Editorial 07-08/2019

Überirdisch

Auch wenn sich der Raspberry Pi mittlerweile sogar im All tummelt und eine eigene Briefmarke vorweisen kann, bietet er nicht für jedes Projekt ausreichend Power. Die Foundation hält sich diesbezüglich bedeckt, doch erfreulicherweise gibt es Abhilfe aus Fernost.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

mittlerweile gibt es kaum noch einen Platz, an dem sich kein RasPi findet. Ob seiner Popularität hat der Mini-Rechner es jetzt sogar erstmals auf eine Briefmarke geschafft: Im Rahmen des Sets "British Engineering" sortierte die Royal Mail Anfang Mai den Raspberry Pi unter die größten Errungenschaften angelsächsischer Ingenieurskunst der letzten 50 Jahre ein [1]. Die Raspberry Pi Foundation hat sich nach eigenem Bekunden mit ausreichend Pi-Pickerln eingedeckt, um "auf absehbare Zukunft" ihren gesamten Briefverkehr mit den Marken abwickeln zu können.

Selbst im Erdorbit gehört der Raspberry Pi inzwischen zur Grundausstattung: Die beiden "Astro-Pis" Ed und Izzy an Bord der internationalen Raumstation ISS wickelten bislang im Rahmen des Projekts Astro Pi 2018/2019 bereits 135 längere und über 4700 kurze Experimente ab [2]. Besonders stolz sind die RasPi-Macher auf einen eher zufälligen Schnappschuss [3], den Izzy jüngst während des Andockmanövers vom russischen Raumfrachter Progress MS-11 machte – mit dem Pi-Cam-Modul, versteht sich.

400 Kilometer tiefer plagen die Freunde des britischen Mini-Rechners derweil irdischere Probleme, die teils mit Performance und teils mit Schnittstellen zu tun haben. Wenigstens die Software-Entwickler bleiben fleißig am Ball und lieferten jüngst mit Raspbian 2019-04-08 eine frische Version des Betriebssystems mit aktualisiertem Kernel und flotterer Firmware aus [4]. Auch die Kernel-Entwickler beschäftigen sich intensiv mit dem RasPi. Der lässt sich zwar recht einfach übertakten, für die CPU-Frequenz zeichnet jedoch bisher hauptsächlich die Firmware verantwortlich. Demnächst soll der Linux-Kernel aber einen richtigen Treiber zum Skalieren der CPU-Frequenz bekommen [5].

Auf der Hardware-Seite allerdings gab es seit Längerem nur kosmetische Änderungen, und das dürfte auch auf absehbare Zeit so bleiben: Laut RasPi-Vater Eben Upton wird es vor frühestens 2020 definitiv keinen RasPi 4 geben [6]. Die jüngsten Innovationen der Pi-Erfinder beschränken sich auf die Vorstellung einer offiziellen Maus und Tastatur für den Mini-Rechner – mehr dazu lesen Sie in unserem Test der beiden Komponenten ab Seite 56.

Wer für ein Projekt ein System mit stärkerer CPU, einem schnellen Bus und mehr Anschlussmöglichkeiten benötigt, muss also nach wie vor einen Blick über den Himbeer-Gartenzaun werfen. Zwar steht er nicht auf der Linux-Gizmo-Liste der "Top-10-Hacker-Boards für 2019" [7], aber dennoch lohnt der Rock Pi 4 des chinesischen Herstellers Radxa mehr als einen Blick: Er schlägt bei kaum höherem Preis nicht nur den RasPi 3B+ in allen Kategorien, sondern punktet im Gegensatz zu vielen Konkurrenten auch mit einem exzellenten Support durch den Hersteller und einer regen Community. Mehr dazu lesen Sie bei Interesse im Artikel ab Seite 68.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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