Editorial 05-06/2018

(R)Evolution?

Chefredakteur Jörg Luther freut sich über den neuen Raspberry Pi 3 Modell B+ – und stellt sich die Frage, was wohl ein RasPi 4 im nächsten Jahr bringen könnte.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

dass der Raspberry Pi 3 trotz seiner handlichen Größe und des minimalen Stromverbrauchs nicht eben der langsamste Rechner ist, weiß jeder, der ihn regelmäßig nutzt. Bei mir zu Hause klebt er als persönlicher Computer hinter einem Monitor und läuft rund um die Uhr. Auf ihm erledige ich alle Alltagsgeschäfte, inklusive des Schreibens und Redigierens der Artikel, die Sie in jeder RasPi-Geek-Ausgabe lesen. Daneben dient er aber auch zum Surfen, für E-Mail und Online-Banking und was eben noch so alles an regelmäßigen Arbeiten anfällt. Über mangelnde Performance kann ich mich dabei nicht beklagen – OK, ich zocke keine grafisch aufwendigen Shooter und schneide auch keine Videos.

Wie wenig sich der RasPi 3 in Sachen Leistung generell vor anderen Rechnern zu verstecken braucht, das beleuchtet schlaglichtartig eine Testserie des schwedischen Software-Entwicklers Marcus Geelnard [1]. Der wollte jüngst einmal wissen, wie gut oder schlecht verschiedene Betriebssysteme auf verschiedenen Plattformen grundlegende Aufgaben abwickeln – etwa das Starten von Programmen, Prozessen und Threads, das Zuweisen von Speicher oder das Erstellen von Dateien. Die Resultate zeigen, dass der RasPi in Anbetracht seiner beschränkten CPU- und I/O-Leistung überraschend gut mit "richtigen" Rechnern mithält, wie Intel-i7-PCs, Mac Minis oder Macbooks.

Umso schöner, dass die Foundation zum Pi Day (14.03. oder angelsächsisch 03/14) jetzt noch einmal eine Schippe nachlegt, in Form des Raspberry Pi 3 Modell B+ [2]. Neben grundlegenden Neuerungen wie höherem Prozessortakt, Gigabit-Ethernet, 802.11ac-WLAN, Bluetooth LE 4.2 und einer Power-over-Ethernet-Option via PoE-HAT glänzt er auch mit pfiffigen Detailverbesserungen wie einem ausgeklügelten Leistungs- und Wärmemanagement oder einem echten Power-Off über den optimierten RUN-Header. Erfreulicherweise bleibt der Pi 3B+ dabei sowohl in Formfaktor und Technik abwärtskompatibel als auch beim Preis: Er kostet keinen Cent mehr als der Vorgänger. Weitere Details beschreibt ein ausführlicher Artikel ab Seite 8, der auch erste Benchmark-Ergebnisse umfasst.

Der neue RasPi ist zweifellos der leistungsfähigste und durchdachteste aller Zeiten, aber ebenso zweifelsfrei nicht mehr als eine Evolutionsstufe des bisherigen RasPi 3. Das hat in der Redaktion für eine angeregte Diskussion gesorgt: Wo bleibt der RasPi 4? Und wie müsste der aussehen? Da scheiden sich ganz klar die Geister: Die einen wünschen sich einen kompletten Generationswechsel, sprich: ein neues Modell, das leistungsfähigeren Konkurrenten wie dem altbekannten Beaglebone Black oder Newcomern wie dem Pine H64 oder RockPro64 (siehe Artikel ab Seite 12) Paroli bieten kann. Das ginge wohl nur unter Verzicht auf die Abwärtskompatibilität zu den bisherigen RasPi-Generationen. Das wiederum scheuen die anderen wie der Teufel das Weihwasser und hoffen, dass es beim RasPi weiter evolutionär statt revolutionär vorwärts geht. Ich gehöre zur konservativen Fraktion – und Sie?

Herzliche Grüße

Jörg Luther

Chefredakteur

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Editorial 03/2016

    Chefredakteur Jörg Luther gratuliert dem Raspberry Pi zum vierten Geburtstag – und freut sich jetzt schon auf das zehnjährige Jubiläum des Mini-Rechners.

  • Editorial 05/2014

     

  • Editorial RPG 03/2015

    Als die Raspberry Pi Foundation das überarbeitete Modell B+ präsentierte, waren durchaus einige RasPi-Fans ein wenig enttäuscht. Die vier USB-Ports und die stabilere Stromversorgung kamen vielen Bastlern gelegen, doch die RasPi-Community wartete sehnlich auf ein Modell mit mehr Leistung. Der unerwartet schnell präsentierte Raspberry Pi 2 versöhnt die Gemeinschaft nun wieder.

  • Editorial 05-06/2017

    Chefredakteur Jörg Luther gratuliert dem Raspberry Pi zum fünften Geburtstag – und zum Einzug in die Top 4 der populärsten Computerplattformen aller Zeiten.

  • Editorial 01-02/2019

    Im November überraschte uns die Raspberry Pi Foundation gleich doppelt: Mit einer A+-Variante des Raspberry Pi 3 und einer neuen Raspbian-Version, die endlich einen hardwarebeschleunigten, grafischen Multimedia-Player mitbringt.

Aktuelle Ausgabe

12/2019
RasPi-Alternativen

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Grußbotschaften

    Mit Sonic Pi zaubern Sie komplexe Sounds, die Sie bei Bedarf sogar noch während des Abspielens modifizieren.

  • Das Runde und das Eckige

    Mit dem MCP4725 ergänzen Sie einen RasPi um einem D/A-Wandler, der bei Bedarf noch weitere Funktionen erfüllt.

  • Alles unter Kontrolle

    Schon ein einfaches Mikrocontrollerboard wie das CY8CKIT-049-42xx bietet erstaunlich viele Möglichkeiten beim Ansteuern von Hardware.

  • Viele Kerne

    Das Spresense Development Board von Sony lässt sich mit der Arduino IDE programmieren und bringt auch ein eigenes Entwickler-SDK mit.

  • Exotische Früchte

    Der aus China stammende Orange Pi positioniert sich mit einem guten Preis und interessanten Features gegen die RasPi-Truppe. Kann er sich auch behaupten?

  • Flexibler Surfer

    Mit dem neuen RasPi 4 setzen Sie einen öffentlichen Webkiosk schnell und kostengünstig auf.

  • Auskunftsfreudig

    Viele Devices, so auch der E.ON-Aura-Controller, verwenden eine Schnittstelle namens REST, um Zustandsdaten zu übermitteln. Mit ein wenig Bastelei lesen Sie diese auch über Ihr Smartphone aus.

  • Doppelt gemessen

    Mit wenig Aufwand und einem Pi Zero realisieren Sie einen mobilen Zweikanal-Spannungsprüfer.

  • Elegant zusammengeführt

    Tizonia streamt Musik von Online-Quellen und lokalen Sammlungen. Die schlanke Architektur macht den Player zur guten Wahl für den Einsatz auf dem RasPi.

  • Kommunikativ

    Nicht jeder traut sich zu, sein eigenes Smartphone zu bauen. Allerdings kann jeder Linux-Nutzer den Raspberry Pi im Handumdrehen zu einem VoIP-Telefon aufrüsten.