Desktop-Distribution OpenSuse auf dem Raspberry Pi

© Bram Janssens, 123RF

Fit für den Alltag?

Der RasPi erobert immer neue Anwendungsgebiete. Aber taugt er mit neuen Distributionen als Desktop-Ersatz? Wir testen OpenSuse Leap 15.0.

Vielen Anwendern gilt der Raspberry Pi nach wie vor als Bastelrechner – zwar in der Maker-Szene fest etabliert, für den Alltag jedoch nur eingeschränkt zu gebrauchen. Das mag für die ersten Serien des britischen Kleincomputers mit der seinerzeit teils sehr beschränkten Hardware durchaus gegolten haben, hat sich aber spätestens mit Erscheinen der dritten Generation überholt: Dank leistungsfähiger CPU mit vier Kernen, integriertem LAN und WLAN und ausreichender Leistung nähert sich der Einplatinencomputer allmählich dem Leistungsniveau herkömmlicher Einstiegs-PCs.

Das motiviert mehr und mehr Entwickler, altbekannte Desktop-Distributionen auf den Mini-Rechner zu portieren und somit für erheblich mehr Auswahl bei den Betriebssystemen und Arbeitsumgebungen zu sorgen. Mit einer speziellen Variante von OpenSuse gibt es nun einen Abkömmling des Nürnberger Linux-Pioniers für den Raspberry Pi. Dabei agiert das bislang eher auf den KDE-Desktop abonnierte Betriebssystem erstaunlich flexibel, weist jedoch noch einige Schwächen auf.

Installation

Das für den RasPi erhältliche Derivat von OpenSuse verlangt zunächst die Entscheidung, welchen Desktop Sie verwenden möchten. Das Projekt bietet dazu unterschiedliche Images, die jeweils nur eine Umgebung enthalten [1].

Zur Auswahl stehen neben dem schwergewichtigen KDE die deutlich schlankeren Oberflächen XFCE, LXQt sowie Enlightenment E20. Außerdem gibt es noch eine Variante namens JeOS, die über keine grafische Arbeitsumgebung verfügt. JeOS steht für "Just enough Operating System".

Die Versionen mit vollwertiger Arbeitsumgebung haben in der aktuellen Variante Leap 15.0 einen Umfang von jeweils zwischen 620 und gut 700 MByte. Dabei markiert der Enlightenment-Desktop die untere Grenze, die KDE-Umgebung bringt es auf das größte Image. Neben OpenSuse Leap 15.0 finden Sie auf der Download-Seite auch ältere Varianten, die auf Leap 42.3 und "Tumbleweed" basieren. Diese befinden sich aber noch im Entwicklungsstadium.

Nach dem Herunterladen des Abbilds entpacken Sie es und schieben es auf eine SD-Karte. Dazu geben Sie mit Root-Rechten im Terminal den Befehl aus Listing 1 ein. Achten Sie dabei penibel darauf, den Gerätenamen der SD-Karte korrekt anzugeben. Nach dem Beschreiben der Karte stecken Sie diese in den dafür vorgesehenen Slot des RasPi 3 und fahren den Rechner hoch.

Listing 1

 

$ sudo xzcat Image.raw.xz | dd bs=4M of=/dev/Gerätedatei iflag=fullblock oflag=direct; sync

Nach kurzer Zeit erscheint ein herkömmlicher Grub-Bootmanager, in dem Sie die Standardoption zum Booten auswählen – dank der einheitlich aufgebauten Hardware des Raspberry Pi dürfte es keine Probleme mit Treibern geben. Das System benötigt nun einige Minuten für den ersten Start. Dabei lädt es nicht nur das übliche Spektrum an Systemdiensten, sondern passt zusätzlich die Partitionen der SD-Karte an, damit die volle Speicherkapazität bereitsteht.

Im Login-Bildschirm melden Sie sich als root mit dem Passwort linux an. Danach erscheinen je nach Arbeitsumgebung zunächst Dialoge für die Konfiguration: So benötigt der Enlightenment-Desktop vorab einige Angaben zur Lokalisierung und bietet danach verschiedene Darstellungsformen des Desktops an. Dazu wählen Sie eines der vorgegebenen Profile aus.

Nach zwei weiteren Dialogen zum Mausverhalten stellen Sie ein, ob Sie für den Desktop optische Effekte wünschen. Da die Grafik-Hardware des RasPi jedoch nur über beschränkte Fähigkeiten verfügt, empfiehlt es sich, die Effekte abzuschalten. Sie beanspruchen einiges an Leistung, was zu spürbaren Latenzen beim Bedienen des Desktops führt. Danach öffnet das System die Arbeitsoberfläche (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Arbeitsoberfläche von OpenSuse – hier mit E20-Desktop – wirkt unspektakulär. Beim ersten Start fragen einige Varianten noch zusätzliche Parameter für die Konfiguration ab.

Bei anderen Desktop-Varianten wie LXQt oder XFCE erscheinen während des ersten Starts keine Dialoge, in denen Sie die Lokalisierung wählen können. Stattdessen konfigurieren Sie Tastatur, Zeitzone, Systemzeit sowie die deutsche Sprache für Menüs und Applikationen mithilfe der entsprechenden Desktop-Werkzeuge.

Software

In der Menühierarchie der Arbeitsumgebung finden Sie – mit Ausnahme des Bildbearbeitungsprogramms Gimp – zunächst nicht die üblichen Standardanwendungen. Sie würden im Image zu viel Speicherplatz beanspruchen, daher haben die Entwickler lediglich unbedingt benötigte schlanke Applikationen ins System integriert.

Teilweise finden sich Routinen zum Anlegen von Startern in den Menüs, die jedoch eine manuell installierte Applikation voraussetzen. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise ein Mail-Client und ein Webbrowser über die dazugehörigen Punkte im Untermenü Internet einbinden.

Applikationen für Multimedia-Anwendungen und den Büroeinsatz fehlen komplett, ebenso ein Dateimanager. Die Software-Verwaltung und auch die meisten hardwarespezifischen Einstellungen nehmen Sie unter OpenSuse im grafischen Frontend YaST vor, das Sie im Menü Einstellungen | Alle | System finden (oder bei einigen Desktop-Umgebungen im Panel).

Falls Sie keinen kabelgebundenen DSL-Zugang zum Internet nutzen, sondern per WLAN mit dem Router kommunizieren, richten Sie in YaST zunächst im Bereich System über den Dialog Network Settings die Schnittstelle ein. Achten Sie darauf, die voreingestellte statische IP-Adresse auf die dynamische Vergabe umzustellen, da sonst in den meisten Fällen wegen des auf dem Router aktiven DHCP-Servers keine Verbindung zustande kommt.

Nach dem Aktivieren des WLAN-Zugangs aktualisieren Sie zunächst die Software-Repositories über den Dialog Software Repositories in der Gruppe Software. Anschließend verwalten Sie über die Routine Software Management die Programme und passen so das System an Ihre Bedürfnisse an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unter OpenSuse bündelt YaST alle Werkzeuge zum Administrieren unter einer Oberfläche. Hier konfigurieren Sie unter anderem die Netzwerkschnittstellen oder installieren Software.

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