C64-Umbau mit dem Raspberry Pi und Keyrah V2

© Martin Wolf, Golem.de

Wiedergeburt

Mit dem Keyrah-Tastaturadapter und einem Raspberry Pi machen Sie aus einem defekten C64 eine optimale Emulator-Station, bei der Sie die originale Tastatur und die Joystick-Ports nutzen.

Der Commodore 64 gilt als meistverkaufter Heimcomputer der Welt, mit entsprechend hoher Bedeutung für die Computer- und Spiele-Industrie. In den 1980er-Jahren war er der Traum vieler Kinder und Jugendlicher und, dank eines relativ moderaten Preises, zudem erschwinglich.

Der 1982 vorgestellte Heimcomputer fasziniert bis heute, nachdem er die Kindheit und Jugend vieler Menschen geprägt hat. Der Umgang mit dem Heimcomputer macht nach wie vor Spaß, gestaltet sich aber recht umständlich, besonders verglichen mit aktuellen PCs. So benötigen Sie einen speziellen Monitor oder einen Fernseher, bei dem Sie den korrekten Kanal einspeichern müssen. Als Speichermedium setzt der C46 zudem ein Diskettenlaufwerk oder ein Tapedeck voraus.

Weitaus einfacher erscheint es da, einen C64-Emulator auf einem modernen Rechner zu nutzen. Was die einen für Häresie halten und für nicht mit dem Original vergleichbar, das finden die anderen schlicht praktisch. Doch es gibt einen Kompromiss: das Innenleben eines C64 auszutauschen und durch moderne Komponenten zu ersetzen.

Alt plus Neu

Heraus kommt eine Mischung aus Alt und Neu: Ins C64-Gehäuse wandert ein Emulator auf Basis eines Raspberry Pi, die Tastatur sowie die Joystick-Ports bleiben zum Programmieren und Zocken erhalten. Als Resultat erhalten Sie ein vielseitiges Gerät, das sich wie ein herkömmlicher C64 nutzen lässt, jedoch ohne die Einschränkungen hinsichtlich der Bildausgabe und der Speichermedien. Auf diese Weise kommen auch diejenigen wieder in den Genuss eines C64, die ihr Gerät samt Zubehör und Spielesammlung vielleicht schon vor Jahren verkauft haben und sich entsprechend ärgern: Die Gebrauchtpreise für funktionierende C64 steigen mittlerweile wieder.

Für das Bastelprojekt benötigen Sie zunächst einen nicht mehr benötigten C64. Der Vorteil des Projekts: Alle Umbauten lassen sich umkehren; einen funktionierenden C64 können Sie also theoretisch später wieder zurückbauen. Da wir unseren Umbau aber permanent machen wollen, haben wir schlicht für 30 Euro ein defektes Modell bei Ebay gekauft. Lediglich die Tastatur muss noch funktionieren, denn sie kommt nach dem Umbau weiter zum Einsatz.

Außerdem benötigen Sie einen Adapter, der es erlaubt, die C64-Tastatur per USB zu nutzen. Diesen Zweck erfüllt der Keyrah V2 [1], ein kleines Board, das die Tastatursignale über einen USB-Anschluss weitergibt. Damit lässt sich die C64-Tastatur als USB-Keyboard an jedem modernen Rechner nutzen – wirklich komfortabel ist das aufgrund der Tastaturbelegung allerdings nicht.

Kostenpunkt

Die Kosten für den Emulations-C64 liegen bei 100 Euro, wenn Sie alle Teile kaufen. Die Kosten für den C64 lassen sich dabei am schwierigsten einschätzen; ein als defekt ausgewiesener C64 kostet bei Ebay zwischen 20 und 50 Euro. Das Keyrah-V2-Modul erhalten Sie im Online-Handel für 40 Euro, ein RasPi 3 Modell B schlägt mit 35 Euro zu Buche.

RasPi als Motherboard

Als Recheneinheit der Konstruktion dient ein RasPi 3 Modell B. Er wandert zusammen mit dem Keyrah-Modul für die Tastatur ins entkernte C64-Gehäuse. Zur verwendeten Software kommen wir später – zunächst schauen wir uns an, welche Schritte für den Umbau des Computers notwendig ist.

Um Platz für den Umbau zu schaffen, bauen Sie das ursprüngliche Motherboard aus dem C64 aus. Lassen Sie beim Öffnen des Gehäuses Vorsicht walten: Hier können die Kunststoffnasen leicht abbrechen. Das Motherboard lässt sich nach dem Lösen der Halteschrauben leicht entfernen. Von den originalen Bauteilen verbleibt nur die Tastatur im Gehäuse (Abbildung 1).

Abbildung 1: Für den Umbau müssen Sie das Motherboard entfernen und kleinere Veränderungen am Gehäuse vornehmen.

Beim Entfernen der Hauptplatine ziehen Sie den Stecker der Tastatureinheit ab, ebenso den der LED. Es kann sinnvoll sein, die Tastaturmembran zu reinigen, da sie im Lauf der Jahre durch Verschmutzung und Korrosion nicht mehr zuverlässig funktioniert. Dazu lösen Sie alle Schrauben auf der Tastaturrückseite und entlöten den Shift-Lock-Schalter. Dann lässt sich die Rückseite abnehmen und die Membran reinigen.

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