Mit Monitorix einen Raspberry Pi überwachen

© Yuriy Klochan, 123RF

Kompletter Status

Sensoren informieren über den Betriebszustand eines RasPi. Mit Monitorix bündeln Sie die Informationen in einer komfortablen Oberfläche.

Serversysteme oder autonome Messstationen bedürfen einer besonders ausgeprägten technischen Überwachung, da ein Ausfall nicht nur erhebliche Probleme verursachen kann, sondern oft bares Geld kostet. Daher stehen für das Monitoring viele Werkzeuge bereit, die einen entsprechenden Rechner stets im Auge behalten und bei Unregelmäßigkeiten Alarm schlagen.

Dank der besseren Ausstattung kommen selbst die neuen Modell des RasPi immer häufiger als Server im LAN zum Einsatz, wobei die Palette inzwischen vom Multimediacenter [1] über die Steuerzentrale für die Heimautomation [2] bis hin zum vollwertigen NAS-System reicht. Es empfiehlt sich daher, die Software des Mini-PCs um eine Monitoring-Applikation zu ergänzen, die jederzeit Auskunft über den Zustand des Systems gibt.

Monitorix

Prinzipiell ließen sich die Betriebsparameter eines RasPi auch komplett über Bordmittel abfragen. Das in Perl geschriebene Monitorix [3], das aus Daemon und einem CGI-Skript besteht, vereinfacht aber gerade wenig erfahrenen Anwendern das Überwachen durch die Ausgabe der Daten auf einer Webseite. Das Projekt steht in direkter Konkurrenz zu Raspcontrol [4], das ebenfalls webbasiert Informationen bereitstellt.

Monitorix ist noch nicht in die Raspbian-Repos eingepflegt, sodass eine manuelle Installation inklusive aller Abhängigkeiten anfällt. Dazu bringen Sie zunächst das System auf den aktuellen Stand (Listing 1, erste Zeile). Anschließend installieren Sie Perl samt integriertem Webserver und aller nötigen Bibliotheken (zweite Zeile). Da das System dabei noch weitere Abhängigkeiten nachzieht, benötigt der Vorgang einige Zeit.

Listing 1

 

$ sudo apt-get update && sudo apt-get dist-upgrade
$ sudo apt-get install rrdtool perl libwww-perl libmailtools-perl libmime-lite-perl librrds-perl libdbi-perl libxml-simple-perl libhttp-server-simple-perl libconfig-general-perl
$ wget http://www.monitorix.org/monitorix_3.9.0-izzy1_all.deb
$ sudo dpkg -i monitorix_3.9.0-izzy1_all.deb
$ sudo apt-get -f install
$ sudo apt-get autoremove
$ sudo service monitorix start

Danach laden Sie das für Debian vorgesehene Monitorix-Paket direkt von der Projektseite [5] herunter (Zeile 3) und installieren es (Zeile 4). Um anschließend fehlende Abhängigkeiten nachzuziehen und defekte Pakete zu entfernen, verwenden Sie den Befehl aus Zeile 5. Die Routine zeigt nach kurzer Zeit an, welche Pakete sie unter Umständen entfernt und wie viel Speicherplatz das freigibt.

Um den auf SD-Karten üblicher Größe stets knapp bemessenen Speicher zu entlasten, deinstallieren Sie dann mit dem Befehl aus Zeile 6 alle nicht mehr benötigten Pakete. Im letzten Schritt starten Sie den Perl-Daemon und das dazugehörige Skript (Zeile 7).

Nun ermitteln Sie mit sudo ifconfig die IP-Adresse des RasPi. Danach öffnen Sie in Raspbian den Webbrowser und geben in dessen Adresszeile die URL http://RasPi-IP:8080/monitorix ein. Alternativ verwenden Sie die Localhost-IP 127.0.0.1 ein.

Die Software geleitet Sie auf eine einfach gestaltete Seite, auf der Sie lediglich festlegen, für welche Zeiträume die Diagramme den Status anzeigen. Zur Auswahl stehen die Intervalle Tag, Woche, Monat und Jahr. Zusätzlich wählen Sie im Feld Graph aus einer in Untergruppen aufgeteilten Liste die Diagramme für die gewünschten Daten aus. Voreingestellt zeigt die Software alle aktiven Sensordiagramme an.

Nach einem Klick auf Ok öffnet sich das Hauptfenster, in dem die Diagramme zur Anzeige der einzelnen Parameter erscheinen (Abbildung 1). Diese reichen von den Daten der Prozessorkerne über den Verbrauch an Arbeitsspeicher und die Bandbreite im Netz bis hin zur Auslastung des Dateisystems. Die Anzahl der aktiven Prozesse sehen Sie als Balkengrafik. Voreingestellt aktualisiert die Software die Daten alle 150 Sekunden.

Abbildung 1: Farbige Graphen geben ausführlich Auskunft über den Zustand des Systems.

Zu jedem Graphen zeigt eine Legende die Datenpunkte. Um einen der Graphen eingehender zu betrachten, rufen Sie mit einem Klick darauf das gewünschte Diagramm in einem eigenen Fenster auf (Abbildung 2). Setzt sich ein Graph aus verschiedenen Datensätzen zusammen, stellt das Programm die jeweiligen Kurven in unterschiedlichen Farben dar.

Abbildung 2: Bei Bedarf vergrößern Sie die Diagramme, um die einzelnen Werte besser zu betrachten.

Konfiguration

Die grafische Anzeige im Browser konfigurieren Sie über die Datei monitorix.conf im Verzeichnis /etc/monitorix/, die Sie mit einem beliebigen Texteditor bearbeiten. Die Optionen unterteilen sich in mehrere Gruppen.

Die ersten Einträge dienen allgemeinen Anpassungen: So definieren Sie hier unter anderem abweichende Pfade für Protokolldateien oder modifizieren die Farben für die Diagramme. Außerdem legen Sie hier die Dauer der Refresh-Intervalle für die Diagramme fest oder schalten die integrierte Zoom-Funktion aus.

Im Block <httpd_builtin> legen Sie Einstellungen zum eingebauten Webserver fest: Hier aktivieren Sie ein Login, falls Sie nicht jedem Anwender Zugriff auf die Daten gewähren möchten; alternativ schließen Sie Hosts vom Zugriff aus.

Von besonderem Interesse ist der weiter unten beginnende Block <graph_enable>, in dem Sie festlegen, zu welchen Kriterien und Komponenten Monitorix Daten auswertet und als Diagramm anzeigt. Die Software kann erheblich mehr Daten abfragen und visualisieren, als ein Webbrowser gleichzeitig anzuzeigen vermag.

Bestimmte Anzeigen allerdings sind auf dem RasPi eher sinnfrei, wie etwa jene zum Dateisystem ZFS oder Nvidia-Grafikkarten. Daher setzen Sie solche Einträge auf n. Die Option raspberrypi dagegen setzen Sie auf y, um die für den Mini-PC spezifischen Daten zu erheben (Abbildung 3).

Abbildung 3: Sie konfigurieren die Monitoring-Software über eine einzige, in mehrere Abschnitte gegliederte Datei, über die Sie unter anderem den Zugriff auf die Daten im Webinterface regeln.

Nach dem (De-)Aktivieren der gewünschten Anzeigen stellen Sie direkt darunter in einem großen Abschnitt die Anordnung und Größe der im Browser eingeblendeten Graphen ein. Dabei erscheinen in den Optionen auch die deaktivierten Anzeigen. Die letzten Abschnitte bieten die Möglichkeit, die Bezeichnungen der Diagramme zu ändern und einige Kombinationen der Farben in der Anzeige anzupassen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit einer speziellen Option überwachen Sie die Sensoren des Raspberry Pi.

Da viele der Möglichkeiten hardwarespezifische Sensoren betreffen, empfiehlt es sich, vor dem Ändern einzelner Parameter die ausführliche Dokumentation zu Rate zu ziehen [6]. Hier finden Sie alle entsprechenden Befehle und deren Ergänzungen erklärt.

Monitorix gestattet das simultane Überwachen mehrerer Systeme. Dazu geben Sie im Abschnitt <multihost> der Konfiguration mehrere IP-Adressen an. Bei Bedarf teilen Sie diese in Gruppen ein, da die Anzeige mit zunehmender Anzahl der Hosts bald unübersichtlich gerät. In diesem Abschnitt haben Sie außerdem die Möglichkeit, die Anzeige der Diagramme auf der Webseite in Spalten zu gruppieren.

Haben Sie alle Modifikationen vorgenommen, so aktivieren Sie nach dem Speichern der Datei die neuen Parameter mithilfe des Kommandos sudo service monitorix restart.

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