Die AnonyMeBox v3 mit VPN-Option im Test

© Noppakun Wiropart, 123RF

Getunnelt

Tor gilt trotz intensiver Bemühungen diverser staatlicher Organe als sichere Option für Anonymität im Netz. Doch die Datenraten im Tor-Netz schwanken, sodass viele Nutzer auf einen VPN-Zugang zurückgreifen. Die AnonyMeBox v3 möchte beide Welten bedienen.

Die erste Alphaversion des Anonymisierungsnetzwerks Tor [1] erschien bereits im September 2002. Doch so richtig Fahrt nimmt der Dienst erst auf, seitdem zahlreiche staatliche Organe versuchen, den freien Internetverkehr einzuschränken und massiv Daten über die Nutzer zu erfassen. Beim Sperren und Loggen spielt auch die Privatwirtschaft in Form von Werbenetzwerken, Internetriesen und Medienindustrie bereitwillig mit.

Die Tor Metrics [2] zeigen, dass sich alleine in den letzten fünf Jahren die durch Tor geschleuste Datenmenge von 8 Gbit/s auf 80 Gbit/s verzehnfacht hat (Abbildung 1). Darunter leidet die Geschwindigkeit des Netzwerks jedoch nicht. Musste man 2011 noch über 20 Sekunden auf ein Datenvolumen von 1 MByte warten, benötigt Tor für diese Datenmenge aktuell nur noch etwa 3 Sekunden (Abbildung 2). Die wachsende Geschwindigkeit spürt man auch in der Praxis: Der Umweg über die Tor-Kaskaden fällt kaum auf.

Abbildung 1: Durch Tor geschleuste Bandbreite. (Quelle: metrics.torproject.org)
Abbildung 2: Zeit für das Übertragen von 1 MByte. (Quelle: metrics.torproject.org)

Tor per Box

Es nimmt wenig Wunder, dass immer mehr Unternehmen einen Markt in Privacy-Boxen sehen, die den heimischen Datenverkehr ohne komplizierte Konfiguration über Tor leiten. Als Brücke ins Tor-Netz dient bei vielen dieser Projekte ein Raspberry Pi. In den zurückliegenden Ausgaben haben wir uns diesem Thema bereits gewidmet und etwa die AnonyMeBox von Pi3g [3] ausführlich getestet (Abbildung 3) sowie Geräte weiterer Anbieter verglichen [4].

Abbildung 3: Die AnonyMeBox auf Basis des Raspberry Pi 3 mit USB-LAN-Adapter.

Trotz der gestiegenen Akzeptanz und Leistung von Tor wünschen sich nun aber viele User ein Plus an Privatsphäre, ohne dass die Datenrate merkbar sinkt. Trotz aller Fortschritte bei Tor braucht es für einen solchen Datenturbo einen VPN-Zugang. Im Gegensatz zu Tor installiert das virtuelle private Netzwerk einen quasi fest in Stein gehauenen Tunnel vom eigenen Internetzugang zu einem bestimmten Ausgangsserver im Netz mit leistungsfähiger Anbindung.

Mit dem Upgrade auf die AnonyMeBox 3 kommt Pi3g diesem Wunsch nun nach. Das aktualisierte Angebot für 189 Euro beinhaltet nicht nur eine optional erhältliche VPN-Funktion, sondern baut jetzt auf einem Raspberry Pi 3 mit integriertem WLAN auf. Dadurch spart man sich einerseits den bisher extern angebrachten USB-WLAN-Dongle, andererseits profitiert die AnonyMeBox von der schnelleren CPU der dritten RasPi-Generation.

Upgrade

Käufer der ersten Generation der AnonyMeBox sowie Besitzer eines Raspberry Pi, die die Box einmal austesten möchten, erhalten die Software des überarbeiteten Geräts in Form eines Images über das Portal von pi3g.com [10]. Das Abbild, das Sie auch auf der Heft-DVD finden, schreiben Sie mit den gewohnten Werkzeugen auf die Speicherkarte des RasPi und starten diesen mit der Karte.

Installation

Die AnonyMeBox stecken Sie über die Ethernet-Buchse des Raspberry Pi wie einen PC per Netzwerkkabel an einen freien Zugang Ihres Internetrouters an. Zudem benötigen Sie noch Strom; das passende Netzteil liegt dem Paket bei. Der ebenfalls mitgelieferte USB-Netzwerkadapter kommt zum Einsatz, wenn Sie die Daten eines PCs oder Laptops per Kabel über die Box leiten möchten. Smartphones und Tablets loggen sich per WLAN auf der AnonyMeBox ein – dazu später mehr.

In der Grundeinstellung leitet die überarbeitete AnonyMeBox die Daten der angebundenen Geräte weiterhin über Tor. Das Webfrontend der Box erreichen Sie von einem an die Box angeschlossenen Rechner über http://anonyme.box oder direkt über die IP http://192.168.42.1. Neu hinzugekommen ist der Turbo-Modus, den Sie unter Einstellungen | TOR-Einstellungen ändern aktivieren (Abbildung 4). Dafür benötigen Sie jedoch eine Turbo-Datei, über die der Hersteller das kostenpflichtige Angebot abwickelt. Die Schlüsseldatei beziehen Sie gegen eine Zahlung von 10 Euro pro Monat von der Homepage des Projekts [6].

Abbildung 4: Zum Aktivieren des Turbo-Modus müssen Sie einen kostenpflichtigen Schlüssel beim Anbieter bestellen.

Nach der Installation der Datei haben Sie die Wahl zwischen einem deutschen oder amerikanischen Ausgangsserver (Abbildung 5). Mit der US-Option erhalten Sie Zugriff auf in Deutschland blockierte Musikvideos von Youtube oder andere regionalisierte Medieninhalte, die sich nur aus den USA heraus abrufen lassen. Das klappt in der Regel jedoch auch im kostenlosen Tor-Mode, in dem die Box sämtliche Daten über das Tor-Netzwerk schickt.

Abbildung 5: Aktuell stehen bei der AnonyMeBox zwei VPNs zur Wahl: ein Knoten in Deutschland und einer in den USA.

Socks-Proxy

Möchten Sie Ihren Rechner nicht gleich komplett hinter die AnonyMeBox klemmen, aber beispielsweise Firefox gezielt über das Gerät leiten, dann lässt sich dies über einen Socks-Proxy erreichen [11]. Diesen müssen Sie zunächst unter Einstellungen | Netzwerk-Einstellungen ändern in der Weboberfläche der Box aktivieren. Anschließend tragen Sie im Browser auf dem Rechner unter Einstellungen | Erweitert | Netzwerk | Festlegen, wie sich Firefox mit dem Internet verbindet | Manuelle Proxy-Konfiguration die interne IP-Adresse der AnonyMeBox als SOCKS-Host mit dem Port 9050 ein. Die IP der Box sollten Sie zudem noch als Ausnahme für die Proxy-Anweisung festlegen.

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