Den RasPi mit alten Festplatten zum Mini-Server umrüsten

© RomoloTavani, 123RF

Recycling

Mit einer Dockingstation lassen sich ausgemusterte IDE/SATA-Festplatten im 2,5- und 3,5-Zoll-Format am Raspberry Pi betreiben. Mit dem Samba-Server gliedern Sie den Mini-Rechner dann als Datenspeicher in Ihr lokales Netzwerk ein.

Spätestens beim nächsten Upgrade des Desktop-PCs vermehrt sich der heimische Computerschrott. Bei der Kaufentscheidung erweist sich vor allem das Motto "größer, schneller, weiter" als wesentlich bei der Auswahl der Geräte. So lassen sich Festplatten durch bessere ersetzen. Typischerweise dreht die zukünftige Festplatte schneller, spart Energie oder kommt in Form einer SSD gleich ganz ohne langsame und geräuscherzeugende mechanische Bauteile aus.

Aber wohin mit den alten Geräten? Ausgediente Festplatten beispielsweise lassen sich mit einem Festplatten-Dock zu einem kostengünstigen Samba-Dateiserver im heimischen Netzwerk umfunktionieren. Dabei ermöglicht der Raspberry Pi einen flüsterleisen Betrieb. Einen Strich durch die Rechnung machen lediglich Festplattengeräusche. Allerdings erledigt der RasPi seinen Dienst genauso gut in einer Abstellkammer neben dem Router oder per WLAN angebunden, sodass das Surren der Festplatten nicht mehr stört.

Spezifikation

Dass Hardware nicht immer schwarz sein muss, beweist die Icy-Dock-Dockingstation [1]. In Weiß und Grün gehalten, besticht sie durch Features und Kompatibilität (Abbildung 1). So wandelt sie interne Festplatten – sowohl SATA- als auch IDE-Exemplare – in externe USB-Festplatten um, ohne dazu im System einen Treiber zu benötigen. Der Hersteller Icy Dock legt zudem für alle möglichen Einsatzzwecke die erforderlichen Kabel bei.

Abbildung 1: Bei der Icy-Dock-Dockingstation besteht der grüne Ständer aus Aluminium. Er hält vertikal befestigten SATA-Festplatten stand.

In der Packung befinden sich ein 4-Pin-Stromkabel für IDE-Festplatten, ein USB-Kabel zum Anschließen der Dockingstation an den Rechner sowie ein Netzteil zur Versorgung der Festplatten mit Strom (Abbildung 2). Ein Ein- und Ausschaltknopf ermöglicht, den Stromverbrauch gezielt in Zaum zu halten. Bei den üblichen Internet-Händlern kostet die Icy-Dock-Dockingstation rund 40 Euro, in etwa dasselbe wie vergleichbare Geräte anderer Hersteller.

Abbildung 2: Dank des abnehmbaren Ständers lässt sich die leichte Dockingstation auch unterwegs nutzen.

Filesharing

Als Server-System greifen Sie auf einen Raspberry Pi der zweiten oder dritten Generation zurück. Die Rechenleistung beider Mini-Computer genügt für die Aufgabe. Als Flaschenhals erweist sich eher die kombinierte Anbindung der USB-Schnittstellen zusammen mit dem Ethernet-Adapter über einen internen USB-Port.

Der für die Dateifreigaben verantwortliche Samba-Server findet sich bei allen gängigen Linux-Distributionen für den RasPi in den Paketquellen, so auch bei Raspbian. Da der Server später ohne Monitor im Hintergrund seine Arbeit verrichtet, greifen Sie am besten gleich auf Raspbian Lite ohne grafische Desktop-Umgebung zurück. Das sorgt für ein schlankes System und spart Ressourcen.

Externe Geräte wie Festplatten oder USB-Sticks lassen sich per USB mit dem RasPi verbinden. Bei einer Raspbian-Installation ohne grafische Oberfläche müssen Sie das von Hand erledigen. Dazu benötigt das System einen Einhängepunkt, über den es auf die Festplatte zugreifen kann: Das Verzeichnis legen Sie mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 an.

Die Option -m gibt dabei den Dateimodus des Verzeichnisses vor. So steht die erste Ziffer für das Sticky Bit. Die drei letzten Ziffern teilen jedem Nutzer Schreib-, Lese- und Ausführrechte auf dem Verzeichnis zu. Anschließend binden Sie das Festplatten-Dock einmal manuell ein. Die auf der Festplatte abgespeicherten Daten sollten dann unter /home/pi/usb-disk erscheinen.

Listing 1

 

$ mkdir -m 1777 /home/pi/usb-disk
$ sudo mount /dev/sda1 /home/pi/usb-disk

Um ein Gerät nach jedem Neustart automatisch in das zuvor erstellte Verzeichnis des Servers einzugliedern, erstellen Sie einen Eintrag in /etc/fstab nach dem Muster aus Listing 2 (siehe auch Kasten "File System Table"). Die Änderungen in der Dateisystemtabelle wirken allerdings erst nach einem Neustart. Alternativ lässt sich die gewünschte Partition sofort einbinden, indem Sie die Partition mit dem Befehl aus der letzten Zeile von Listing 1 laden.

Listing 2

 

#
# /etc/fstab: static file system information
[...]Gerätename  Einhängepunkt      Dateisystem defaults,noatime 0 1
[...]
/dev/sda1   /home/pi/usb-disk  ext4        defaults,noatime 0 1

File System Table

Linux mountet automatisch Geräte, die in der Dateisystemtabelle /etc/fstab stehen. Die Syntax der Datei sieht sechs durch Tabulatoren oder Leerzeichen voneinander getrennte Spalten vor: Die ersten drei geben den Gerätenamen, den Einhängepunkt und das verwendete Dateisystem an. Die Optionen in der vierten Spalte bestimmen unter anderem, ob die Partition mit oder ohne Schreibrechte eingehängt werden soll. In der fünften Spalte aktivieren oder unterbinden Sie eine Archivierung der Partition. Die sechste und letzte Spalte schließlich gibt an, ob das System die Partition mit Fsck überprüfen soll. Mögliche Optionen lesen Sie in der Manpage von Mount nach (man mount).

Das auf der Partition angelegte Dateisystem ermitteln Sie bei Bedarf mit dem Befehl sudo blkid, wobei das Dateisystem neben dem Wort Type erscheint. Diesen Wert tragen Sie anschließend in die /etc/fstab ein. Raspbian unterstützt Dateisysteme aus der Windows- und Linux-Welt. Für NTFS sollten Sie sicherstellen, dass das Paket ntfs-3g installiert ist. Es enthält einen Treiber, der unter Linux den Zugriff auf NTFS-Partitionen ermöglicht [3].

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