(Open)Suse auf dem RasPi 3

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Das Chamäleon wagt den Sprung auf den Raspberry Pi: Mit SLES 12SP2 und OpenSuse Leap 42.2 offerieren die Nürnberger gleich mehrere Spielarten für den 64-Bit-Modus der RasPi-3-CPU.

In atemberaubendem Tempo eroberte der Raspberry Pi die Herzen – nicht nur von Bastlern. Selbst ohne die Klone und Nachbauten gibt es inzwischen bis zu sieben verschiedene Varianten der ARM-Zwerge, wobei der Fachhandel aber nicht mehr alle davon führt.

Im Raspberry Pi 3 kommt erstmals eine 64-Bit-CPU zum Einsatz, was einige neue Optionen eröffnet. Dazu zählen unter anderem die quasi-native Unterstützung der Architektur durch den Linux-Vanilla-Kernel, also das unveränderte Original. Auch die großen Enterprise-Distributionen der x86-Welt, etwa Suse, fahren nach und nach die 32-Bit-Unterstützung zurück und stellen ihre Systeme nur noch für die 64-Bit-Architektur bereit.

Vorbereitungen

Der Linux-Distributor aus Nürnberg veröffentlichte im Rahmen der eigenen Hauskonferenz SuseCon [1] sein aktuelles Server-Produkt SLES 12SP2 [2] für den Raspberry Pi 3. Damit keine Zweifel am Engagement für den ARM-Zwerg aufkommen, erhielt jeder Konferenzteilnehmer die passende Hardware sowie eine 1-Jahres-Testversion von SLES geschenkt (Abbildung 1). Einen Monat später veröffentlichte die OpenSuse-Gemeinde [3] das Heimanwender-Pendant [4] in Form von Leap 42.2 [5], das die Quellen von Suse Linux Enterprise (SLE) verwendet.

Abbildung 1: Auf der SuseCon bekam man den Raspberry Pi 3 mit Suse-Logo und dem Aktivierungscode für eine SLES-Teststellung geschenkt.

OpenSuse Leap steht in verschiedenen Versionen auf den Servern des Projekts zum Herunterladen bereit [6], alternativ finden Sie die zur Drucklegung aktuellen Varianten auf der Heft-DVD. Die Abbilder unterscheiden sich hinsichtlich des Paketumfangs und der Window-Manager. Minimalisten empfehlen wir die JeOS-Variante ("Just enough Operating System"). Wer es lieber grafisch mag, wählt zwischen dem Klassiker X11, XFCE, LXQt oder Enlightenment E20.

Im Falle von SLES gestaltet sich der Weg etwas steiniger: Sie benötigen dafür einen Account im Suse Customer Center [7]. Damit erhalten Sie Zugriff auf die Software (Abbildung 2) und Updates für ein Jahr. Dafür benötigen Sie einen Code, den Sie beim Herunterladen der Distribution erhalten. Danach findet das fast 1 GByte große Abbild seinen Weg auf den heimischen Datenträger. Nach dem Entpacken folgt das übliche Prozedere, um es auf eine mindestens 8 GByte große Micro-SD-Karte zu kopieren [8].

Abbildung 2: Um SLES für den RasPi herunterzuladen, benötigen Sie einen Account beim Suse Customer Center. Um Updates zu beziehen, müssen Sie das System registrieren.

In den Tests gab es ein paar Probleme mit einer per USB-Bluetooth-Adapter angeschlossenen Tastatur. Im Bootmenü funktionierte diese noch tadellos, bei aktiviertem Kernel aber nicht mehr. Bis zur Drucklegung dieses Artikels lag dafür noch keine befriedigende Lösung vor. Das Verwenden einer normalen USB-Tastatur funktionierte problemlos. Der weitere Verlauf der Installation beziehungsweise Konfiguration ging frei von Überraschungen über die Bühne.

Da der RasPi deutlich weniger Leistung bietet als ein typischer Server aus der x86-Welt, gab es während der Installation immer wieder kleine "Ruckler". Das lässt sich verzeihen, wenn man bedenkt, dass hier immerhin eine ausgewachsene Server-Distribution auf dem ARM-Zwerg läuft. In diesem Kontext lassen sich sowohl die Installation und auch die spätere Bedienung durchaus als ausgesprochen flüssig bezeichnen. Auch die Konfiguration des integrierten WLAN-Adapters funktionierte vollkommen problemlos. Wie Sie SLES für Updates freischalten, zeigt der Kasten "Updates per Abo".

Updates per Abo

Im Enterprise-Umfeld von Linux ist es üblich, die Verträge für Wartung und Betriebsunterstützung über Software-Abos beziehungsweise Subskriptionen zu verwalten. Im einfachsten Fall erfordert dies ein Registrieren des Linux-Systems beim Dienstleister. Größere IT-Umgebungen benutzen nicht selten Proxy- oder Spiegel-Lösungen. Prinzipiell funktioniert das Registrieren eines RasPi-SLES analog zu den üblichen Enterprise-Instanzen aus dem Hause Suse.

Im Suse Customer Center öffnen Sie den Menüpunkt Manually activate subscriptions, wählen dort Activate a single subscription by entering the registration code und geben den Code ein. Nun müssen Sie noch den AGB zustimmen, um das Software-Abo freizuschalten, und können dann das SLES-System beim SCC registrieren. Das erledigen Sie wahlweise bereits während der Installation oder auch erst später mit dem Befehl aus Listing 1. Updates bietet Suse bislang nur für 365 Tage an – was danach passiert, ist derzeit noch unklar.

Listing 1

 

# SUSEConnect -r MYACTIVATECODE -e janedoe@beispiel.de
Registered SLES_RPI 12.2 aarch64
To server: https://scc.suse.com
Using E-Mail: janedoe@beispiel.de

RasPi-SLES im Detail

Im laufenden Betrieb verhält sich SLES auf dem Raspberry Pi nicht anders als auf x86-Maschinen. Nach dem Registrieren lassen sich Software-Aktualisierungen für 365 Tage automatisch oder manuell herunterladen und installieren (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ein im SCC registriertes RasPi-SLES-System bekommt Software-Aktualisierungen frei Haus geliefert.

Ein besonderes Schmankerl des ARM-Chamäleons bietet das Setup zum Starten des Systems. Im Gegensatz zur offiziellen RasPi-Distribution Raspian startet Suse den Linux-Kernel nicht direkt. Wie aus der x86-Welt bekannt, kommt Grub in der UEFI-Variante zum Einsatz, beim Hochfahren erscheint sogar die Meldung Secure Boot is enabled. Verschiedene Tests zur Laufzeit des Systems bekräftigen diese Aussage aber nicht: Weder die benötigten EFI-Dateien noch die Kernel weisen die obligatorischen Signaturen auf. Das Initiieren der UEFI-Umgebung übernimmt der Universal Boot Loader U-Boot [9]. Laut Aussagen von Suse-Entwicklern war es ein gehöriges Stück Arbeit, diese Kombination [10] zum Laufen zu bekommen.

Die Früchte dieser Leistung bilden das Fundament für eine weitere Besonderheit von Suse im Vergleich zu einigen anderen RasPi-Distributionen: den Betriebssystemkern. SLES verwendet hier dieselben Quellen wie die Verwandten in den anderen Architekturen, den sogenannten Vanilla-Kernel. Das bedeutet, dass die Pflege eines RasPi-spezifischen Kernels komplett entfällt. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Alle Prozesse, Methoden und Techniken für die Pflege, Wartung, Bereitstellung und das Testen von Enterprise-Kernen aus dem Hause Suse lassen sich 1:1 verwenden. Auf der Schattenseite findet man höchstens die limitierte Unterstützung von proprietären Protokollen oder Technologie-Implementierungen.

Der Rest der SLES-Geschichte auf dem ARM-Zwerg ist schnell erzählt. Als Dateisystem kommt der SLES-Standard Btrfs zum Einsatz. Um die Leistung zu steigern, aktiviert Suse hier die Funktion Kompression (siehe Listing 2).

Listing 2

 

# mount |grep mmc
/dev/mmcblk0p3 on / type btrfs (rw,noatime,compress=lzo,ssd,space_cache,subvolid=257,subvol=/@)
/dev/mmcblk0p2 on /boot type ext3 (rw,relatime,data=ordered)
/dev/mmcblk0p1 on /boot/efi type vfat (rw,relatime,fmask=0022,dmask=0022,codepage=437,iocharset=iso8859-1,shortname=mixed,errors=remount-ro)

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