Anonymes File-Sharing mit der PirateBox

© Artem Mazunov, 123RF

Schatzkiste

Piraten verstecken ihren Schatz an möglichst geheimen Orten. Die PirateBox für digitale Schätze dagegen möchte gefunden werden und versucht erst gar nicht herauszufinden, wer in die Schatzkiste greift.

Piraten hatten es früher schwer, einen geeigneten Platz für ihre Schätze zu finden: Selbstverständlich musste es eine verlassene Insel sein, mit einsamen Stränden samt schattenspendenden Palmen und möglichst einer Höhle, in der ein komplettes Schiff mit voller Takelage verschwinden konnte. Mystische Sagen, Pfeile schießende Eingeborene oder ein gefährliches Riff rund um die Insel waren ebenfalls eher Plus- als Negativpunkte.

Heute existieren Schätze vor allem in digitaler Form, die Suche nach einem geeigneten Ort für die digitale Schatzkiste ist allerdings immer noch beschwerlich. Es gilt, einen kleinen Server zusammenzusetzen und aufzubauen sowie Server-Dienste zu installieren und zu konfigurieren. Als Plattform dafür dient bei PirateBox ein Raspberry Pi [1] jedes beliebigen Modells. Dabei braucht das System nicht einmal einen Netzwerkzugang, sondern arbeitet bei Bedarf komplett autark.

Auf Kiel gelegt

Die Software erhalten Sie in Form eines ZIP-gepackten Archivs, das Sie entpacken und dann wie beispielsweise ein Raspbian per Dd oder mit Programmen wie dem Win32 Disk Imager auf die Speicherkarte schreiben (Listing 1).

Listing 1

 

$ sudo dd if=piratebox*.img of=/dev/sdc bs=1M; sync
2068840448 bytes (2,1 GB, 1,9 GiB) copied, 4 s, 517 MB/s
2048+0 Datensätze ein
2048+0 Datensätze aus
2147483648 bytes (2,1 GB, 2,0 GiB) copied, 4,95754 s, 433 MB/s

Unter Linux bringen Sie die für das Dd-Kommando nötige Geräte-ID für die Ausgabe (in Listing 1: /dev/sdc/) beispielsweise über den Befehl lsblk in Erfahrung. Eine 4 GByte große SD-Speicherkarte genügt, da sich die Systempartition nicht automatisch auf den gesamten Datenträger vergrößert. Daten legt das System später auf einem USB-Stick oder einer entsprechenden Festplatte ab.

Die PirateBox stellt keine grafische Oberfläche zur Verfügung. Sie sollten den für die Box eingesetzten Raspberry Pi daher erst gar nicht mit einen Monitor verbinden. Auch einen Netzwerkzugang braucht es nicht zwingend. Auf einem Raspberry Pi 3 mit integriertem WLAN-Chip spannt die PirateBox automatisch ein WLAN mit dem Namen PirateBox**-**Share Freely auf (Abbildung 1). Darin melden Sie sich für die Konfiguration des Systems an.

Abbildung 1: Nach Inbetriebnahme melden Sie sich im von der PirateBox aufgespannten WLAN an.

Sie steuern das System anschließend via SSH. So erreichen Sie die Schatzkiste über ssh alarm@piratebox.lan mit dem Passwort alarm. Arbeiten Sie nicht im WLAN der PirateBox, funktioniert auch ssh alarm@alarmpi. Klappt die Namensauflösung nicht, finden Sie auf einem Linux-System über einen Arp-Scan (Listing 2) die IP-Adresse der PirateBox heraus. Alternativ hilft ganz klassisch ein Blick in die Netzwerkkonfiguration des Internet-Routers.

Listing 2

 

$ sudo arp-scan --localnet | grep Raspberry
192.168.188.25  b8:27:eb:31:86:6c       Raspberry Pi Foundation
192.168.188.26  b8:27:eb:66:ab:44       Raspberry Pi Foundation

Steuerbord voraus

Über SSH angemeldet, informiert Sie PirateBox über die installierte Version und gibt Hinweise zu den ersten Schritten nach dem Flashen der Image-Datei (Abbildung 2). Als Erstes sollten Sie unbedingt mit passwd das Kennwort des Benutzers admin ändern. Anschließend geben Sie über das Kommando date die aktuelle Zeit ein, das Format entspricht dabei der Abfolge "JJJJMMTT SSMM". Das ist erforderlich, da dem Raspberry Pi eine batteriebetriebene Uhr fehlt und er im autarken Betrieb ohne Netzwerkzugang ohne einen Zeitserver auskommen muss (Listing 3, Zeile 1 bis 4).

Abbildung 2: Die Konfiguration der PirateBox erfolgt über SSH. Eine Anleitung mit den ersten Schritten unterstützt Sie dabei.

Listing 3

 

$ sudo timedatectl set-ntp false
$ sudo date -s "20180118 1841"
$ cd /opt/piratebox && sudo ./bin/timesave.sh ./conf/piratebox.conf install
$ sudo systemctl enable timesave
$ sudo /opt/piratebox/bin/board-autoconf.sh

Im dritten Schritt aktivieren Sie bei Bedarf ein Image-Board (Zeile 5). Bei der Installation müssen Sie lediglich ein Passwort für administrative Aufgaben vergeben. Anschließend erreichen Sie das Forum über die URL http://piratebox.lan/board – allerdings nur, wenn der Nutzer im WLAN der Box hängt. Die verwendete Software Kareha [2] erinnert stark an das berühmt-berüchtigte anonyme 4Chan-Forum (Abbildung 3). Von daher bietet das Forum auch nur das Nötigste: Eine Benutzerverwaltung gibt es nicht.

Abbildung 3: Das von der PirateBox genutzte Kareha-Forum gleicht dem berühmt-berüchtigten Image-Board 4Chan.

Für mehr Speicherplatz binden Sie nun einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte an. Der Datenträger muss mit einer VFAT-Partition formatiert sein. Da das PirateBox-System den dafür nötigen Linux-Befehl mkfs.vfat nicht kennt, müssen Sie dies zuvor auf einem anderen Rechner erledigen. Das folgende Kommando integriert dann das Medium vollautomatisch ins System:

$ sudo /opt/piratebox/rpi/bin/usb_share.sh

Zu guter Letzt bietet die PirateBox noch einen DLNA-Service (Listing 4). Auf diesem Weg lassen sich Multimediadateien (Musik und Videos) mit entsprechenden Playern abspielen, ohne dass man diesen den Server oder Zugangsdaten vermitteln müsste.

Den Schritt 6 (siehe Abbildung 2) braucht es nur, wenn Sie den PirateBox-RasPi mit einer Echtzeituhr (real-time clock oder kurz RTC) in Form einer HAT-Platine ausgestattet haben.

Listing 4

 

$ sudo cp /etc/minidlna.conf /etc/minidlna.conf.bkp
$ sudo cp /opt/piratebox/src/linux.example.minidlna.conf /etc/minidlna.conf
$ sudo systemctl start minidlna
$ sudo systemctl enable minidlna

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