RasPi 4B weist zwar äußerlich dieselben Abmessungen auf wie seine Vorgänger, erfordert aber trotzdem einige neue Peripheriekomponenten: So kann man die für die Vorgängerversionen entwickelten Gehäuse nicht mehr ohne Weiteres verwenden, da aufgrund einer stellenweise veränderten Anordnung der Anschlüsse die Aussparungen an den alten Gehäusen nicht mehr passen.

Da unter Last der Energiebedarf leicht zunimmt, erwartet der RasPi auch ein neues Netzteil mit 3 Ampere Leistung bei 5,1 Volt. Außerdem lässt sich das bisher genutzte HDMI-Kabel zum Monitoranschluss nicht mehr mit dem neuen Modell verwenden, da es nun zwei Monitoranschlüsse im Micro-HDMI-Formfaktor mitbringt.

Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft jedoch den Arbeitsspeicher: Das Projekt bietet den RasPi neben der Grundvariante mit 1 GByte auch mit 2 oder 4 GByte an. Damit erhalten nun auch speicherintensive Applikationen, die bislang wegen des begrenzten RAMs nur sehr langsam und stockend arbeiteten, einen deutlichen Leistungsschub.

Zu guter Letzt spendierten die Entwickler dem neuen Modell auch ein aktualisiertes Betriebssystem: Die neueste Version von Raspbian basiert auf dem brandneuen Debian 10 "Buster" und wurde bereits gut 14 Tage vor diesem am 20. Juni freigegeben. Raspbian "Buster" ermöglicht es, zwei Monitore simultan am RasPi 4B zu betreiben. Die Entwickler modifizierten das Design der Oberfläche, außerdem erhielten viele Applikationen ein Update.

Raspbian

Die Foundation bietet das neue Raspbian in drei Varianten an: Neben einer Lite-Version, deren gepacktes ZIP-Archiv lediglich knapp 430 MByte umfasst, gibt es noch eine abgespeckte Desktop-Variante mit etwa 1150 MByte Umfang sowie eine Spielart mit kompletter Software-Ausstattung, deren ZIP-Archiv mit knapp 2 GByte zu Buche schlägt [3].

Entpackt benötigt das entsprechende Image etwa 5,1 GByte, sodass die Micro-SD-Karte dafür eine Kapazität von mindestens 8 GByte aufweisen sollte. Sie transferieren das neue Abbild wie üblich mithilfe des Befehls dd oder dcfldd auf die Micro-SD-Karte. Anschließend ist das System startbereit.

Das erste Hochfahren des RasPi nimmt wegen der Grundkonfiguration etwas mehr Zeit in Anspruch. Zunächst vergrößert das System automatisch die Root-Partition, um so den vorhandenen Speicherplatz auf der Micro-SD-Karte vollständig auszunutzen. Danach startet die grafische Oberfläche mit einem Assistenten, der zunächst die Zeitzone und Lokalisierung anpasst. Über einen weiteren Dialog ändern Sie auf Wunsch das Passwort für den voreingestellten Nutzer pi, im Anschluss stellen Sie noch eine Verbindung zu Ihrem WLAN her.

Dieser Schritt entfällt beim Nutzen eines kabelgebundenen Netzwerkzugangs. In diesem Fall bezieht der RasPi automatisch eine IP-Adresse. Der letzte Dialog dient zum Aktualisieren des Betriebssystems. Zum Testzeitpunkt gab es für die neue Betriebssystemvariante noch keine entsprechenden Repositories, sodass nur eine Fehlermeldung erschien. Danach folgt erneut ein Warmstart, der nun deutlich verkürzt abläuft und in einen konventionellen Raspbian-Bildschirm mit deutscher Lokalisierung mündet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auf den ersten Blick nichts Neues: Raspbian "Buster" auf dem Raspberry Pi 4B.

Ein erster Blick in die Menüs zeigt kaum Unterschiede zum Vorgänger: LibreOffice ist bereits an Bord, ebenso der Webbrowser Chromium und die Bildbearbeitungssoftware Gimp; Firefox und Thunderbird fehlen jedoch. Darüber hinaus bringt die neue Raspbian-Version zahlreiche Entwicklungstools mit, auch das Untermenü Zubehör enthält jede Menge Software. In Sachen Multimedia kommt das RasPi-Standardbetriebssystem aber relativ schwachbrüstig daher; dasselbe gilt für die Sektionen Spiele und Grafik.

Immerhin stehen in den Repositories die meisten der für den täglichen Einsatz benötigten Applikationen zum Nachinstallieren bereit. Den dafür benötigten Paketmanager finden Sie im Untermenü Einstellungen | Add / Remove Software.

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