Tracktion-Nachfolger Waveform8 auf dem Raspberry Pi

Fazit

Waveform8 empfiehlt sich noch mehr als Tracktion als vollwertige Alternative zu etablierten, komplexen DAWs unter Linux (siehe Kasten "Ardour, Bitwig oder Waveform?"). Einige Ecken und Kanten weisen darauf hin, dass die Tracktion-Entwickler gute Gründe hatten, der Software einen neuen Namen zu geben: Das eigenbrötlerische Konzept des Vorgängers haben sie offensichtlich aufgegeben und versuchen, dieselben Funktionen wie die Konkurrenz zu liefern, idealerweise aber besser umgesetzt. Dass dieses Konzept an vielen Stellen schon sehr gut aufgeht, lässt darauf hoffen, dass Waveform8 zu einer interessanten, gertenschlanken und kostengünstigen Digital Audio Workstation ohne Kompromisse in Sachen Funktionalität heranwächst. 

Ardour, Bitwig oder Waveform8?

Schon Tracktion ging besonders sparsam mit den Systemressourcen um und bot eine Oberfläche, die selbst auf sehr kleinen Displays gut funktionierte. In dieser Hinsicht bleibt Waveform8 seinen Mitbewerbern überlegen, und wer mit dem Raspberry Pi experimentieren möchte, hat kaum eine Alternative: Für den Mini-PC steht zwar auch Ardour bereit, in Sachen Performance kann es auf dem RasPi aber nicht mithalten.

Bei den Funktionen hat Waveform8 zu Ardour aufgeholt, ein großes Manko bleibt jedoch das Fehlen der nativen Unterstützung für LV2-Plugins. Auch eine synchrone Videospur unterstützt der Tracktion-Nachfolger nicht. Wollen Sie solches Material anspruchsvoll nachvertonen, kommen Sie kaum an Ardour vorbei.

Auch Bitwig unterstützt weder Video noch LV2, hat allerdings in Sachen Automation und dynamische Sound-Manipulation die Nase vorn. Die Racks in Waveform8 ähneln zwar dem modularen Konzept von Bitwig, lassen aber dessen völlige uneingeschränkte Verdrahtung beliebiger Signale aller Plugins und Tonspuren im Projekt vermissen.

Dank des neuen Mixers und der Verbesserungen, die schon Tracktion 7 für die Arbeit mit Audiospuren brachte, empfiehlt sich Waveform8 für die klassische Musikproduktion als echte Alternative zu Ardour. Wer elektronische oder loopbasierte Musik produzieren möchte, bekommt mit Bitwig mehr Möglichkeiten, allerdings in einer deutlich ressourcenhungrigeren Anwendung zum fast vierfachen Preis.

Der Autor

Hartmut Noack arbeitet in Celle und Hannover als Dozent, Autor und Musiker. Er findet, dass freie Software und selbst gemachte Musik prima zusammenpassen. Unter http://lapoc.de finden Sie einige CC-lizenzierte klingende Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware.

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