Shell-Skripte selbst schreiben (Teil 1)

Tests für die Shell

Das Paket coreutils enthält ein Werkzeug namens Test, um Entscheidungen auf der Basis von Tests zu treffen. Es wertet das Zutreffen bestimmter Bedingungen aus; als Kriterien kommen Vergleiche von Zahlen, Zeichenketten oder Eigenschaften von Objekten im Verzeichnisbaum des Rechners infrage.

Der Befehl kennt zwei unterschiedliche Formen der Syntax. In der Klammerform, die in der Praxis häufig vorkommt, steht die Anweisung innerhalb eckiger Klammern (if [ $? -eq 0 ]). Beachten Sie, dass zwischen der eckigen Klammer und dem Inhalt ein Leerzeichen stehen muss. In der ausgeschriebenen Form fallen die eckigen Klammern weg (if test $? -eq 0).

Der Befehl gibt einen Exit-Code aus. Die 0 steht dabei für "wahr", die 1 für "falsch". Es gibt die Möglichkeit, Ausdrücke zu negieren. Das signalisieren Sie durch ein mit Leerzeichen abgetrenntes, vorangestelltes Ausrufezeichen ([ ! -e Datei ]). Die Tabelle "Test-Varianten" liefert eine Übersicht über die Möglichkeiten des Tools.

Test-Varianten

Ausdruck

Erläuterung

Vergleichen von Zeichenketten

[ "$A" ]

wahr, wenn Variable $A nicht leer ist

[ -z "$A" ]

wahr, wenn Variable $A leer ist

[-n "$A" ]

wahr, wenn die Länge der Zeichenkette in $A nicht 0 beträgt

[ "$A" = "$B" ]

wahr, wenn der Inhalt beider Variablen gleich ist

[ "$A" != "$B" ]

wahr, wenn der Inhalt der beiden Variablen ungleich ist

Vergleichen von ganzen Zahlen

[ $A -eq $B ]

wahr, wenn die Werte gleich sind

[ $A -ne $B ]

wahr, wenn die Werte ungleich sind

[ $A -gt $B ]

wahr, wenn $A größer als $B ist

[ $A -ge $B ]

wahr, wenn $A größer oder gleich $B ist

[ $A -lt $B ]

wahr, wenn $A kleiner als $B ist

[ $A -le $B ]

wahr, wenn $A kleiner oder gleich $B ist

Eigenschaften von Objekten

[ -e Objekt ]

wahr, wenn Objekt existiert

[ -b Objekt ]

wahr, wenn Objekt ein Blockgerät ist

[ -c Objekt ]

wahr, wenn Objekt ein Zeichengerät ist

[ -d Objekt ]

wahr, wenn Objekt ein Verzeichnis ist

[ -f Objekt ]

wahr, wenn Objekt eine Datei ist

[ -g Objekt ]

wahr, wenn für Objekt die Gruppen-ID-Bit gesetzt ist

[ -k Objekt ]

wahr, wenn für Objekt das Sticky-Bit gesetzt ist

[ -u Objekt ]

wahr, wenn für Objekt das UID-Bit gesetzt ist

[ -s Objekt ]

wahr, wenn die Größe von Objekt ungleich 0 ist

[ -p Objekt ]

wahr, wenn Objekt ein FIFO ist

[ -S Objekt ]

wahr, wenn Objekt ein Socket ist

[ -L Objekt ]

wahr, wenn Objekt ein symbolischer Link ist

[ -r Objekt ]

wahr, wenn das Leserecht für Objekt gesetzt ist

[ -w Objekt ]

wahr, wenn das Schreibrecht für Objekt gesetzt ist

[ -x Objekt ]

wahr, wenn das Recht zum Ausführen von Objekt gesetzt ist

[ -O Objekt ]

wahr, wenn der Abfrageprozess den selben Eigentümer aufweist

[ -G Objekt ]

wahr, wenn der Gruppeneintrag von Prozess und Datei übereinstimmen

[ Objekt1 -nt Objekt2 ]

wahr, wenn Objekt1 neuer als Objekt2 ist

[ Objekt1 -ot Objekt2 ]

wahr, wenn Objekt1 älter als Objekt2 ist

[ Objekt1 -ef Objekt2 ]

wahr, wenn Objekt1 und Objekt2 sich auf dasselbe Objekt beziehen

Vergleich von Testausdrücken

[ Ausdruck1 -a Ausdruck2 ]

wahr, wenn Ausdruck1 und Ausdruck2 wahr sind

[ Ausdruck1 -o Ausdruck2 ]

wahr, wenn Ausdruck1 oder Ausdruck2 wahr ist

Fazit

Wer die Möglichkeiten einer Shell wie der Bash voll ausreizt, kommt meist im ersten Anlauf ohne eine weitere Programmiersprache aus. Einfache Abläufe und Abfragen (selbst mit Benutzerinteraktion) sowie komplexe Operationen auf Dateien gelingen ohne zusätzliche Tools. Beim Arbeiten mit den Skripten erleben Sie außerdem die grundlegenden Funktionsprinzipien eines Linux-Systems in Aktion. Das vermittelt wertvolle Aufschlüsse, die Ihnen dann an anderen Stellen weiterhelfen. 

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 8 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Aktuelle Ausgabe

02/2019
Neue Energien

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Scheibchenweise

    Zu den Stärken von Sonic Pi gehört es, mit wenigen Zeilen Code Samples dynamisch auszuwählen und zu zerlegen.

  • Unter Strom

    Für einen kleinen Spannungsmesser wie den INA3221 gibt es viele Einsatzmöglichkeiten. Wir zeigen, wie Sie den flexiblen Baustein richtig verdrahten.

  • Vermittlungsstelle

    Fischertechnik-Modelle bieten sich zum Fernsteuern an. Mit dem Ftduino schlagen Sie die Brücke zwischen dem RasPi und dem Technik-Spielzeug.

  • Durchgeschlängelt

    Mit den M0-Boards steigen Sie unkompliziert in die Welt der Mikrocontroller ein – ganz ohne C-Kenntnisse.

  • Gesiebt und gefiltert

    Filter und Werbeblocker einzurichten ist besonders auf Smartphones aufwendig. Den eBlocker hingegen schließen Sie einfach nur an Ihren Router an.

  • Es werde Licht

    Wollen Sie bei beginnender Dämmerung nicht ständig die Helligkeit der heimischen Beleuchtung nachregeln, überlassen Sie das einfach einem RasPi – der macht es automatisch.

  • Energiekontrolle

    Der Gesetzgeber erschwert das Direktvermarkten von Strom durch technische Hürden: So muss sich die Einspeisung etwa aus der Ferne abschalten lassen. Der RasPi löst das Problem.

  • H<->2<->-Power

    Gilt es, Energie aus einer regenerativen Quelle zu speichern, erweist sich die Kombi aus einer Brennstoffzelle und dem RasPi als ideale Lösung.

  • Kleine Wolke

    Lokale Cloud-Lösungen im Heimnetz finden immer mehr Nutzer. Mit dem RasPi und Seafile haben Sie eine Lösung zur Hand, die selbst professionellen Ansprüchen genügt.

  • Planvoll verdrahtet

    Die Leiterplattendesign-Software KiCad leistet trotz einer etwas umständlichen Bedienung auch Hobbybastlern gute Dienste.