Editorial 01/2016

Effizienter Datenschutz

Der Raspberry Pi ist mehr, als nur einer von vielen Bastelrechnern: In einer Zeit, in der immer mehr Firmen, Staaten und Behörden dem Bürger an die Daten wollen, glänzt er als ebenso preiswerter wie effizienter Baustein für ein persönliches Privacy- und Security-Konzept.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wer kennt sie nicht, die Szene aus "Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart", in der Bordingenieur Scotty versucht, einen Computer zu bedienen, indem er in die Maus spricht. Was 1986 noch als Zukunftsmusik erschien, gehört heute längst zum Alltag. Sprachgesteuerte Assistenten wie Amazons Alexa, Apples Siri, OK Google oder Microsoft Cortana versprechen, die Bedienung von Smartphones und Rechnern zu erleichtern.

Tatsächlich funktioniert das auch recht gut, die Angelegenheit hat aber einen Pferdefuß: Insbesondere Apple-Smartphones, aber auch Windows-10-Rechner mit entsprechenden Diensten lauschen ständig mit und senden laufend Daten an den Anbieter. Was der damit letztlich genau anfängt, lassen die abzunickenden Nutzungsbedingungen der Konzerne bewusst vage. Dass die Sprachassistenten meist voreingestellt aktiviert sind und sich nur über tief in Einstellungsmenüs vergrabene Optionen deaktivieren lassen, spricht aber für die Vermutung, dass die Anbieter mit dem Aufgeschnappten durchaus etwas Gewinnbringendes anzufangen wissen.

Privacy geht anders – wie, das zeigt beispielhaft die freie Software Jasper auf dem Raspberry Pi. In Kombination mit ebenfalls freien Speech-to-Text- und Text-to-Speech-Engines wie Pocketsphinx oder Julius bauen Sie damit eine Sprachsteuerung für den Mini-Rechner auf, bei der kein Unternehmen mehr mithört (siehe Artikel ab Seite 14). Zwar müssen Sie vorab ein wenig Arbeit in Installation und Konfiguration investieren, doch dafür entschädigt hinterher das gute Gefühl, zu wissen, dass kein Konzern oder gar Nachrichtendienst mithört.

Was fürs gesprochene Wort recht ist, sollte auch für die Daten billig sein. Cloud-Speicherdienste wie Google Drive und Dropbox bieten zwar eine bequeme Möglichkeit für das Ablegen und Tauschen von Dateien aller Art – was aber der jeweilige Anbieter mit den Daten anfängt, bleibt weitgehend in dessen Ermessen. Daran ändert auch nichts, dass der Europäische Gerichtshof jüngst zurecht das weitgehend unverbindliche Safe-Harbor-Abkommen kassiert hat, das insbesondere US-Geheimdiensten praktisch freie Bahn zum Zugriff auf online gespeicherte Daten lässt.

Auch hier springen der RasPi und freie Software in Form des pfiffigen Syncthing in die Bresche und erlauben Ihnen einen abhörfreien Austausch von Daten zwischen Ihren Systemen und Mobilgeräten. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 8 in diesem Heft. Auch für den sicheren Zugriff von überall aus auf die in Ihrem LAN gespeicherten Daten können Sie einen RasPi samt des quelloffenen Webservers Nginx als Reverse Proxy einsetzen. Die Kombi fungiert dann quasi als Türsteher und gewährt nur berechtigten Nutzern und Diensten Zugang (siehe Artikel ab Seite 28).

Diese drei Einsatzmöglichkeiten demonstrieren stellvertretend für viele weitere, dass der Raspberry Pi bedeutend mehr ist, als bloß einer von vielen Bastelrechnern: Durch die unschlagbare Kombination mit freier Software mausert er sich zum wichtigen Baustein für Privacy und Security in einer Zeit, in der immer mehr Firmen, Staaten und Behörden dem Bürger an die Daten wollen. Dabei macht er rundum eine gute Figur – und das zu einem für jedermann erschwinglichen Preis, bei dem keine kommerzielle Lösung mithalten kann.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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