Teamviewer Host für den Raspberry Pi

© Sergii Kostenko, 123RF

Ferngesteuert

Teamviewer dient vielen IT-Profis und Heimanwendern als Remote-Desktop-Lösung. Mit Teamviewer Host gibt es das Programm nun auch in einer für den Raspberry Pi geeigneten Version, allerdings mit abgespecktem Funktionsumfang.

Verrichtet der Raspberry Pi in einer dunklen Ecke still und leise als kleiner und stromsparender Server seine Arbeit, braucht er in der Regel keine grafische Oberfläche. Für Wartungsarbeiten loggt man sich per SSH auf dem System ein und arbeitet dann genauso, als ob man direkt vor dem Kleinrechner säße. Fungiert der Mini-Rechner jedoch als Desktop-Ersatz, benötigt man für Fernwartungen eine Remote-Desktop-Lösung wie Teamviewer.

Das für Privatanwender kostenlos nutzbare kommerzielle Programm gibt es schon seit Jahren in einer Linux-Version. Die basiert jedoch zum Missfallen vieler Linux-Fans auf der Windows-Laufzeitumgebung Wine, ist also kein natives Linux-Programm. Einen ersten Schritt hin zu einem nativen Teamviewer für Linux macht nun der kürzlich vorgestellte Teamviewer Host [1]: Er basiert komplett auf Qt und erlaubt den unbeaufsichtigten Zugriff auf einen Linux-Rechner. Zudem gibt es das Programm erstmals als echte 64-Bit-Version. Als Helfer benötigen Sie jedoch weiterhin den bisherigen Teamviewer-Client.

Installation

Teamviewer Host erhalten Sie nun für RasPis der zweiten und dritten Generation als DEB-Paket [2] für Raspbian. Passende Pakete für den ARMv6 des ersten Raspberry-Pi-Modells sowie die Zero-Varianten gibt es bislang nicht. Zudem setzt das Programm eine grafische Umgebung voraus; Sie benötigen also eine komplette Raspbian-Installation und nicht das abgespeckte Raspbian Lite.

Die Installation erfolgt grafisch über den Paketmanager oder manuell über dpkg -i. Anschließend müssen Sie noch manuell die vom Programm benötigten Abhängigkeiten auflösen (Listing 1). Beim ersten Start gilt es dann, die Lizenzvereinbarung zu akzeptieren.

Listing 1

 

$ sudo apt update
$ sudo dpkg -i teamviewer-host*.deb
$ sudo apt install -f

Die Anwendung fährt zusammen mit dem System hoch. Nach dem Anmelden erscheint in der Statusleiste der Desktop-Umgebung das Icon des Programms. Über einen Doppelklick darauf oder das Kontextmenü und die Option Zeige Statusdialog erhalten Sie die Teamviewer-ID sowie das für die Verbindung notwendige Passwort (Abbildung 1).

Abbildung 1: Den Teamviewer Host installieren Sie auf dem Rechner des Hilfesuchenden. Die ID und das Passwort brauchen Sie zum Verbindungsaufbau.

Die ID bleibt stets gleich, das Passwort jedoch ändert sich spätestens bei einem Neustart des Systems (siehe Kasten "Vergesslich"). Benötigt nun ein Hilfesuchender Ihre Unterstützung, dann übermittelt er Ihnen (beispielsweise per Telefon) die ID und das Passwort. Über den klassischen Teamviewer-Client bauen Sie anschließend die Verbindung zum Host auf (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Desktop des Testrechners mit Ubuntu Maté im Teamviewer-Client, über den Sie auch chatten oder Daten austauschen können.

Vergesslich

Beim Errechnen der individuellen Teamviewer-ID greift das Programm auf den Inhalt der Datei /etc/machine-id zurück. Diese Datei erstellt Raspbian jedoch bei jedem Neustart per Zufallsgenerator neu [3], wodurch auch Teamviewer Host immer wieder eine neue ID [4] ermittelt. Mit den letzten Updates scheinen die Entwickler dieses Problem jedoch in den Griff bekommen zu haben. Der Bug steht in Raspbian zwar weiterhin offen, doch die Teamviewer-ID bleibt bei einem Neustart erhalten. Sie müssen dazu jedoch im Vorfeld sämtliche Updates einspielen und das System neu starten.

Remote-Desktop

Dabei muss der Hilfesuchende weder Ports weiterleiten noch spezielle Router-Einstellungen treffen: Teamviewer gräbt sich selbst durch abgeschottete Netzwerke, solange eine Internet-Verbindung steht. Die Anwendung passt dabei die Darstellungsqualität an die Bandbreite zwischen Host und Client an.

Bei Bedarf können Sie über Teamviewer auch per Text und Audio chatten sowie Dateien zwischen den Rechnern austauschen. Nutzt der Hilfesuchende einen größeren Bildschirm als Sie, lässt sich die Darstellung auf dem Client skalieren, sodass der komplette Desktop auf den Bildschirm passt.

Teamviewer Host startet automatisch zusammen mit dem System. An das aktuelle Passwort kommen Sie jedoch nur, wie bereits geschildert, nach dem Anmelden und Öffnen der Statusübersicht des Programms. So gelingt es nicht, sich schon im Login-Bildschirm per Teamviewer in das (eventuell per Wake-on-LAN) frisch gestartete System einzuklinken. Für solche Fälle müssen Sie noch ein statisches Passwort festlegen.

Dazu öffnen Sie die TeamViewer Einstellungen über den Punkt Optionen im Kontextmenü (Abbildung 3) und tragen unter Sicherheit | Persönliches Kennwort (für unbeaufsichtigten Zugriff) das gewünschte Passwort ein.

Abbildung 3: Das Teamviewer-Passwort ändert sich spätestens nach einem Neustart. Mit einem persönlichen Kennwort können Sie sich jederzeit anmelden.

Dort bietet es sich auch gleich an, die Regeln für Verbindungen zu diesem Computer zu konfigurieren. Über eine White- oder Blacklist schließen Sie an dieser Stelle Rechner gezielt aus oder erlauben alle Teamviewer-IDs bis auf einzelne. Zudem finden Sie hier eine Option, das Passwort auf acht oder mehr Stellen zu erweitern. Auf diesem Weg lässt sich das System besser gegen unerwünschten Besuch absichern – schließlich startet Teamviewer Host immer automatisch beim Booten des Rechners.

Eine Option zum Deaktivieren des Autostarts fehlt in der grafischen Oberfläche bislang. Sie müssten gegebenenfalls den Teamviewer-Daemon über Systemd oder die in Teamviewer enthaltenen Kommandos starten und stoppen (Listing 2, erste zwei Zeilen) oder den automatischen Start des Diensts gleich ganz deaktivieren (dritte Zeile). Beachten Sie jedoch, dass der Starter im Anwendungsmenü (Anwendungen | Internet | TeamViewer 12 Host) nur bei aktiviertem Hintergrunddienst (vierte Zeile) funktioniert.

Listing 2

 

$ sudo teamviewer daemon stop
$ sudo teamviewer daemon start
$ sudo teamviewer daemon disable
$ sudo teamviewer daemon enable

Für Updates trägt Teamviewer automatisch eine zusätzliche Paketquelle in die Paketverwaltung ein. Die Daten dazu finden Sie in der Datei /etc/apt/sources.list.d/teamviewer.list. So erhalten Sie automatisch immer die aktuellen Updates, wie von Raspbian gewohnt.

Möchten Sie Neuerungen hingegen lieber von Hand einspielen, dann lässt sich die Paketquelle direkt über Teamviewer deaktivieren (Listing 3, erste Zeile) und gegebenenfalls später auch wiederherstellen (zweite Zeile).

Listing 3

 

$ sudo teamviewer repo disable
$ sudo teamviewer repo default

Kein X? Kein Problem!

Teamviewer hilft auch dann weiter, wenn einmal der X-Server oder die Desktop-Umgebung streiken: Bei entsprechender Konfiguration funktioniert der Zugriff auch ohne grafische Oberfläche (Abbildung 4). Auch hier sieht der Helfer das, was der Hilfesuchende auf dem Bildschirm vor sich hat. Die ID erhalten Sie über das Kommando teamviewer id, das Passwort setzen Sie über teamviewer passwd Passwort von Hand. Eine Übersicht aller Befehle und Optionen liefert teamviewer help.

Im Praxistest beendeten wir den Login-Manager der Desktop-Umgebung und starteten das System neu. Über Teamviewer Host funktionierte dann der "kopflose" Login in die virtuelle Konsole des Probanden, sodass sich der X-Server "reparieren" ließ. Auf dem Testsystem öffnete sich beim Starten des Login-Managers umgehend der X-Server, der Teamviewer-Client überlebte den Wechsel. Das Programmfenster zeigte allerdings nur einen schwarzen Bildschirm an. Nach einem Neustart der Verbindung erschien aber auch beim Client der Login-Bildschirm.

Abbildung 4: Nützlich wenn die Desktop-Umgebung oder der X-Server streikt: Mit Teamviewer bekommen Sie auch ohne grafische Oberfläche Zugriff auf das System.

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