Editorial 01-02/2019

Surprise, surprise!

Im November überraschte uns die Raspberry Pi Foundation gleich doppelt: Mit einer A+-Variante des Raspberry Pi 3 und einer neuen Raspbian-Version, die endlich einen hardwarebeschleunigten, grafischen Multimedia-Player mitbringt.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Raspberry Pi Foundation ist immer wieder für eine Überraschung gut. Noch letzten März beim Erscheinen des Raspberry Pi 3B hatten die Briten verlautbart, der Pi3B+ markiere die letzte Iteration des klassischen Raspberry Pi – die nächste Generation brauche eine neue Architektur, einen anderen Core und eine verbesserte Speichertechnologie.

Um so unerwarteter kam am 15. November morgens die Ankündigung [1] einer neuen Board-Variante, des Raspberry Pi 3 Model A+. Besonders verblüfft dabei, dass es sich um eine abgespeckte Variante der Standard-Platine handelt – das hat es zum letzten Mal kurz nach dem Erscheinen des Ur-RasPi im Jahr 2014 gegeben. Der Verzicht auf 512 MByte RAM und einige Schnittstellen erlaubt beim RasPi 3A+ einen deutlich kleineren Footprint und einen merklich reduzierten Preis – weitere Details dazu lesen Sie in einem ausführlichen Artikel ab Seite 8 in diesem Heft.

Für einen umfänglichen Test hat allerdings die Zeit nicht mehr gereicht – unser erstes Testexemplar traf erst gestern Nachmittag in der Redaktion ein, wenige Stunden vor der Druckabgabe des Hefts. Wir sehen uns den RasPi 3A+ aber bis zur nächsten Ausgabe genau an und liefern dann eine ausführliche Besprechung nach. Dabei werden wir insbesondere der Frage nachgehen, inwieweit die halbierte RAM-Ausstattung sich auf die Performance in typischen Einsatzszenarien niederschlägt.

Kurz nach dem Release des RasPi 3A+ legte die Foundation auch noch an anderer Stelle eine Schippe nach und gab eine nagelneue Version des RasPi-Standardbetriebssystems frei, Raspbian 2018-11-13 [2]. Die ist aus mehr als einem Grund einen Blick wert.

Zum einen rüstet sie ein Feature nach, das viele Anwender schon lange vermisst haben: einen hardwarebeschleunigten, grafischen Videoplayer. Die Wahl fiel dabei auf VLC, der H.264-, MPEG-2- und VC-1-Videos auf dem RasPi jetzt flüssig abspielt. Für MPEG und VC-1 braucht man allerdings eine separate Lizenz, um die Hardwarebeschleunigung nutzen zu können. Wer die jedoch schon für den alten Omxplayer oder Kodi gekauft hat, kann die Codecs auch mit VLC nutzen.

Zum anderen haben die Entwickler die Desktop-Installationsabbilder in zwei Varianten aufgesplittet, sodass sich die Software besser für den geplanten Einsatzzweck dosieren lässt. Die volle Packung mit Büro- und Multimedia-Anwendungen, der neuen Python-IDE Thonny 3, Mathematica, Sonic Pi, Scratch etc. firmiert jetzt unter "Desktop and Recommended Software" [3] und bringt es inzwischen auf happige 1,8 GByte Download-Volumen.

Das neue, mit 1 GByte erfreulich schlanke "Desktop"-Image [4] dagegen enthält nur die wirklich benötigten Komponenten, wie grafische Oberfläche, Webbrowser, VLC, Python und das wichtigste Zubehör. Alles andere lässt sich bedarfsorientiert über die Software-Verwaltung (unter Recommended Software) nachinstallieren. Wem eine Kommandozeile genügt oder wer seinen RasPi headless betreiben möchte, der greift zur nach wie vor vorhandenen "Lite"-Variante mit einem 371 MByte kleinen Image [5].

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

  1. "New Product: Raspberry Pi 3 Model A+ on sale now at $25": https://www.raspberrypi.org/blog/new-product-raspberry-pi-3-model-a/
  2. "A new Raspbian Update: Multimedia, Python and more": https://www.raspberrypi.org/blog/raspbian-update-november-2018/
  3. Raspbian "Stretch" with Desktop and Recommended Software: https://downloads.raspberrypi.org/raspbian_full_latest
  4. Raspbian "Stretch" with Desktop: https://downloads.raspberrypi.org/raspbian_latest
  5. Raspbian "Stretch" Lite: https://downloads.raspberrypi.org/raspbian_lite_latest

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