9-Dollar-Chip von Next Thing ausprobiert

Kucken, hören, daddeln

Kodi fällt hier als Mediacenter aus, da es keine Allwinner-Chips unterstützt. Deswegen testen wir Videos in mittlerer Qualität per vorinstalliertem MPlayer: Er spielt sie klaglos ab – eigentlich eher sang- und klanglos, denn wir erhalten am TV-Gerät keinen Ton. Das liegt daran, dass der Chip keine Audioausgabe per HDMI unterstützt. Das Audiosignal liegt aber weiterhin an der Klinkenbuchse an, Kopfhörer oder Stereoanlage sind also Pflicht. HDMI-CEC zum Steuern des Chip über die Fernbedienung eines angeschlossenen TVs fällt ebenfalls aus.

Als Nächstes steht Mednafen [11] auf unserer Versuchsliste, ein einheitliches Kommandozeilen-Interface für Spielkonsole-Emulatoren. Wir testen zuerst ein Gameboy-Spiel. Das funktioniert zwar, die Framerate bleibt aber viel zu niedrig. Eher durch Zufall stoßen wir im Next-Thing-Forum auf den Hinweis, in der Mednafen-Konfigurationsdatei den Eintrag für den Videotreiber video.driver von opengl auf sdl zu ändern. Und tatsächlich, damit lässt sich eine vernünftige Framerate erzielen.

So ermutigt, testen wir ein Playstation-1-Spiel, das eine ganze Weile zum Laden benötigt – verschwendete Liebesmühe, die erzielte Framerate lässt sich nur als unterirdisch bezeichnen. Daran ändern auch Experimente mit der Treibereinstellung nichts. Trotzdem nutzen wir die Gelegenheit, auch unseren Xbox-360-Controller anzuschließen und auszuprobieren – Fehlanzeige auch hier.

Erwartungsgemäß ebenfalls eher lahm verhält sich Firefox ESR, geborener Iceweasel. Allgemein stellt gerade das Starten von Desktop-Programmen immer eine kleine Geduldsprobe dar. Zuerst lasten wir das dem SoC mit seinem einzelnen Kern an, haben uns doch andere Bastelrechner bei den Tests in den letzten Monaten mit mehreren CPU-Kernen verwöhnt.

Doch die Resultate eines Benchmarks belehrten uns eines Besseren – dazu gleich mehr. Wahrscheinlich liegt der Hase beim UBIFS-Dateisystem im Pfeffer: Es komprimiert die Daten, bevor es sie auf den Flash-Speicher praktiziert. Gerade GUI-Programme, die meist umfangreiche Programmdateien und Bibliotheken umfassen, brauchen wegen des Entpackvorgangs länger zum Laden; Ähnliches dürfte auch für das 630 MByte große getestete Playstation-Spiel gelten.

Benchmark mit Surprise

Andererseits empfiehlt sich mit Blick auf den gerade mal 512 MByte großen Arbeitsspeicher und den einsamen CPU-Kern der Chip sowieso bestenfalls bedingt für den Einsatz als Desktop-System. Wir wollen es jetzt genauer wissen und starten verschiedene Testläufe mit Unixbench und Sysbench, um mehr über die Prozessorleistung zu erfahren. Die Tabelle "Unixbench-Ergebnisse: Chip, RasPi Zero, RasPi 3" zeigt die überraschenden Resultate.

Unixbench-Ergebnisse: Chip, RasPi Zero, RasPi 3

 

Chip

RasPi Zero

RasPi 3(1)

Dhrystone

319,5

196,0

327,0

Whetstone

35,5

61,2

110,9

Pipe Throughput

223,5

134,4

155,8

Shell Script (einzeln)

178,6

104,5

285,5

Shell Script (8 parallel)

161,8

94,5

554,8

Gesamt

176,1

95,2

201,5

(1) Resultat für nur einen CPU-Kern

Unter Unixbench hängt der Chip den Raspberry Pi Zero deutlich ab und liegt zuweilen auf Augenhöhe mit dem RasPi 3, betrachtet man nur einen Kern. Das erscheint bemerkenswert, taktet der Zero doch ebenso schnell wie der Chip – der RasPi 3 legt sogar noch einige Hundert MHz drauf. Allerdings nutzt das Betriebssystem des Chip die Vorteile der ARM-v7-Architektur aus, während Raspbian immer noch bei ARM v6 verharrt. Lediglich beim reinen CPU-Test von Sysbench gibt es eine klare Abstufung: Der Zero benötigt für 10 000 Durchläufe mit einem Thread 350 Sekunden, der Chip 285 Sekunden und der Raspberry Pi 3 182 Sekunden.

Im Rahmen der Erwartungen liegt hingegen die Datenrate des WLAN-Moduls auf dem Chip mit seinem Realtek-Chip. Mit rund 35 Mbit/s ist die drahtlose Verbindung nicht die schnellste, aber auch nicht schlechter als bei anderen Bastelrechnern mit Realtek-Funkbausteinen. Der RasPi 3 dagegen kommt mit seinem Broadcom-Funkmodul auf 45 Mbit/s.

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