9-Dollar-Chip von Next Thing ausprobiert

Satter Strombedarf

Während der Benchmarks haben wir beim Chip bei einer Spannung von 5,14 Volt einen Strombedarf von rund 500 Milliampere gemessen. Der Raspberry Pi 3 benötigt unter Volllast 580 mA, betreibt damit aber vier Kerne statt nur einen. Im Idle-Betrieb bei aktivem WLAN zieht der Chip immer noch 300 bis 350 mA und liegt auch damit nicht weit vom RasPi 3 entfernt. Zum Vergleich: Der funklose Raspberry Pi Zero mit seiner 1-Kern-CPU begnügt sich mit 90 bis 230 mA.

Ohne intensive CPU-Nutzung nahmen wir auch einen Laufzeittest mit einem 1000-mAh-Akku vor (Abbildung 5). Mit dem verwendeten LiPo-Akku hielt der Chip ziemlich genau zwei Stunden durch. Dabei gilt es zu beachten, dass der Next-Thing-SBC bei Untätigkeit auf 432 MHz heruntertaktet. Ärgerlicherweise scheint der Chip keine Informationen zum Ladezustand des Akkus bereitzustellen.

Abbildung 5: Der Chip lässt sich für den mobilen Einsatz ohne Weiteres auch mit einem Akku betreiben, der im stationären Einsatz als USV dienen kann.

Wir hatten den Chip inklusive einer Kunststoffabdeckung für die Unterseite der Platine im Testeinsatz. Das sieht zwar gut aus und sorgt für ein besseres Gefühl beim Umgang im rauen Bastelalltag, allerdings heizt sich damit das SoC schon beim Nichtstun auf bis zu 40 Grad auf.

Preis und Verfügbarkeit

Sie erhalten den Chip für 9 US-Dollar über den Webshop des Herstellers [12]. Die Versandkosten nach Deutschland betragen 6,22 US-Dollar.

Beim Zubehör wird es vergleichsweise teuer: Der HDMI-Aufsatz kostet 15 US-Dollar, der VGA-Aufsatz kommt mit 10 US-Dollar etwas günstiger. Das durchaus hochwertige Adapterkabel von Klinke auf Cinch kostet 5 US-Dollar, die Kunststoffabdeckung der Platine ist mit 2 US-Dollar das preiswerteste Teil. Der Gesamtpreis für unsere Testgeräteausstattung lag damit bei 31 US-Dollar (Abbildung 6).

Abbildung 6: Mit 9 US-Dollar ist es nicht getan: Mit dem hier gezeigten Zubehör stieg der Preis für unser Testpaket auf 31 US-Dollar.

Das Adapterkabel gibt es im einschlägigen Versandhandel zwar auch günstiger, dann allerdings meist mit dünnerer Isolation. Zudem benötigen Sie ein vierpoliges Adapterkabel, die meisten sind lediglich dreipolig.

Eigentlich nicht um Zubehör, sondern um ein Komplettset handelt es sich beim Pocket Chip für 69 US-Dollar. Es besteht aus einem Chip mit einer Aufsatzplatine, die ein Display (480 x 272 Pixel) und eine Tastatur umfasst. Beide stecken in einem Gehäuse inklusive 3-Ah-Akku.

Das Ganze erweckt den Eindruck, dass Next Thing den günstigen und wohl äußerst knapp kalkulierten Kostenpunkt des Chip über höhere Preise beim Zubehör und bei Sets rentabel machen will – eine durchaus riskante Strategie.

Community rund um den Chip

Was uns während des Tests besonders auffiel, war das aktive Nutzerforum [13] des Chip, in dem sich auch die Macher gelegentlich selbst äußern. Es liefert Hilfestellungen zu allen möglichen Problemen und Nutzungsszenarien, wenn auch zuweilen nur als Fingerzeig, vollständige Howtos von Nutzern stellen eher die Ausnahme dar. Das dürfte Linux-Einsteiger zuweilen überfordern. Die eigentliche, englischsprachige Dokumentation [14] des Chip können hingegen auch Neulinge problemlos verstehen. Allerdings stört der wilde Wechsel zwischen GUI-Programmen und Kommandozeilenaufrufen besonders beim Thema Lokalisierung und bei der Basiskonfiguration. Abhilfe würde hier wohl nur ein Werkzeug im Stil von Raspi-config für den Raspberry Pi schaffen.

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