Der webbasierte Audioplayer Volumio 2.0

© Steven Heap, 123RF

Abgespielt

Mit Volumio und einem Raspberry Pi rüsten Sie jede Stereoanlage mit "smarten" Funktionen auf. Ob es ums Abspielen von MP3s geht, um das Streaming von Spotify oder die Steuerung per Smartphone: In Kombination mit dem RasPi-Touchscreen toppt Volumio viele kommerzielle Lösungen.

Das gute alte Dampfradio hat schon seit Jahren ausgedient: Heute muss ein Radio DAB/DAB+ empfangen können und internetfähig sein, um Musik von Spotify und Co. zu streamen. Oft kranken die von den ehemaligen Audio-Granden wie Sony oder Panasonic erdachten Geräte jedoch an einer arg umständlichen Bedienung. Internetradios mit großen Displays und präzise arbeitenden Touchscreens gibt es so gut wie gar nicht. Spaß kommt daher in der Regel nur dann auf, wenn man das Radio mit einer Handy- oder Tablet-App steuert. In dieser Kategorie machen Netzwerklautsprecher wie die von Sonos oder Raumfeld hohe Umsätze.

Nun stehen in vielen Wohnzimmer immer noch klassische Hi-Fi-Anlagen – ohne Display und Netzwerkanschluss, dafür mit hervorragendem Sound, den man vor Jahren noch teuer bezahlen musste. Wer nun seinen edlen Verstärker nicht gegen aktuelle Technik tauschen möchte, der findet in der Jukebox-Distribution Volumio [1] eine komfortable und elegante Upgrade-Lösung. Die auf Basis eines Linux-Systems leicht einzurichtende Software macht jedes Radio und jede Stereoanlage mit Line-In zum "Smart-Radio" mit Netzwerkzugang und Spotify-Anbindung. In Kombination mit einem Raspberry Pi und dem originalen RasPi-Touchscreen überzeugt die Lösung dabei durch Bedienkomfort und Eleganz.

Volumio 2.0

Raspberry Pi Geek warf bereits 2014 einen ausführlichen Blick auf Volumio, damals im Rahmen eines Vergleichstest zwischen drei verschiedenen Jukebox-Distributionen für den Raspberry Pi [2]. Mit Volumio 2 steht seit Ende des vergangenen Jahres eine wesentlich überarbeitete Version bereit, die diverse Neuerungen mitbringt und zahlreiche Fehler beseitigt [3]. So gibt es im Vergleich zu den ersten Ausgaben der Software eine Plugin-Schnittstelle, eine Hotspot-Funktion sowie eine überarbeitete Oberfläche.

Volumio 2.0 für den Raspberry Pi basiert auf dem aktuellen Raspbian "Jessie". Neben dem RasPi unterstützt Volumio auch andere Single-Board-Computer wie den Odroid-C1/C2 und den Cubox-i. Zudem gibt es ein Image für klassische Intel-PCs, das Debian als Unterbau nutzt. Das Volumio-Image schreiben Sie wie von Raspbian gewohnt auf eine Speicherkarte und booten den RasPi davon. Die Karte sollte mindestens 4 GByte Platz bieten; soll sie auch noch Teile oder gleich Ihre komplette Musiksammlung beherbergen, müssen Sie das entsprechend einkalkulieren.

Nach der Installation und dem ersten Start öffnen Sie über einen anderen Rechner (oder ein Smartphone) die Weboberfläche des Volumio-RasPi. Die lässt sich von Apple-Rechnern und den meisten Linux-Systemen aus über die URL http://volumio.local oder direkt über die IP-Adresse des Raspberry Pi erreichen.

Da Volumio diese während des Bootvorgangs nicht explizit auf dem Bildschirm anzeigt, müssen Sie sie aus der Konfigurationsoberfläche Ihres WLAN-Routers auslesen oder mit einem Netzwerkscanner ermitteln, etwa mit Fing für Android [4]. Linux-Anwendern bietet sich noch der Weg über einen Arp-Scan an (Listing 1). Das gleichnamige Programm dazu installieren Sie gegebenenfalls über die Paketverwaltung der verwendeten Distribution nach.

Listing 1

 

$ sudo arp-scan --localnet | grep Raspberry
192.168.111.195 b8:27:eb:66:ab:44   Raspberry Pi Foundation

Ohne Bild

Falls Sie den Volumio-RasPi an einen Monitor angeschlossen haben, sehen Sie direkt nach der Installation nur einen Login-Prompt. In der Grundkonfiguration richtet sich Volumio an Nutzer, die den Audioplayer über das Netzwerk steuern möchten. Eine grafische Schnittstelle lässt sich allerdings später beim Einrichten der Software leicht nachinstallieren.

Oberflächlich

Die wichtigsten Funktionen der Weboberfläche dürften sich von selbst erklären (Abbildung 1): Oben finden Sie die Schaltflächen für Play/Pause, daneben springen Sie zum nächsten beziehungsweise vorherigen Titel in der Playlist. Darunter sehen Sie den Namen des aktuellen Titels und Albums. Die großen Kreisdiagramme dienen links als Fortschrittsbalken zum Springen an eine beliebige Stelle des aktuellen Lieds und rechts als Lautstärkeregler.

Abbildung 1: Volumio richten Sie anfangs über das in einen Webbrowser geladene Webfrontend ein.

Im ersten Schritt sollten Sie Volumio auf Deutsch umstellen. Öffnen Sie dazu im Webfrontend in der rechten Ecke über das Zahnrad-Icon die Seitenleiste und dort den Eintrag Appearance. Über den Menüpunkt Select Language wählen Sie dann German als Sprache aus. Der Webbrowser baut nach einem Klick auf Save automatisch die Seite in der gewählten Sprache neu auf. Daneben lassen sich in diesem Dialog noch verschiedene Hintergründe und Farben für die Weboberfläche bestimmen.

SSH-Zugang

Aufgrund des vollwertigen Linux-Unterbaus bringt Volumio von Haus aus einen SSH-Server mit, sodass Sie sich im System über das Netzwerk einloggen können. Dazu tippen Sie auf der Kommandozeile ssh volumio@volumio.local (oder alternativ die entsprechende IP). Dabei lauten sowohl das Passwort als auch das Login volumio. Der Root-Account ist wie bei anderen Linux-Distributionen deaktiviert; administrative Rechte holen Sie sich, indem Sie einem Kommando sudo voranstellen.

Kommandozeile

Für den Fall, dass Sie Volumio über Skripte steuern möchten, bietet das Programm eine Kommandozeilenschnittstelle an. Über auf dem Volumio-Rechner ausgeführte Befehle wie etwa volumio pause oder volumio volume 50 sprechen Sie den Player ohne einen Web- oder MPD-Client an. Loggen Sie sich dazu per SSH mit automatisierter Authentifizierung über Public-Keys auf dem Volumio-System ein. Eine Übersicht über alle Kommandos erhalten Sie mittels volumio --help.

Musik füllen Sie am einfachsten über ein mit MP3-Dateien beladenes USB-Speichermedium ein. Neben MP3 unterstützt Volumio auch die Formate FLAC, WAV, AAC, ALAC sowie PLS. Die Jukebox-Software bindet das Medium automatisch ein. Sie erreichen Ihre Musik mit einem Klick auf Durchsuchen im Hauptfenster und dann im Menü unter Musikbibliothek | USB. Alternativ laden Sie über Samba (Windows-Nutzern besser unter dem Namen Netzwerkfreigabe bekannt) Daten direkt auf den Speicher des Volumio-RasPi. Die URL dafür lautet http://smb://volumio beziehungsweise http://\\volumio unter Windows.

Aufgrund des mageren Netzwerkdurchsatzes des RasPi-Interfaces – das Netzwerkmodul muss sich mit den USB-Ports eine interne USB-Schnittstelle teilen – nimmt der Transfer größerer Musiksammlungen viel Zeit in Anspruch. Ungeduldige sollten daher besser gleich den RasPi vom Strom abklemmen, die Speicherkarte aus dem Gerät nehmen und am PC mit einem Kartenleser auslesen. Nach neuen Titeln sucht Volumio auf dem Laufwerk volumio_data im Ordner /dyn/data/INTERNAL/. Da die entsprechende Partition das Linux-Dateisystem Ext4 nutzt, müssen Sie unter Windows mit Ext2Fsd [5] einen Treiber dafür installieren.

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