Geleakt: Apple steigt in den SBC-Markt ein

© olegdudko, 123RF

Apple Pi(e)

Kneipenbesuche im Silicon Valley bieten nicht nur interessante Gespräche, sondern erlauben manchmal auch Blicke auf Gadgets, die es offiziell noch gar nicht gibt.

Apple, als Technologieführer bekannt und immer für überraschende Innovationen gut, hielt sich im boomenden Segment der Mini-Rechner bisher vornehm zurück. In einem Markt, den die Raspberry Pi Foundation dominiert, in dem sich aber selbst Platzhirsche wie Intel mit dem Compute Stick [1] oder Asus mit seinem Tinker Board [2] versuchen, glänzte der Konzern aus Cupertino bislang mit Abwesenheit. Wenn man unserem Informanten trauen darf, ändert sich das allerdings in Kürze.

Auf ein kleines weißes Kästchen (Abbildung 1) angesprochen, zierte sich der angesprochene Nerd erst etwas, wurde aber nach ein paar weiteren Bieren gesprächiger: Es handle sich dabei um einen ersten Prototyp des zukünftigen RasPi-Killers von Apple, mit dem offiziellen Projektnamen LIRPA.1 für "Lightweight Innovative Raspberry Pi Adversary v1", zu Deutsch etwa: schlanker, innovativer RasPi-Konkurrent. Unter der Hand spreche man in Cupertino aber unverhohlen vom "Apple Pi". Als Betriebssystem diene eine Variante von Apples Betriebssystemen, sinnigerweise P.iOS genannt. Allerdings betonte unser Kontakt, dass sich das noch ändern könne, sobald das Marketing die Sache in die Hand nehme.

Innovation

Interessanterweise fehlt am Apple Pi jedwede physikalische Schnittstelle – Ähnliches versucht Apple ja schon beim iPhone, das inzwischen ohne eine Kopfhörerbuchse daherkommt. Originalton aus Cupertino: "Wir haben den Pi neu erfunden!" Ein fest eingebauter Akku, kontaktlos geladen, sowie alle bekannten Funktechniken seien heute ausreichend. Gesteuert wird der Apple Pi über ein iPhone, wahrscheinlich ab Version 7. Programme lädt der Benutzer, voraussichtlich gegen Gebühren, aus einer speziellen Kategorie von Apples App Store auf den Kleinstrechner.

Abbildung 1: Links im Bild: der zukünftige Apple Pi.

Unseren Einwand, dass gerade die Offenheit und insbesondere die GPIO-Leiste den Reiz des Raspberry Pi ausmachen, ließ der Nerd nicht gelten: GPIOs spricht man beim Apple Pi ebenfalls über Funk an. Dazu gibt es eine extra zu erwerbende Leiste mit Pins – Abbildung 2 zeigt einen sehr frühen Prototyp –, die sich direkt am Einsatzort platzieren lässt; eine interessante Idee, der ein gewisser Charme nicht abzusprechen ist: Der Apple Pi bleibt repräsentativ auf dem Schreibtisch und steuert die Pins über Bluetooth. Freischalten lassen sich die Pins per Kreditkarte im Store – Apple denkt dabei dem Vernehmen nach an ein Abo-Modell, wahlweise auch Pay-per-Use.

Abbildung 2: Ein Prototyp der Remote-GPIOs des Apple Pi.

Die Kosten für einen Apple Pi sollen sich im niedrigen dreistelligen Dollar-Bereich bewegen, O-Ton Apple: "Unsere Kunden kaufen unsere Produkte nicht, obwohl sie teuer sind, sondern weil sie teuer sind." Man müsse sich ja schließlich auch beim Preis von der üblichen SoC-Klasse differenzieren, schließlich gebe es ja auch deutlich teurere Single-Board-Computer als den Raspberry Pi.

Fazit

Inwieweit das Konzept von Apple aufgeht, muss die Zukunft zeigen. Für einen ordentlichen Obstsalat fehlte neben Himbeere, Banane und Orange ja noch ein Apfel-SBC. Apple-typisch wird der Preis für einen Apple Pi jedoch deutlich über dem der Konkurrenz liegen. Die Integration in den goldenen Apfel-Käfig macht das Produkt allerdings für treue Apple-Kunden besonders interessant, schließlich soll sich der Apple Pi nahtlos in die Netzwerkdienste für iOS und MacOS einfügen.

Auch für den Raspberry Pi selbst könnte sich der Einstieg von Apple positiv auswirken: In der Vergangenheit fand die eine oder andere Innovation seitens Apple bereits ihren Weg in die Produkte anderer Hersteller, so stammt zum Beispiel das Common Unix Printing System CUPS oder die Zeroconf-Implementation von Multicast DNS (unter Linux in Form von Avahi) von Apple. Man darf also gespannt sein, wie die Raspberry Pi Foundation auf die neue Herausforderung antwortet. 

Der Autor

Bernhard Bablok (mailto:mail@bablokb.de) arbeitet bei der Allianz Managed&Operations Services SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und neuerdings SBCs.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Editorial 03/2016

    Chefredakteur Jörg Luther gratuliert dem Raspberry Pi zum vierten Geburtstag – und freut sich jetzt schon auf das zehnjährige Jubiläum des Mini-Rechners.

  • Der Raspberry Pi 2 und sein Vorgänger im Vergleich

    Der Raspberry Pi ist ein Welterfolg. Die zweite Generation beseitigt nun viele Schwachpunkte, es bleibt aber trotzdem Raum für weitere Verbesserungen.

  • Raspberry Pi als AirPlay-Server im Heimnetz

    In der Apple-Welt streamt AirPlay Musik oder Videos im Netzwerk auf einen Fernseher oder eine Stereoanlage. Mit ShairPort machen Sie den RasPi fit für AirPlay und damit zum Zentrum Ihrer Stereoanlage.

  • Editorial RPG 03/2015

    Als die Raspberry Pi Foundation das überarbeitete Modell B+ präsentierte, waren durchaus einige RasPi-Fans ein wenig enttäuscht. Die vier USB-Ports und die stabilere Stromversorgung kamen vielen Bastlern gelegen, doch die RasPi-Community wartete sehnlich auf ein Modell mit mehr Leistung. Der unerwartet schnell präsentierte Raspberry Pi 2 versöhnt die Gemeinschaft nun wieder.

  • Editorial 02/2014

     

Aktuelle Ausgabe

12/2017
Schräge Hacks

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 7,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Neues auf der Heft-DVD

    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial eines Mini-PC. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur die neusten Distributionen für den RasPi und Co., sondern gleichzeitig auch die passenden Programme zu den Artikeln.

  • Digitaler Widerstand

  • 3, 2, 1 … los!

    Ein Countdown ist nicht nur in der Raumfahrt sinnvoll. Mit einem Raspberry Pi und etwas Elektronik zählen Sie die Zeit bis zu einem beliebigen Ereignis optisch eindrucksvoll herunter.

  • Blog out of the box

    Das bei Bloggern beliebte CMS Wordpress kommt besonders Einsteigern mit einer einfachen Oberfläche und aktiven Community entgegen. Mit Blog In A Box setzen Sie ein solches Komplettsystem im Handumdrehen auf einem RasPi auf.

  • Angetestet

    Barefootd 1.4.1 leitet Ports und Verbindungen weiter, schlanke OpenSSH-Alternative Dropbear 2017.75, Httpbench 0.2.2 erfasst Webserver-Reaktionszeiten, Mtr 0.92 kombiniert Traceroute und Ping.

  • Öfter mal was Neues?

    Mit dem neuen Raspbian-Release "Stretch" schlägt die Raspberry Pi Foundation überflüssige technische Kapriolen, die einer auf Bildung und Ausbildung fokussierten Organisation schlecht zu Gesicht stehen, findet Chefredakteur Jörg Luther.

  • Aufgeweckt

    Dank der Chat-Plattform Telegram und einem eigenen Chatbot kommunizieren Sie mit dem Mini-PC selbst durch eine Firewall hindurch.

  • Elektropuzzle

    Das Board PiXtend erweitert den RasPi zu einer leistungsfähigen Steuereinheit. Neben dem Komplett-Kit bietet der Hersteller die Platine als Bausatz an, die Lötprofis viel Spaß bereitet und Einsteigern bei den ersten Schritten in der Elektronik-Welt hilft.

  • Nerds only

    Der Nerd-Wecker weckt – und macht gleichzeitig jede Menge Spaß beim Bauen und Anpassen.

  • Hightech-Halloween

    Ein gestandener Bastler zelebriert Halloween mit allerlei technischem Hokuspokus. Der Raspberry Pi liefert dafür die ideale Ausgangsbasis.