Computer-Kit Kano im Test

© racorn, 123RF

Learning by Doing

Kano möchte für Grundschulkinder mehr sein als nur ein reiner Lerncomputer. Das RasPi-basierte System setzt auf ein innovatives, ganzheitliches Konzept.

Seit der Entwicklung des Raspberry Pi und seiner Mitbewerber erleben kleine Einplatinenrechner eine ungeahnte Blüte. Unter anderem sprechen sie auch Schüler der weiterbildenden Schulen an und wecken bei diesen Interesse für Hardware und Programmierung. Doch bereits Kinder im Grundschulalter möchten wissbegierig Hard- und Software selbst erkunden.

Diese Erfahrung machte auch der Mitgründer des Kano-Projekts, Alex Klein, dessen sechsjähriger Cousin seinen eigenen Computer bauen wollte. Klein erkannte das Potenzial, das der RasPi dazu bietet, und startete gemeinsam mit Yonatan Raz-Fridman und Saul Klein im Dezember 2013 auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter [1] eine Kampagne zur Entwicklung des Kano-Computers. Er soll Kinder einerseits neugierig auf Hardware machen und ihnen andererseits spielerisch Programmierkenntnisse vermitteln.

Die dafür veranschlagten 100 000 US-Dollar sammelten die Initiatoren innerhalb von nur 18 Stunden ein. Das in London ansässige Projektteam verbuchte binnen kürzester Zeit über 1,5 Millionen US-Dollar als Anschubfinanzierung von gut 13 000 Interessierten aus 86 Ländern, unter ihnen auch Apple-Mitbegründer Steve Wozniak.

Der Computer

Anders als herkömmliche Computer kommt der Kano in Form eines Kits zum Kunden: In einem auffällig eingefärbten Karton befindet sich das komplette System in einzelnen Teilen und wartet auf seinen Zusammenbau.

In der ursprünglichen Variante enthielt das Kit als Basis einen Raspberry Pi Model B, seit März 2016 liefert Kano es mit dem neuen RasPi 3 aus [2]. Hinzu kommen ein Plexiglasgehäuse mit integriertem Lautsprecher, ein WLAN-Stick, eine Tastatur mit integriertem Touchpad, ein Kabelsatz sowie ein Netzadapter. Eine 8 GByte fassende SD-Karte mit dem Betriebssystem Kano OS, zwei Story-Hefte zum Zusammenbau des Computers sowie Sticker zum Verschönern des Gehäuses runden das Paket ab (Abbildung 1). Es kostet derzeit 199,99 Euro, der Versand geht aufs Haus.

Abbildung 1: Das ansprechend gestaltete Kano-Kit weckt nicht nur bei Kindern sofort Interesse.

Als Kunde muss man sich allerdings zeitweise etwas gedulden, da der Bausatz aufgrund starker Nachfrage häufig ausverkauft ist. Dem Standard-Kit fehlt zudem ein Bildschirm; das Unternehmen bietet aber zum Preis von 199 Euro ein Screen-Kit an [3]. Im Gesamtpaket mit Kano reduziert sich der Aufpreis auf 169 Euro.

Das Bildschirm-Paket umfasst einen 10,1 Zoll großen HD-Monitor (1280 x 800 Pixel) mit einer Gorilla-Glas-Oberfläche, einen Plexiglasständer sowie die benötigten Platinen und Anschlusskabel. Mit deren Hilfe montiert der Kunde das Display selbst und verbindet es mit dem Computer. Die mitgelieferte Anleitung erklärt zudem, wie das Display funktioniert.

Das Betriebssystem

Kano OS basiert auf einem speziell in das Kano-Ökosystem integrierten Debian. Sie können es auch separat herunterladen [4] und so abseits des Kano-Kits mit jedem RasPi 1B/2/3 oder Zero nutzen.

Die dem Kit beiliegenden Story-Hefte bietet das Unternehmen ebenfalls kostenfrei zum Download an. Dank der reichen Bebilderung, die den Zusammenbau des Computers und die ersten Programmierschritte erklärt, eignen sie sich speziell für Grundschulkinder [4] – die allerdings des Englischen mächtig sein müssen, denn nur in dieser Sprache stehen die Booklets bereit.

Das Betriebssystem fällt mit rund 600 MByte im Vergleich zu "ausgewachsenen" Distributionen wie OpenSuse oder Ubuntu relativ klein aus, enthält aber die wichtigsten zweckdienlichen Anwendungen und eine optisch kindgerecht aufbereitete Oberfläche.

Um Kano OS unabhängig von einem gekauften Computer-Kit zu testen, laden Sie das ZIP-Archiv herunter und entpacken es in einem Verzeichnis Ihrer Wahl. Die entpackten Inhalte aus diesem Verzeichnis kopieren Sie anschließend auf eine mindestens 4 GByte große MicroSD-Karte für den RasPi. Diese müssen Sie dazu mit VFAT vorformatieren und sollten sie tunlichst mit einem gültigen Master Boot Record (MBR) versehen: Fehlt der MBR, legt der von Kano OS verwendete NOOBS-Installer zwar automatisch einen an, löscht dabei aber auch alle auf der Karte vorhandenen Daten. Anschließend müssen Sie also alle aus dem ZIP-Archiv entpackten Daten erneut auf die SD-Karte kopieren.

Starten Sie den RasPi von der fertiggestellten SD-Karte, beginnt die Installation des Systems automatisch. Die einzige Eingriffsmöglichkeit besteht darin, am unteren Rand des Installationsbildschirms die Länderauswahl anzupassen. Je nach Geschwindigkeit der verwendeten Speicherkarte nimmt die Installation einige Minuten in Anspruch.

Anschließend startet Kano OS und legt zunächst in einer spielerischen Animation mit englischsprachigen Kurztexten einen Nutzer an. Anschließend wechselt die Anzeige vom textbasierten Bildschirm in den grafischen Desktop (Abbildung 2) und ergänzt das Nutzerprofil. Dabei überprüft die Routine auch spielerisch die Hardware-Unterstützung des Soundchips. Bei unseren Testgeräten, je einem RasPi 2 und 3, traten dabei keinerlei Probleme auf. Auch die Bildschirmauflösung passt der Assistent automatisch korrekt an.

Abbildung 2: Schick, schlank und funktionell auf Kinder ausgerichtet: der Desktop von Kano OS.

Für eine weitere korrekte Funktion benötigt der Desktop eine WLAN-Verbindung, wofür er zunächst die WLAN-Hardware testet. Beim Einsatz des RasPi 2 ohne WLAN-Dongle erscheint eine Meldung, die das Fehlen der WiFi-Anbindung moniert und die Option eröffnet, nach dem Einstecken des USB-WLAN-Sticks fortzufahren. Im Test experimentierten wir mit mehreren WLAN-Sticks unterschiedlicher Hersteller, von denen die Routine jedoch keinen erkannte und daher den Dienst versagte.

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