Die neue Version des Raspbian Netinstallers

© Konstantin Sutyagin, 123RF

Nachgelegt

Weg von der Stangenware hin zum maßgeschneiderten System: Dank des Raspbian-Netinstallers stellt das kein Problem dar – bislang allerdings nur für die älteren Raspberry-Pi-Generationen. Das ändert der neue Fork des Tools.

Die Standardversion von Raspbian besteht aus einem großen, fertig installierten und vorkonfiguriertem Abbild auf einer SD-Karte. Es genügt also, das Image auf eine physische SD-Card zu kopieren, um ein betriebsbereites System zu erhalten. Wer ein schlankes, individuell zusammengestelltes System benötigt, der greift stattdessen zum Netinstaller: Der installiert das System wie von einem normalen Debian gewohnt. Dafür lädt ein Minimalsystem nach dem Booten alle benötigten Bestandteile aus dem Netz nach.

Die Raspberry Pi Foundation unterstützt dieses Verfahren zwar nicht offiziell, doch hat sich ein Projekt [1] der Herausforderung gestellt und eine Lösung für die ersten beiden RasPi-Generationen erarbeitet. Der Artikel "Maßgeschneidert" [2] aus Ausgabe 06/2016 des Raspberry Pi Geek erklärte das Verfahren im Detail – er liegt als PDF auch auf der Heft-DVD bei, sodass Sie ihn bequem nachlesen können.

Weil aber das ursprüngliche Projekt noch Monate nach Erscheinen des Raspberry Pi 3 keine Unterstützung für das neue Modell anbot, forkten Entwickler das Projekt [3] und bieten nun auch die Unterstützung für den aktuellen RasPi 3 an. Inzwischen nahm das Projekt gewaltig an Fahrt auf und bohrte die gesamte Funktionalität des Installers auf. Allerdings gestalten sich die Änderungen überschaubar: Wer den alten Installer kennt, kommt nach kurzer Umgewöhnung auch mit dem neuen zurecht.

Defizite des alten Installers

Als Hauptdefizit des alten Projekts stach die fehlende RasPi-3-Unterstützung ins Auge. Allerdings konnte der ursprüngliche Installer auch nur über Ethernet installieren, WLAN blieb außen vor. Nach der Installation war das System nur rudimentär konfiguriert; insbesondere die in der Vorgabe amerikanische Tastaturbelegung erwies sich im im Alltag oft als hinderlich.

Ein weiterer Schwachpunkt waren verstreute Konfigurationsdateien. Ein paar Dateien lagen im Wurzelverzeichnis der SD-Karte, andere dagegen in einem Unterverzeichnis namens config/. Wer sein System automatisch bauen wollte, der musste genau aufpassen, was es wohin zu kopieren galt.

Schon der alte Installer unterstützte eigene Dateien, die er nach der Installation ins System kopierte – allerdings fiel die Handhabung unnötig kompliziert aus. Zwar funktionierte das System wie erwartet, doch zeigen diese Punkte ein eindeutiges Verbesserungspotenzial.

Was sich änderte

Mit der Version 1.5 des Installers liegen nun alle Konfigurationsdateien unterhalb von raspberrypi-ua-netinst/config/ (Abbildung 1). Innerhalb von config/ befindet sich die zentrale Konfigurationsdatei installer-config.txt sowie die Datei post-install.txt für die Nacharbeiten nach der Installation.

Abbildung 1: Die bei Netinstaller 1.5 im Vergleich zum Vorgänger aufgeräumtere Verzeichnisstruktur für Benutzerdateien erleichtert die spätere Bedienung.

Die eigenen Dateien finden sich jetzt in config/files/root/, es gibt also eine zusätzliche Verzeichnisebene root/. Beliebig benannte "*.list"-Dateien in config/files/ steuern die Installation. Das Dateiformat ist identisch zur alten Version, aber jetzt erfolgt die Installation automatisch. In der Praxis erweist sich dieses Feature als Fluch und Segen zugleich: Einerseits müssen Sie sich nicht mehr selbst in der post-install.txt darum kümmern, andererseits geht etwas an Flexibilität verloren – es gibt kein programmgesteuertes Kopieren mehr.

Dafür gestaltet sich das Erstellen eines eigenen Installationsabbilds sehr einfach. Dem Skript in Listing 1 übergeben Sie ein Verzeichnis, das als Quelle dient und selbst das Unterverzeichnis config/ enthält. Nach wenigen Minuten ist der Netinstaller heruntergeladen und Ihre Dateien integriert. Das entstandene Image praktizieren Sie anschließend wie gewohnt per Dd auf die SD-Karte. Für das Skript benötigen Sie die Tools wget, kpartx und bunzip2, die Sie gegebenenfalls über die Paketverwaltung einspielen. Sie finden das Skript auch auf der Heft-DVD.

Listing 1

 

#!/bin/bash
# Verzeichnis mit eigenen Dateien -- muss config/ enthalten
SRC_DIR="$1"
# Einstellungen -- gegebenenfalls Versionsnummer ändern
NETINST_VERSION="v1.5.0"
NETINST_SRC="https://github.com/FooDeas/raspberrypi-ua-netinst/releases/download/${NETINST_VERSION}/raspberrypi-ua-netinst-${NETINST_VERSION}.img.bz2"
NET_IMG="netinstall-${NETINST_VERSION}.img.bz2"
IMG="mypi.img"
# Image herunterladen und entpacken
rm -f "$IMG"
[ ! -f "$NET_IMG" ] && wget -O "$NET_IMG" "$NETINST_SRC"
bunzip2 -c "$NET_IMG" > "$IMG"
# Erste Partition des Images einhängen
modprobe loop
kpartx -va "${IMG}"
partprobe
mount /dev/mapper/loop0p1 /mnt
# Eigene Dateien kopieren
cp -a --no-preserve=ownership "$SRC_DIR/config" /mnt/raspberrypi-ua-netinst
# Aufräumen (Aushängen, Loop freigeben)
umount /mnt
kpartx -vd "${IMG}"
echo "Netinstaller-Image $IMG erstellt. Wie üblich auf SD-Karte kopieren."

Neben den (überwiegend kosmetischen) Änderungen am Speicherort der Dateien gibt es eine ganze Reihe von zusätzlichen Konfigurationsoptionen. Diese betreffen zum Beispiel die Lokalisierung sowie die Hardware-Konfiguration. Das Ein- und Ausschalten von Features übernimmt die config.txt. Auch ein normales Benutzerkonto lässt sich jetzt schon bei der Installation anlegen, wahlweise auch mit Sudo-Rechten. Damit rückt das Ziel sehr viel näher, ein weitgehend fertig installiertes System zu erstellen.

Die Installation selbst funktioniert jetzt auch über ein drahtloses Netzwerk, sofern Sie das in der installer-config.txt entsprechend vermerken (Listing 2). Und zu guter Letzt: Die Installation geht schneller vonstatten. Während sich der Netinstaller in Version 1.4.1 bei einem Test des Autors noch 32 Minuten Zeit ließ, erledigte das Release 1.5 dieselbe Aufgabe in 25 Minuten. Das macht einen Unterschied von fast 25 Prozent aus. Da die Installationsgeschwindigkeit aber maßgeblich von der Geschwindigkeit der SD-Karte abhängt, profitiert nicht jeder von diesem Vorteil.

Listing 2

 

ifname=wlan0
wlan_country=DE
wlan_ssid=MeineNetzSSID
wlan_psk=Mein_Passwort

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