9-Dollar-Chip von Next Thing ausprobiert

Flashen bitte mit Chrome

Um ein neues Betriebssystem-Image einzuspielen, müssen Sie einen Pin mit Masse verbinden, etwa mithilfe einer Büroklammer. Dann stecken Sie den Chip per USB-Kabel an einem Computer an. So vorbereitet, startet der Chip im Flash-Modus.

Nun müssen Sie in Chrome/Chromium eine Webseite des Herstellers [8] aufrufen, die zum Funktionieren mindestens die Version 49 des Browsers voraussetzt. Hier erfahren Sie erst einmal, dass das Flashen nur mit einer Chrome-App funktioniert, die es nachzuinstallieren gilt.

Anschließend können Sie unter sechs verschiedenen Varianten und Versionen der Distribution auswählen. Unglücklicherweise fehlt hier eine Übersicht, worin im Einzelnen sich die Varianten eigentlich genau unterscheiden. Wir entscheiden uns für GUI 4.4 No Limit. Daraufhin führt uns die App per Dialog durch den eigentlichen Flash-Vorgang – der erst einmal nach kurzer Zeit fehlschlägt.

Wir werden misstrauisch, denn zu diesem Zeitpunkt lahmt unsere Internet-Verbindung. Obwohl sich nirgends erkennen lässt, wie groß das Betriebssystem-Image ausfällt, kann der eigentliche Flash-Vorgang schon zeitlich kaum begonnen haben – es sei denn, er erfolgt bereits während des Downloads. Wir entscheiden uns deshalb, das Image erst einmal herunterzuladen, und wählen dann auf der Webseite die Option, eine lokale Datei zu flashen. Jetzt klappt es – und nebenbei erfahren wir, dass das Image rund 625 MByte groß ist.

So angenehm das Flashen per Chrome-App ist, stellt es doch die Zukunftsfähigkeit der Lösung infrage: Chrome-Apps für den Browser soll es zukünftig nicht mehr geben [9]. Zwar existiert auch eine Kommandozeilenalternative, sie funktioniert aber ausschließlich unter Linux. Windows- und Mac-Anwender bleiben außen vor.

Aufsatz mit mehr Pixeln

Bereits zum Start des Chip standen zwei Aufsätze zur Verfügung, sogenannte DIPs (Abbildung 3). Sie stellen einen HDMI- beziehungsweise einen VGA-Anschluss zur Verfügung. Ähnlich wie beim HAT-Konzept des Raspberry Pi soll ein solcher Aufsatz einen kleinen Speicherbaustein enthalten, der Auskunft über die Art des DIPs gibt. Auf diese Weise kann der Chip den Aufsatz automatisch identifizieren und den notwendigen Treiber laden. DIPs gibt es nicht nur von Next Thing, auch eine ganze Reihe von Nutzern hat bereits eigene Entwürfe als Open Hardware zur Verfügung gestellt [10].

Abbildung 3: Für den Chip gibt es als DIPs bezeichnete Erweiterungsplatinen, die konzeptionell den RasPi-HATs ähneln – hier der HDMI-DIP.

Unser HDMI-Aufsatz funktionierte im Test sofort und ohne weitere Konfiguration. Davor stand allerdings das kleine Rätsel, wie herum man den DIP eigentlich aufsetzen muss. Auf der Platine selbst gibt es keine Indikatoren, auch das Aussehen vermittelt keine weiteren Informationen dazu. Wir mussten in der Dokumentation nachsehen. Auch mit dem Aufsatz wirkt der Chip nicht klobig, der HDMI-Stecker befindet sich auf der Unterseite der Platine. So mutiert der Chip zum kompakten Riegel, der auch ohne Gehäuse den Bastleralltag übersteht (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit aufgestecktem DIP wandelt sich der Chip zum kompakten Riegel, der nicht unbedingt ein Gehäuse benötigt.

Zwar blockiert der Aufsatz die Pinleisten des Chip, schleift aber immerhin eine Reihe von Steckern – darunter einige GPIO-Pins – auf entsprechende Kontakte auf dem DIP durch. Dazu gehört auch eine kleine Prototyping-Area. Ähnliches gilt für den VGA-Aufsatz, wo sogar deutlich mehr Pins verfügbar bleiben. Um das sinnvoll zu nutzen, muss man aber zwangsläufig zum Lötkolben greifen.

Als wir den Chip samt HDMI-DIP anstecken, startet der Desktop mit einer deutlich angenehmeren Auflösung von 1360 x 768 Pixeln, über die Systemeinstellungen lässt sich das auf bis zu 1920 x 1080 hochdrehen. Als Nächstes geben wir die Daten fürs WLAN an, die Verbindung klappt. Wir beginnen mit der Installation diverser Programme und laden auch einige Videos herunter.

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