Mit dem 3D-Drucker ein maßgeschneidertes Gehäuse für den Raspberry Pi erstellen

Entwerfen, Gestalten und Ausdrucken

Falls Sie schon einmal vorhandene Software-Pakete für den RasPi selbst kompiliert haben, sind Sie sicher schon dem klassischen Dreischritt configure && make && make install begegnet. Nicht viel anders läuft der Hase beim Entwickeln eines eigenen Gehäuses für den Raspberry Pi: Im ersten Schritt steht das Design im Fokus. Die ersten Skizzen dazu entstehen mit Papier und Bleistift; anschließend hilft gegebenenfalls ein Modell aus Pappe, den Platzbedarf realistisch einzuschätzen.

Spätestens an dieser Stelle benötigen Sie dann Unterstützung durch Software – CAD steht ja für Computer-aided Design. Für eigene einfache Modelle genügen frei verfügbare Programme – auf der Suche danach tun sich Windows-Anwender leichter als Linux-Anhänger. Als gute Wahl für den Einstieg erweist sich hier wie da die webbasierte Software Tinkercad – sofern Grafikkarte und Webbrowser nicht zu alt ausfallen: Das Online-Tool benötigt zwingend WebGL-Unterstützung.

Nach dem Anmelden [2] dürfen Sie direkt mit dem Design loslegen. Verschiedene kurze Videos stellen die Software mit ihren Möglichkeiten vor. Die Bedienung lässt sich im Großen und Ganzen intuitiv erledigen, die Lernkurve fällt erfreulich flach aus. Daher macht die Arbeit mit der CAD-Software tatsächlich Spaß.

Auf der Tinkercad-Webseite erstellte Objekte können sowohl privat als auch öffentlich sein. Geben Sie Ihre Entwürfe frei, dann dürfen andere Nutzer das Objekt kopieren und für ihre Zwecke anpassen. Der 3D-Design-Branchenriese Autodesk, der hinter Tinkercad steht, erhebt in seinen Bedingungen explizit keine Rechte an den erstellten Modellen der Nutzer.

Prinzipielle Erwägungen für das Design

Bei Tinkercad führen oft mehrere Wege zum Ziel. So könnte das Gehäuse zum Beispiel aus einer Bodenplatte (ein sehr flacher Quader) entstehen, an den Sie vier Seitenwände ansetzen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Online-Plattform Tinkercad erlaubt es, 3D-Modelle zu erstellen, wie in diesem Fall ein Gehäuse aus einer flachen Platte und den dazu passenden Seitenwänden.

Weniger intuitiv, jedoch eleganter und viel weniger arbeitsaufwendig ist es aber, das Gehäuse zuerst als einen massiven Quader in voller Höhe zu erstellen und dann den Innenraum als etwas kleineren Quader auszuschneiden (Abbildung 4). Dabei versenken Sie den kleineren Quader in seinem großen Bruder und markieren ihn dann als "Hole" (englisch: Loch).

Abbildung 4: Alternativ zum ersten Ansatz gestalten Sie das Gehäuse aus der Differenz zweier Quader.

Nach dem Verschmelzen aller Teile fällt das Ergebnis bei beiden Wegen identisch aus. Tinkercad und dessen Community stellen diverse Formen bereit, die Sie bei Bedarf auf diesem Weg zu immer komplizierteren Designs zusammensetzen. Ein paar Sachen fehlen dem Online-Dienst aber, so zum Beispiel genormte Innengewinde.

Hier bieten andere Programme wahrscheinlich mehr Möglichkeiten. Falls Sie zu Hause einen Windows-Rechner oder einen Mac stehen haben, sollten Sie auf alle Fälle einmal 123D Design ausprobieren, das ebenfalls aus dem Hause Autodesk stammt. Da die Berechnungen dann nicht in der Cloud laufen, sondern auf dem heimischen Rechner, dürften die Anforderungen an die Hardware für ein flüssiges Arbeiten wahrscheinlich aber wesentlich höher liegen als bei Tinkercad.

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