Schlanke Webbrowser unter Raspbian

© Dmitriy Syechin, 123RF

Abgespeckt

Raspbian bietet eine überraschende Fülle an schlanken Webbrowsern als Ersatz für Ressourcenfresser wie Mozilla Firefox und Google Chrome. Während die einen eher spartanisch wirken, geben sich andere überraschend komfortabel.

Webbrowser wie Firefox und Chrome verschlingen heutzutage Arbeitsspeicher gigabyteweise. In den etwas angegrauten PC passen oft gar nicht mehr so viele RAM-Riegel hinein, ein Raspberry Pi kommt da erst recht ins Schwitzen. Erfeulicherweise bieten die meisten Linux-Distributionen in ihren Paketlisten auch schlankere Webbrowser-Alternativen an, so auch das von Debian abstammende Raspbian. Die neueren davon, wie etwa Qutebrowser [1], bauen wie Apples Safari und neuerdings Opera auf Webkit als Rendering-Engine auf. Doch auch Webkit gilt nicht unbedingt als allzu sparsamer Geselle.

Da erscheint ein Blick auf jene Browser angeraten, die schon recht lange existieren und sich beim Ressourcenverbrauch weniger unverschämt geben. Sie lassen sich grob in zwei Kategorien aufteilen: Webbrowser mit grafischer Oberfläche unter X und Webbrowser für den Textmodus. Letztere laufen also auf der Konsole, in einem Terminal-Emulator oder entfernt per SSH. Auch hier gibt es Ausnahmen: Manche Exemplare bieten auch noch eine grafische Oberfläche auf der Konsole mittels Framebuffer, einer beherrscht sogar alle drei Varianten.

Wir haben uns sieben dieser extraschlanken Webbrowser für Sie genauer angesehen. Alle finden sich in den Repositories von Raspbian "Jessie" und den aktuellen Debian-Derivaten wie Ubuntu.

NetSurf

NetSurf [2], der Größte unter den Kleinen, wird aktiv weiterentwickelt; die neueste Version 3.3 erschien Anfang 2015. Das Debian-Paket der Version 3.2 mit GTK-Oberfläche braucht rund 4 MByte auf der Platte, im Betrieb greift der Browser schon bei nur einer geöffneten Seite 104 MByte RAM ab. Spätestens bei vielen offenen Tabs sorgt dies auf Rechnern mit wenig RAM für Geschwindigkeitseinbußen, da das System dann Teile des Webbrowsers in den Swap-Bereich auslagern muss.

Dafür bietet NetSurf aber auch am meisten. Neben der besten CSS-Unterstützung (CSS 2.1) in der Runde und damit auch der optisch ansprechendsten Darstellung heute typischer Webseiten bietet er als einer der wenigen auch Javascript-Support, den Sie allerdings explizit in den Einstellungen aktivieren müssen. Zum Einsatz kommt eine ältere Mozilla-Javascript-Bibliothek, die auf extrem Javascript-lastigen Webseiten teilweise zu Schwierigkeiten führt.

So bemängelt Gmail einen "unbekannten Browser" und zeigt nur die HTML-Variante an, Google Maps erscheint als reinweiße Seite und beim Aufruf von OpenStreetMap crasht NetSurf. Github rendert NetSurf bei ausgeschaltetem Javascript problemlos, mit Javascript braucht die Ansicht einer Projektseite selbst auf einem Rechner mit 2-GHz-CPU und 4 GByte RAM Ewigkeiten.

Ansonsten glänzt NetSurf mit vielen Einstellmöglichkeiten, eingebauten (jedoch manuell zu aktivierenden) Ad- und Popup-Blockern sowie einer Anzeige der Ladedauer (Abbildung 1). Auch das von den gängigen Browsern her bekannte [Strg]+[+] und[Strg]+[-] zum Ändern der Schriftgröße unterstützt NetSurf als einziger in der Konkurrenz.

Abbildung 1: NetSurf mit mehreren geöffneten Tabs. Letztere lassen sich wahlweise oben oder unten anordnen.

Neben der GTK-Variante gibt es NetSurf auch als Framebuffer-Variante (Paket netsurf-fb) für eine grafische Oberfläche auf der Linux-Konsole. Meist müssen Sie dazu allerdings noch explizit den Framebuffer-Kernel-Treiber laden (auf dem Testrechner etwa mit modprobe tridentfb) und Berechtigungen anpassen. Dauerhaft aktivieren Sie den Treiber gegebenenfalls durch einen Eintrag in /etc/modules. Im Test zeigte NetSurf auf der Konsole jedoch nur einen schwarzen Bildschirm und crashte dann.

Dillo

Auch bei Dillo handelt es sich um einen aktiv entwickelten Webbrowser für X. Er setzt jedoch nicht auf GTK auf, sondern auf den schlankeren Fast Light Toolkit FLTK. Entsprechend wirken manche Elemente der Benutzeroberfläche (Abbildung 2) etwas untypisch. Aktuell ist die Version 3.0.5, die Entwickler arbeiten derzeit an Version 3.1.

Abbildung 2: Dillo mit mehreren geöffneten Tabs. Der "Käfer" unten rechts signalisiert die Anzahl der gefundenen HTML-Fehler in der Seite.

Dillo [3] unterstützt eingeschränkt CSS 2. Damit rendert er moderne Webseiten oft ansehnlicher als die meisten anderen Browser in dieser Runde, kommt aber nicht an die Qualität von NetSurf heran. Dafür braucht er unter gleichen Bedingungen mit 27 MByte Arbeitsspeicher nur ein Viertel dessen, was NetSurf konsumiert, und gibt sich auch auf der Platte mit 1,3 MByte Platzbedarf schlanker. Wie bei NetSurf dürfen Sie auch bei Dillo vieles einstellen, von der Größe der Navigationsknöpfe bis zu Feineinstellungen des Renderers. Dazu gilt es, die Konfigurationsdatei dillorc zu bearbeiten.

Während des Aufbaus einer Seite zeigt Dillo an, wie viele eingebettete Bilder er schon lädt, wie groß die heruntergeladene Seite ausfällt und wie viele HTML-Fehler die Seite enthält. Eine kleine Unschönheit: In der Standardeinstellung gibt Dillo Unmengen an Debug-Meldungen in dem Terminal aus, in dem Sie ihn aufgerufen haben. Beim Aufruf über ein Menü des Betriebssystems fällt das freilich nicht auf.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Heft-DVD 02/2016

    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial des Raspberry Pi. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur die neusten Distributionen für den Mini-PC, sondern gleichzeitig auch die passenden Programme zu den Artikeln.

  • Raspberry Pi als Desktop-Allrounder mit Q4OS

    Der Raspberry Pi kann nicht nur messen und steuern, sondern glänzt mit einem geeigneten Betriebssystem wie Q4OS auch durchaus als Desktop-Rechner für den Alltagseinsatz.

  • Ersatzrechner für den Notfall

    Taugt der RasPi nicht nur zum Basteln und Experimentieren, sondern auch als Desktop-Ersatz, mit dem auch Windows-Nutzer zurechtkommen? Ja, aber…

  • Workshop: RISC OS auf dem RasPi (Teil 1)

    Die Geschichte von RISC OS war von Anfang an eng mit jener der ARM-Prozessoren verbunden. So verwundert es nicht, dass sich das schlanke Betriebssystem auch auf dem Raspberry Pi durch geringen Ressourcenverbrauch und hohe Leistung auszeichnet.

  • RISC OS für den Raspberry Pi 2

    Mit dem aktuellen Release RC14 legt das Projekt um RISC OS ordentlich nach: Das System arbeitet jetzt nicht nur kompatibel zu allen RasPi-Varianten, sondern bringt auch diverse Neuerungen mit.

Aktuelle Ausgabe

08/2018
Projekte & Hacks

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 7,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Fernverkehr

    Zwar wurde I2C eigentlich für die interne Gerätekommunikation konzipiert, doch mithilfe geeigneter Extender-Bausteine überbrückt der Bus Distanzen bis zu 100 Metern.

  • Neues auf der Heft-DVD

    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial eines Mini-PC. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur die neusten Distributionen für den RasPi und Co., sondern gleichzeitig auch die passenden Programme zu den Artikeln.

  • Farbenspiele

    Der winzige Sensorbaustein APDS-9960 vereint vier unterschiedliche Anwendungsfälle in einem Chip.

  • Finger weg!

    Mit einem Read-only-Dateisystem schützen Sie die SD-Karte vor dem Altern durch Schreibvorgänge. Beim Aufsetzen gilt es, einige wichtige Punkte zu beachten.

  • Auf Zuruf

    Mit dem bereits Anfang 2017 angekündigten und jetzt endlich verfügbaren Voice offeriert Matrix Labs eine neue Erweiterung, die den Raspberry Pi fit für Sprachsteuerung machen soll.

  • Experimentell

    Wer elektronische Schaltungen entwirft, experimentiert oft erst einmal mit einem Breadboard. Genau für diese Bastler bietet sich der NanoPi-Duo als Steuerrechner an.

  • Aufgemöbelt

    Mit dem Desktop-Kit von Farnell gibt der RasPi auch auf dem Schreibtisch technisch und optisch eine gute Figur ab.

  • PiBot

    Aus einem Fischertechnik-Baukasten lässt sich schon mit wenigen Teilen ein Roboter aufbauen. Fehlt nur noch ein Gehirn: Das stellt der Raspberry Pi.

  • Heißkalt serviert

    Wie verwandelt sich ein Linux-System auf einem RasPi in einen Datenlogger? Indem es mit einem Bluetooth-fähigen Multimeter spricht.

  • Türwächter

    Der RasPi beteiligt sich am Internet der Dinge und wacht als smartes Schließsystem autonom über den Zugang zum Eigentum.