Banana Pi M3 vs. Lemaker Hikey

© Mariusz Niedzwiedzki, 123RF

Mini mit Turbo

Wer satt Power braucht, der findet selbst im Lager der Mini-PCs die passenden Rechner – vorausgesetzt, das Budget reicht dafür aus.

Der Raspberry Pi 3 lässt als Mediacenter und Spieleplattform nur wenig Wünsche offen. Trotzdem gibt es noch genügend Fälle, in denen reine Rechenleistung (fast) alles ist. Deshalb haben wir uns zwei Rechner näher angeschaut, die genau das bieten sollen und Ende des vergangenen Jahres herauskamen: den Banana Pi M3 von Sinovoip und den Lemaker Hikey (siehe Tabelle "Banana Pi M3 vs. Lemaker Hikey – Spezifikationen"). Doch wir wollen nicht nur wissen, ob die Bastelrechner mit ihren Achtkern-Prozessoren flott zur Sache gehen: Wir prüfen außerdem, ob die Linux-Unterstützung und Dokumentation bei den Herstellern sich wie früher als ständige Baustelle erweisen.

Ein wenig Würze liegt schon deshalb in diesem Vergleich, weil Sinovoip und Lemaker bislang vor allem durch ihre konkurrierenden Banana-Pi-Modelle auffielen und sich seit einem undurchsichtigen Rechtsstreit um die Marke im Jahr 2015 fast als Erzfeinde betrachten. Es gibt also durchaus Grund zur Hoffnung, dass beide Hersteller gewillt sind, im Kampf um die Kunden nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den Service und die Software zu achten.

Banana Pi M3 vs. Lemaker Hikey – Spezifikationen

 

Banana Pi M3

Lemaker Hikey

CPU

A83T ARM Cortex-A7, ARMv7, 8 Kerne, max. 2 GHz

ARM Cortex-A53, ARMv8, 8 Kerne

GPU

PowerVR SGX544MP1 (OpenGL ES 2.0, OpenCL 1.x, DX 9_3)

ARM Mali450-MP4 (OpenGL ES 1.1/2.0, OpenVG 1.1)

RAM

2 GByte LPDDR3

1 oder 2 GByte LPDDR3

Speicher

8 GByte eMMC

8 GByte eMMC

Schnittstellen

Massenspeicher

Micro-SD-Card, SATA (USB-to-SATA; GL830)

Micro-SD-Card

USB Ports

2 USB 2.0, USB OTG

2 USB 2.0, USB OTG

GPIO

40 Pins (GPIO, UART, I2C, I2S, SPI, PWM, +3.3V, +5V, GND)

40 Pins (GPIO, UART, I2C, SPI, PWM, PCM, SYS_DCIN, +1.8V, +5V, GND); 60 Pins (SDIO, MIPI_DSI, MIPI_CSI)

Netzwerk

Ethernet

10/100/1000 Mbit/s (Realtek RTL8211E/D)

optional (via USB-Adapter)

WLAN

802.11b/g/n

802.11b/g/n

Bluetooth

Bluetooth 4.0

Bluetooth 4.1 LE

Audio, Video

Audio Out

3,5mm Klinke, HDMI

HDMI

Audio In

Onboard-Mikrofon

HDMI

Video Out

HDMI 1.4 (HDCP 1.2, max. 1920x1080), MIPI DSI

HDMI 1.4 (max. FHD 1080p), 2 MIPI DSI

Video In

Parallele 8-Bit-Kameraschnittstelle, MIPI CSI

2 MIPI CSI

Sonstiges

Schalter

Power, Reset, U-Boot

Power/Reset

LEDs

Power, RJ45, benutzerdefiniert

WLAN, Bluetooth, 4 benutzerdefiniert

Strom

Micro-USB, optional 5V-Klinke

8V~18V/3A Klinke

OS

Android, Linux

Android, Linux

Abmessung

92mm x 60mm

85mm x 55mm

Straßenpreis

90 Euro

120 Euro

Das All-inclusive-Board

Das Banana Pi M3 [1] führt die klassische Banana-Pi-Reihe fort (Abbildung 1). Die CPU des Typs Allwinner A83T verfügt über acht ARM-Cortex-A7-Kerne, getaktet mit je maximal 2 GHz. Der Arbeitsspeicher beläuft sich auf 2 GByte, als Massenspeicher dient ein 8 GByte großes eMMC-Modul. Alternativ nimmt eine Micro-SD-Karte Betriebssystem und Daten auf. Dazu gibt es Gigabit-Ethernet, 802.11b/g/n-WLAN, Bluetooth, DSI, CSI, eine SATA-Schnittstelle, zwei USB-Ports, ein Mikrofon und vieles mehr. Dennoch fällt die Platine nicht größer aus als die des RasPi.

Abbildung 1: Es ist fast unmöglich, den Banana Pi M3 anzufassen und nicht irgendwelche Buchsen zu berühren.

Da bleiben eigentlich keine Wünsche mehr offen. Allerdings steht bei der Banana-Pi-Serie stets die Frage im Raum, welche Komponenten sich unter Linux auch wirklich nutzen lassen. Sinovoip stellt für den M3 wieder eine ganze Reihe von Distributionen bereit [2], empfiehlt aber keine explizit. Ein Blick ins zugehörige Forum zeigt, dass alle zumindest die grundsätzlichen Funktionen abdecken.

Unsere erste Wahl fällt auf eine Distribution mit dem obskuren Namen BPI-Berryboot, vor allem wegen des Hinweises w/GPU support. Allerdings lesen sich die zugehörigen Kommentare der Benutzer wenig ermutigend. Ein genuines Ubuntu Maté erscheint da sinnvoller, auf Grafikbeschleunigung müssen wir damit verzichten. Wer nach einer Banana-Distribution sucht, sucht vergebens: Es gibt selbst für den M2 bislang nur eine alte Beta, nicht alle Hardware funktioniert wie gewünscht.

Nach dem Aufspielen auf eine Micro-SD-Karte startet das System ohne weitere Probleme. Der Netzzugriff via Ethernet funktioniert problemlos, die Konfiguration des WLANs klappt ebenfalls auf Anhieb. Unter den vorinstallierten Programmen finden sich unter anderem LibreOffice, die Arduino-IDE und Iceweasel. Das parallele Ausführen von Anwendungen stellt kein Problem dar.

Der Versuch, das Onboard-Mikro mithilfe von Arecord zu nutzen, schlug allerdings fehl, der Banana Pi M3 erkennt kein Mikrofon. Auch die SATA-Schnittstelle macht niemanden wirklich glücklich: Sie ist per USB angebunden, teilt sich die Leitung mit dem Hub und lässt sich nicht zum Booten nutzen. Auf einen Geschwindigkeitstest verzichteten wir deshalb. Für einen schnellen Start legen Sie das Betriebssystem besser auf dem eMMC-Speicher ab [3].

Als angenehmes Extra fällt der gut funktionierende An/Aus-Knopf auf – den wünschen wir uns als Standard auf allen SBCs. Allerdings liegt der winzige Schalter unangenehm nah am ebenso winzigen Reset-Knopf. Positiv sticht auch der UFL-Anschluss für eine WLAN-Antenne ins Auge – den gibt es weder beim Lemaker Hikey noch beim RasPi 3.

Lemaker Hikey

Der Lemaker Hikey unterscheidet sich schon optisch vom Banana Pi M3 (Abbildung 2). Das Design stammt allerdings nicht von Lemaker: Die Größe der Platine und die Anschlüsse basieren auf den Anforderungen der 96Boards-Spezifikation [5]. Der 96Boards-Zusammenschluss versucht, industrienahe Hardware- und Software-Standards für eingebettete ARM-Rechner zu etablieren. Beim Hikey handelt es sich also um ein Profi-Gerät, weniger um einen klassischen Bastelrechner.

Abbildung 2: Die Anschlüsse des Lemaker Hikey befinden sich mit Ausnahme des Stromanschlusses auf einer Seite.

Als Prozessor kommt ein Kirin 620 zum Einsatz, wie er beispielsweise auch im Smartphone Huawei P8 Lite zum Einsatz kommt. Die acht ARM-Cortex-A53-Kerne lassen sich maximal mit 1,2 GHz takten. Unser Testgerät bringt 2 GByte RAM mit, es gibt jedoch auch eine Variante mit nur 1 GByte Arbeitsspeicher.

Als Massenspeicher dient ein 8 GByte großes eMMC-Modul, das wir im Test auch verwendeten. Alternativ steht ein Slot für Micro-SD-Karten bereit. Peripherie binden Sie über zwei USB-2.0-Ports oder per Bluetooth an. Dazu gibt es eine Schnittstelle für Micro-USB-OTG. Video- und Audiosignale überträgt der Hikey per HDMI, Kontakt mit dem Netzwerk gibt es nur per WLAN. Die Stromversorgung erfordert ein 12-Volt-Netzteil mit passendem Hohlstecker.

Für Bastler stehen zwei Pin-Leisten bereit: Die 40-Pin-Variante für GPIO-Kontakte und verschiedene Bussysteme ist trotz der identischen Pin-Anzahl nicht kompatibel mit dem RasPi. Eine 60-polige Buchse stellt ebenfalls Bussysteme bereit, aber auch einen Kamera- und einen Display-Anschluss (CSI, DSI). Allerdings erfordert die Buchse dafür ein Breakout-Board. Beide Pin-Leisten entsprechen dem 96Boards-Standard, sodass es dafür bereits sogenannte Mezzanine-Aufsätze [6] mit zusätzlichen Sensoren und Anschlüssen gibt.

Beim Betriebssystem fällt die Auswahl karg aus: Lemaker überlässt dieses Feld komplett der 96Boards-Initiative, die eine Android-Variante und die Distribution Linaro anbietet. Im Test fiel die Wahl auf Linaro. Dessen Changelog erwähnt zwar die fehlende Audio-Ausgabe, schweigt sich über das Thema Grafik- und Videobeschleunigung für die verbaute Mali-450-GPU aber komplett aus.

Ansonsten ist Linaro weitgehend eine unauffällige Linux-Distribution – mit einer Ausnahme: Sie basiert bereits auf dem Aarch64-Zweig, läuft also mit 64 Bit. Das kann mit einigen Programmen zu Problemen führen. Unter Linux gibt es ansonsten nicht viel auszuprobieren. Möchten Sie den Rechner unbedingt als Mediacenter oder zum Spielen einsetzen, müssen Sie zu Android greifen.

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