Renovierte GUI für Raspbian

© Computec Media GmbH

Pixelmania

PIXEL wertet den LXDE-Desktop von Raspbian mit neuen Icons, Hintergrundbildern und Fensterdekorationen zu einem runderen Desktop-Gesamtbild auf.

Nicht nur Google nennt seine besten Chromebooks und zuletzt auch die Nachfolger der Nexus-Smartphone-Reihe "Pixel": Auch die Raspberry Pi Foundation taufte den Desktop ihrer von Grund auf renovierten Standarddistribution Raspbian auf den Namen PIXEL. Raspbian, die Debian-Variante für den Raspberry Pi, gilt als die Vorzeige-Distribution der Stiftung um den kleinen Rechner.

Besonders vorzeigbar war Raspbian mit LXDE als Desktop-Umgebung im Vergleich mit der Konkurrenz in der Vergangenheit allerdings nicht – da fallen eher Begriffe wie "lieblos" oder "zweckorientiert". Das hat auch die Raspberry Pi Foundation erkannt und die Oberfläche unlängst einer durchgreifenden Überarbeitung unterzogen. Wir werfen nach der Renovierung einen Blick auf die alte Dame Debian im neuen Gewand für den Raspberry Pi.

Neu gepixelt

Der neue Desktop, der weiter auf dem bisher schon verwendeten LXDE basiert, heißt PIXEL. Das Kürzel soll für Pi**Improved X-Window Environment, Lightweight stehen. Neben einigen neuen Anwendungen und Einstellungen stand hauptsächlich das Aussehen des Desktops im Fokus der Arbeiten. Eben Upton von der Raspberry Pi Foundation lud dazu vor zwei Jahren den Usability-Experten Simon Long ein. Der hatte zwar bis dahin nach eigenen Angaben kaum Linux-Erfahrung, nahm aber dennoch die Herausforderung an und legte kürzlich die Ergebnisse seiner Arbeit vor. Die können sich durchaus sehen lassen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Raspbian-Desktop vor (oben) und nach (unten) der Renovierung.

Das Raspbian-PIXEL-Image, das wir uns hier ansehen, finden Sie auf der Webseite der Raspberry Pi Foundation [1] (achten Sie auf den Zusatz PIXEL im Namen) und auch auf der Heft-DVD dieser Ausgabe. Die Abbilddatei hat als ZIP-Archiv eine Download-Größe von 1,4 GByte, nach dem Auspacken belegt das Image gut 4 GByte Platz auf dem Massenspeicher. Das bedeutet, dass Sie eine SD-Karte mit mindestens 8 GByte zum Betrieb benötigen. Alternativ richten Sie Raspbian PIXEL via NOOBS [2] ein.

Nach dem Auspacken übertragen Sie das Image auf die SD-Karte. Unter Windows erledigen Sie das beispielsweise mithilfe des Win32 Disk Imager. Unter Linux gibt es einige Anwendungen wie zum Beispiel Etcher, die über ein grafisches Interface das Image auf die SD-Karte befördern. Versierte Linux-Anwender dürften eher das Kommandozeilenwerkzeug Dd bevorzugen. Die Webseite der Raspberry Pi Foundation bietet für verschiedene Betriebssysteme eine Anleitung [3] an.

Aktualisieren statt neu aufspielen

Betreiben Sie ein bereits installiertes Raspbian auf einer mindestens 8 GByte fassenden SD-Karte, so können Sie es auch per apt update und apt dist-upgrade auf die neue PIXEL-Oberfläche aktualisieren. Bei einem entsprechenden Test mit der Vorgängerversion vom Mai 2016 lud das System dazu allerdings rund 300 MByte Daten herunter und aktualisierte nicht weniger als 170 Pakete – das dauert eine ganze Weile. Beim Umstellen auf die neue Version sichert die Aktualisierungsroutine alle Änderungen, die Sie eventuell an Konfigurationsdateien vorgenommen hatten, im Verzeichnis /home/pi/oldconffiles.

Versteckte Bootmeldungen

Sobald Sie das Abbild erfolgreich auf die SD-Karte übertragen haben, stecken Sie diese in den Raspberry Pi 2 oder 3 und booten den Mini-Rechner, indem Sie ihn an die Stromversorgung anschließen. Beim Start von Raspbian bemerken Sie bereits die ersten Änderungen. Rauschten bisher immer die Bootmeldungen des startenden Systems an Ihnen vorbei, so verdeckt jetzt der Bootsplash Plymouth alle Meldungen.

Diesbezüglich darf man durchaus geteilter Meinung sein: Erfahrene Linux-Anwender bevorzugen sicherlich die Anzeige der Bootmeldungen, da man hier im Fall eines Fehlers bereits Schlüsse auf dessen Ursache ziehen kann. Wie Sie Plymouth gegebenenfalls deaktivieren, um wieder in den Genuss der Meldungen zu gelangen, fasst der Kasten "Plymouth abschalten" zusammen.

Bevor nun der grafische Modus startet, informiert das System Sie kurz darüber, dass es die Partition auf der SD-Karte erweitert. Das mussten Sie früher manuell im Konfigurationsdialog Raspi-Config anstoßen. Anschließend begrüßt Sie die neue Oberfläche mit dem Hintergrundbild einer Straße, die sich in der Ferne verliert. Insgesamt bringt PIXEL 16 recht ansehnliche Desktop-Hintergründe mit, aus denen Sie nach einem Rechtsklick auf den Desktop auswählen dürfen, indem Sie Desktop Preferences anklicken.

Plymouth abschalten

Sie schalten den Bootsplash Plymouth bei Bedarf ab, indem Sie in der Datei /etc/default/grub in der Zeile GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT= die Parameter "quiet splash" durch den Schalter "noplymouth" ersetzen. Nachdem Sie die geänderte Datei abgespeichert haben, rufen Sie auf der Kommandozeile den Befehl sudo update grub auf, um dem Bootmanager die neue Konfiguration bekannt zu machen. Beim nächsten Hochfahren lassen sich die Bootmeldungen dann wieder lesen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Raspbian lässt in Zukunft den SSH-Server aus

    Schwachstellen in Routern, Webcams und anderen Geräten aus dem Internet der Dinge reißen schnell Lücken ins heimische Netz. Die Raspberry Pi Foundation reagiert auf diese Bedrohung und sichert Raspbian besser gegen Angriffe ab.

  • SSH und WLAN schon bei der Installation konfigurieren

    Möchten Sie einen RasPi als "kopflosen" Server betreiben, brauchen Sie selbst für die Installation nicht unbedingt Monitor, Maus und Keyboard. SSH und WLAN konfigurieren Sie direkt nach dem Schreiben der Image-Datei auf die Speicherkarte.

  • Die wichtigsten Neuerungen in Raspbian "Jessie"

    In den aktuellen Releases basiert Raspian, das Standardbetriebssystem des Raspberry Pi, erstmals auf der aktuellsten Debian-Version 8 "Jessie" und bringt interessante Neuerungen mit, etwa die IoT-Applikation Node-RED.

  • Mit PiShrink RasPi-Images platzsparend schrumpfen

    PiShrink entlüftet RasPi-Images für ein platzsparendes Backup und passt die Partitionsgröße beim Zurückspielen automatisch wieder an.

  • Heft-DVD 02/2016

    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial des Raspberry Pi. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur die neusten Distributionen für den Mini-PC, sondern gleichzeitig auch die passenden Programme zu den Artikeln.

Aktuelle Ausgabe

10/2019
Raspberry Pi 4B

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Sonnige Zeiten

    UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar, was sie umso gefährlicher macht. Die Höhe der tatsächlichen Belastung verrät Ihnen das Selbstbauprojekt UV-Sensor.

  • Gut verpackt

    Für das Ansteuern kleiner Displays gibt es keine Programme von der Stange. Mit Python und einer Pygame-Bibliothek erstellen Sie trotzdem im Handumdrehen Anwendungen.

  • Macro-Mini-Micro-Bit

    Was dem Raspberry Pi für die Computerwelt gelungen ist, versucht der BBC Micro:bit für Mikrocontroller zu wiederholen. Das für Schüler entwickelte Kit hilft beim Einstieg in die hardwarenahe Programmierung.

  • Vorhang auf

    Mit dem modernen Video-Codec HEVC (H.265) erstellte Filme spielen bisherige RasPi-Modelle oft nur ruckelnd ab. Wir testen, ob der neue Raspberry Pi 4B das besser kann.

  • Überraschung!

    Eine optimierte Architektur und mehr RAM beschleunigen den RasPi 4B deutlich. Wir prüfen, wie gut sich der Neuling als Desktop-Rechner schlägt.

  • Durchgestartet

    Ein Stresstest zeigt, wie sich der neue Raspberry Pi 4 Modell B gegenüber den älteren Modellen abhebt.

  • Vierte Generation

    Eine schnellere CPU, USB 3.0 und Gigabit-Ethernet sind nur die Highlights des Raspberry Pi 4B: Das Board bringt viele weitere Neuerungen mit.

  • Tiefenmesser

    Um die Pumpe in einem Brunnenschacht möglichst genau zu positionieren, brauchen Sie dessen Tiefe. Die ermitteln Sie mithilfe eines präzisen Messgeräts aus einem Luftdrucksensor und einem Mikrocontroller.

  • Faktencheck

    Das via DVB-T2 ausgestrahlte Digital-TV liefert Bilder in HD-Qualität. Der dabei eingesetzte H.265-Standard überfordert allerdings kleine Mini-Rechner wie den Raspberry Pi – oder geht es doch?

  • Zugriff von außen

    React Native erlaubt es, Apps mit wenigen Zeilen Code zu programmieren. Mit einem entsprechenden Server sprechen Sie so den RasPi vom Smartphone aus an.