Peach Pi macht den RasPi zum Desktop-Computer

© Yelena Yemchuk, 123RF

Saftiger Pfirsich

Bei vielen Anwendern gilt der RasPi immer noch als Spielzeug. Dabei pirscht sich der kleine Brite mit Betriebssystemen wie Peach Pi allmählich auch an die Desktop-Garde heran.

Dank eines stetig wachsenden Zubehör- und Software-Angebots gilt der Raspberry Pi nach wie vor primär als experimenteller Kleincomputer für Schulungs- und Steuerungszwecke. Doch der britische Winzling bringt dank der flinken CPU und der integrierten Komponenten wie WLAN und Bluetooth längst genügend Fähigkeiten mit, um auch als Allround-PC am Arbeitsplatz eine gute Figur abzugeben.

Das auf die ARM-Architektur portierte Xubuntu-Derivat Peach Pi [1] setzt die Fähigkeiten des Raspberry Pi 3 und – mit leichten Abstrichen – seines Vorgängers RasPi 2 frei. Die in den USA entwickelte Distribution gibt es in zahlreichen Varianten, wobei für den Raspberry Pi zwei Spielarten bereitstehen: Neben dem Allround-System für den Desktop, die Sie auch auf der Heft-DVD finden, gibt es zusätzlich eine von OSMC abgeleitete Version, die den Einplatinencomputer zu einem Home-Theatre-PC umfunktioniert.

Beide Derivate erhalten Sie auf der Projektseite [2], wobei die Entwickler mehrfach explizit darauf hinweisen, dass das System auf den Einsatz auf einem Raspberry Pi 3 angepasst wurde. Daher empfiehlt sich auch diese leistungsstärkste RasPi-Variante als Hardware-Basis für Peach Pi. Um noch mehr Leistung aus dem Kleincomputer herauszukitzeln, modifizierten die Entwickler die Datei /boot/config.txt, um die ARM-CPU zu übertakten.

Installation

Sollten Sie das Vorgängermodell Raspberry Pi 2 nutzen wollen, empfehlen wir Ihnen dringend, diese Modifikation wieder rückgängig zu machen. Dazu löschen Sie die angepasste Datei config.txt und ersetzen sie durch die im selben Ordner abgelegte Standarddatei config (default).txt.

Eine weitere Besonderheit ergibt sich aus der Größe der Images: Da das ZIP-Archiv der Allround-Version bereits eine Größe von 2,2 GByte aufweist und das entpackte Abbild rund 6 GByte umfasst, weisen die Entwickler darauf hin, dass Sie für einen produktiven Einsatz des Systems eine Micro-SD-Karte von mindestens 16 GByte Größe nutzen sollten. Richtig flüssig arbeitet das System nach deren Angaben aber erst mit einer 32 GByte großen Micro-SD-Karte der Class-10-Spezifikation.

Nach dem Herunterladen und Entpacken des Archivs befördern Sie das Image mit dem Aufruf aus Listing 1 auf die Micro-SD-Karte. Den Gerätenamen ersetzen Sie dabei durch die auf Ihrem System aktuelle Bezeichnung, beispielsweise sdb oder mmcblk0. Gegebenenfalls verwenden Sie außerdem statt des Befehls dd das Kommando dcfldd, das im Gegensatz zum herkömmlichen Dd eine Fortschrittsanzeige bietet.

Listing 1

 

$ sudo dd if=PeachPi.armhf.16.04.LTS.img of=/dev/Gerät bs=4M

Erster Start

Nach dem Bestücken des RasPi mit der SD-Card und einem Neustart begrüßt Sie Peach Pi mit einem freundlich gestalteten XFCE-Desktop, der mit einer horizontalen Panelleiste am oberen Bildschirmrand und einem Dock mit zahlreichen Programmstartern am unteren Bildschirmrand aufwartet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der in Peach Pi integrierte Language Support erlaubt das problemlose Umstellen der Lokalisierung.

Das System verwendet in der Voreinstellung die US-Tastaturbelegung und eine englische Lokalisierung. Daher passen Sie es im ersten Schritt an deutsche Verhältnisse an. Das wiederum setzt voraus, dass Sie das System zunächst auf den aktuellen Stand bringen, anderenfalls bricht die Installation der deutschen Lokalisierung mit einer Fehlermeldung ab.

Rufen Sie zur Aktualisierung im Terminal nacheinander die Befehle sudo apt-get update, sudo apt-get upgrade und zuletzt sudo apt-get dist-upgrade auf. Nach der Authentifizierung mit dem Passwort peachuser startet das Update. Es nimmt aufgrund umfangreicher Systempflege mehr als zwei Stunden in Anspruch, wobei es mehrere Hundert MByte an aktualisierten Dateien lädt und in das System integriert. Alternativ nehmen Sie die Aktualisierung über den Paketmanager Synaptic vor, den Sie im Menü Applications | System finden.

Um die Lokalisierung danach auf Deutsch umzustellen, öffnen Sie das Menü Applications | Settings. Über den darin enthaltenen Dialog Keyboard stellen Sie das Tastaturlayout ein, mit Language Support die gewünschte Sprache (Abbildung 2). Die Anpassung greift erst nach einer Neuanmeldung.

Abbildung 2: Der in Peach Pi integrierte Language Support erlaubt das problemlose Umstellen der Lokalisierung.

Sofern Sie eine Speicherkarte mit 16 oder 32 GByte Kapazität nutzen, empfiehlt es sich, den verfügbaren Gesamtspeicher zu vergrößern, damit bei der Installation zusätzlicher Programme ausreichend Platz zur Verfügung steht.

Da die Distribution auf der Systempartition der Speicherkarte neben einer mit dem FAT16-Dateisystem formatierten kleinen Boot-Partition eine Ext4-Partition anlegt, können Sie den Speicherplatz auf einem externen Linux-PC einfach mit einem Tool wie Gparted erweitern (Abbildung 3). Im Auslieferungszustand nutzt Peach Pi lediglich knapp 6 GByte für die Systempartition, sodass noch ausreichend ungenutzter Speicherplatz bereitsteht.

Abbildung 3: Mit Gparted erweitern Sie den Speicherplatz der SD-Karte mit wenigen Mausklicks.

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