Mini-Rechner im Vergleichstest

© Wabeno, 123RF

Kampf der Zwerge

Einplatinenrechner erfreuen sich steigender Beliebtheit. Zu den jüngsten Neuerscheinungen zählen der Odroid-C2 und der Pine A64+. Wir lassen sie gegen den RasPi 2 und 3 antreten.

Dem Raspberry Pi gelang eine klassische Erfolgsgeschichte: Seit im Februar 2012 das Modell B auf den Markt kam, gibt es kein Halten mehr. Im Oktober 2015 überschritt der Einplatinenrechner modellübergreifend die Marke von sieben Millionen verkauften Exemplaren. Dabei war der RasPi nicht der erste SBC und auch nicht der leistungsfähigste. Was ihn attraktiv macht, ist der günstige Preis von 35 US-Dollar und die GPIO-Steckleiste, hinter der sich der von der Raspberry Pi Foundation entwickelte Bildungsauftrag verbirgt: Der Mini-Rechner soll nämlich besonders jungen Menschen durch Basteln und Experimentieren Hardware- und Programmierkenntnisse vermitteln.

Die Anzahl der Projekte, die mit den verschiedenen RasPi-Modellen bis heute umgesetzt wurden, kennt niemand genau. Sie geht vermutlich ebenfalls in die Millionen. Das reicht von der kleinsten Schaltung bis hin zu Clustern und dem Projekt Astro Pi [1], das vor wenigen Monaten zwei Raspberrys auf die Raumstation ISS beförderte, um dort von Schülern erdachte Experimente auszuführen. In der Überwachung, Automation und Robotik punkten der Raspberry Pi und seine Mitstreiter ebenso. Vielfach kommen sie auch als Multimediazentrale oder Mini-NAS zum Einsatz. Diese Art der Verwendung bringt aber zumindest den RasPi auch in der dritten Generation schnell an seine Grenzen.

Trittbrettfahrer

Eine solche Erfolgsgeschichte findet immer Nachahmer. Besonders Firmen in Asien, denen die Produktionsmaschinen zur Verfügung stehen, entwarfen häufig zeitnah Konkurrenzprodukte, um sich ein Stück vom immer noch boomenden Markt der Mini-Rechner zu sichern. Dabei liegt die Attraktivität nicht allein in der Hardware des RasPi, die sich beim Stückpreis von 35 US-Dollar nur schwer unterbieten lässt.

Zumindest genauso wichtig ist, was dem Raspberry Pi in wenigen Jahren gelang: Um den kleinen Rechner herum entstand im Laufe der Zeit eine gut funktionierende Infrastruktur mit gepflegter Software und Zubehör sowie eine große und aktive Community. Das zu bewerkstelligen fällt den Nachahmern schwer – was auch daran liegt, dass Hersteller in Asien meist wenig Wert auf den Open-Source-Gedanken legen. Negativbeispiel ist der Halbleiterhersteller Allwinner, der fortgesetzt mit seinen Produkten die GPL verletzt [2].

Dem Raspberry Pi haftet gegenüber der Konkurrenz jedoch ein konzeptioneller Nachteil an: Die Raspberry Pi Foundation will vom Board-Design her abwärtskompatibel bleiben. Die daraus resultierenden Einschränkungen lassen sich nur schwer beheben. So verfügt selbst der neue, Ende Februar 2016 vorgestellte RasPi 3 nur über einen 10/100-Mbit/s-Ethernet-Anschluss, während die Konkurrenz meist bereits Gbit-Ethernet bietet. Nur eine Änderung des grundlegenden RasPi-Layouts könnte hier Abhilfe schaffen, da das Ethernet beim jetzigen Design am langsamen USB2-Controller hängt.

Die Kandidaten

Für den Vergleich stehen neben den RasPi-Modellen 2B und 3B der Odroid-C2 von Hardkernel sowie der Pine A64+ in den Startlöchern. Die Herausforderer bewegen sich im selben Preissegment wie die beiden RasPis, die Hersteller stehen dem Open-Source-Gedanken nahe.

Odroid bietet bereits einiges an Zubehör an und schart eine aktive Community um seine Produkte. Beim Pine geschieht das gerade: Ein Shop ist eingerichtet, die Community entwickelt fleißig an der Software mit.

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