Der Raspberry Pi mit RasPlex als Client für den Plex Media Server

© Prudencio Alvarez, 123RF

Perplex

,

Plex fungiert als dezentrale Mediacenter-Software: Ein Server beliefert Plex-Clients mit indexierten Filmen, Musik oder Bildern. Clients gibt es nicht nur für PCs, sondern auch für Mobilgeräte und Spielekonsolen. RasPlex verwandelt einen Raspberry Pi in einen Plex-Client.

Mit nur einer Glotze im Haus haben Sie es leicht: Einmal ein Mediacenter wie OpenELEC für Raspberry Pi einrichten, und das war's. Stehen jedoch im Wohnzimmer, im Hobbyraum und im Schlafzimmer Fernseher, die ebenfalls über ein Mediacenter verfügen sollen, dann müssen Sie nicht nur einen RasPi für jeden Raum vorbereiten, sondern auch die Konfiguration mehrmals wiederholen. Sollen die einzelnen Mediacenter gar noch über einen einheitlichen Datenbestand verfügen, dann müssten Sie einen MySQL-Server aufsetzen und tief im Inneren von Kodi die entsprechenden Einstellungen vornehmen [1]. Das Ganze geht aber auch einfacher: Das Plex Media Center besteht aus einer Server-Komponente und verschiedenen Clients, auch für Smartphones und Tablets. So müssen Sie nur einmal den Server einrichten, die Clients beziehen dann sämtliche Daten über das Netz.

Beim Plex Media Server [2] oder kurz PMS handelt es sich um einen kommerziellen Medienserver für Linux, FreeBSD, Mac OS X und Windows. Er übernimmt das Katalogisieren und Bereitstellen der heimischen Mediensammlung mit Videos, Musik, Podcasts und Fotos, die er mithilfe von Clients an Geräte wie Smart-TVs, Streaming-Boxen und mobile Geräte sendet. Solche Clients stellt Plex für zahlreiche Geräte, Spielekonsolen und Plattformen bereit, darunter Android, iOS, Fire TV, Windows Phone sowie Xbox und Playstation. Daneben bietet Plex mit dem Plex Home Theater eine auf Kodi basierende Mediacenter-Software an, die unter Linux, Mac OS X und Windows läuft. Das auf OpenELEC aufbauende RasPlex [3] bringt den Plex-Standard-Client auf den Raspberry Pi, unterscheidet sich von diesem jedoch in Bezug auf das Bedienkonzept grundlegend (siehe Tabelle "Plex und Kodi im Vergleich").

Kommerziell

Plex operiert nach dem Freemium-Modell: Das Basisprodukt kostet nichts, für das Vollprodukt oder Erweiterungen müssen Sie dagegen bezahlen – dazu später mehr. Der Standard-Client Client Plex Home Theater steht hingegen unter der GPL [4]. Ein Muss, schließlich basiert die Software zu großen Teilen auf dem Quellcode von XBMC (jetzt Kodi). Plex erweitert das Mediacenter in Kombination mit dem Plex-Server zu einem umfassenden Multimediasystem und integriert, zum Teil über Erweiterungen, unter anderem Inhalte aus Youtube, Vimeo, Hulu, Netflix, TEDTalks und CNN. Zudem unterstützt Plex Cloud-Dienste wie Dropbox, Box, Google Drive, Copy und Bitcasa. Um Bandbreite zu sparen oder zur Anpassung an das jeweilige Abspielgerät, beherrscht Plex das Transkodieren von Medien zur Laufzeit, also die serverseitige Umwandlung während des Streamens. So lassen sich dann auch Videos über eine dünne Anbindung streamen oder Bandbreite beim Streamen über das Mobilfunknetz sparen.

Plex und Kodi im Vergleich

Funktion

Kodi

Plex Media Server

 

Datenbank

Client (oder zentral via MySQL)

zentraler Server

Verwaltung

jeder Client einzeln

über zentrales Web-Interface des Servers

Transcoding

auf dem Client

auf dem Server

Unterstützte Hardware

zahlreiche Plattformen

noch mehr Plattformen als Kodi

Addons

fast unüberschaubar

eingeschränkt

Themes

vielfältig

eingeschränkt

Addon-Updates

über die Community

von Plex bereitgestellt

Kosten

freie Software

Freemium (Plex Pass ab 5 Euro/Monat)

Streaming ins Netz

sehr komplex

möglich

Für den Gebrauch von RasPlex benötigen Sie einen Plex Media Server in Ihrem Netzwerk. Für einen ersten Test genügt die Installation der Server-Komponente auf einem PC oder Notebook, auf dem sich Mediendateien befinden. Im Rahmen dieses Artikels kam dafür ein Debian-Notebook zum Einsatz. Auf der Webseite von Plex bietet der Hersteller zudem Pakete für Ubuntu, Fedora und CentOS an. Zusätzlich pflegt Plex Pakete für verschiedene NAS-Systeme von Synology und Qnap. Für Debian gibt es keine offiziellen Pakete oder Paketquellen, die Lücke füllt die Debian-Community: Im Forum von Plex [5] finden Sie Informationen zu einer geeigneten Paketquelle für Debian 7 "Wheezy". Entsprechend Listing 1 richten Sie diese ein und installieren das Server-Programm. Nutzen Sie bereits Debian 8, dann greifen Sie auf die von Plex für Ubuntu gedachten DEB-Pakete zurück, die auch mit der aktuellen Debian-Version funktionieren. In diesem Fall müssen Sie sich jedoch später von Hand um Updates kümmern.

Listing 1

 

$ echo "deb http://shell.ninthgate.se/packages/debian wheezy main" | sudo tee -a /etc/apt/sources.list.d/plexmediaserver.list
$ wget http://shell.ninthgate.se/packages/shell-ninthgate-se-keyring.key
$ sudo apt-key add shell-ninthgate-se-keyring.key
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install plexmediaserver

Nach der Installation und dem ersten Start des Plex-Server-Webfrontends über den Eintrag Plex Media Managers aus dem Anwendungsmenü oder direkt über die Adresse http://localhost:32400/web sollten Sie den Server auf der Webseite von Plex registrieren (Abbildung 1). Anschließend konfigurieren Sie den Dienst und richten die Medienbibliothek ein. Dazu öffnen Sie mit einem Klick auf das Haus-Icon die Übersicht und wählen oben in der linken Seitenleiste neben dem Zahnrad-Symbol das Plus-Icon an. Im sich daraufhin öffnenden Fenster (Abbildung 2) geben Sie die Art der dort enthaltenen Medien an und wählen das Quellverzeichnis aus. Die erweiterten Einstellungen dürfen Sie in der Regel ignorieren. Beim Hinzufügen der Medien und generell beim Einstieg hilft die sehr ausführliche Dokumentation [6], allerdings nur auf Englisch.

Abbildung 1: Den Plex Media Manager, die Server-Komponente von Plex, konfigurieren Sie nach der Installation über ein Webfrontend.
Abbildung 2: Aus der Übersicht fügen Sie über das kleine Plus-Icon neben den mit Ihrem Plex-Konto verknüpften Servern neue Quellen hinzu.

Nach dem Scannen zeigt der Plex Media Manager in der Übersicht die indexierten Medien an. Das Webfrontend unterscheidet dabei zwischen den mit Ihrem Plex-Account verknüpften Plex-Servern. Wählen Sie einen der aufgeführten Titel aus, erscheinen automatisch zusätzliche Informationen wie Erscheinungsjahr, Schauspieler oder aus dem Netz geladene Coverbilder sowie andere zum Film passende Grafiken (Abbildung 3). Mit einem aktuellen Browser wie Chrome, Chromium oder Opera lassen sich die Filme dann auch direkt abspielen (Abbildung 4). Öffnen Sie die URL des Webfrontends von einem anderen Rechner aus, dann klappt das auch über das Netzwerk.

Abbildung 3: Die Inhalte lassen sich über das Webfrontend einsehen und verwalten. Änderungen wirken sich direkt auf alle angebundenen Clients aus.
Abbildung 4: Mit einem geeigneten Browser wie Chrome oder Chromium streamen Sie Filme und andere Medien ohne einen Plex-Client direkt auf den Rechner.

Fallstricke

Plex besteht wie andere Mediacenter auf einer bestimmten Struktur und gibt recht strikte Konventionen für das Benennen von Dateien [7] vor – nur so gelingt es dem Programm, Mediadateien zuverlässig zu indexieren und in die eigene Datenbank einzureihen. Für einen kurzen Test genügt es, wenige Dateien aus den Bereichen Musik, Foto, Film und Serie nach Bedarf anzupassen und einzulesen. Um eine große Sammlung kompatibel für den "Plex-Scraper" zu machen, der die Festplatte nach Medien durchsucht, bieten sich Hilfswerkzeuge wie FileBot [8] an, die die Konvertierung im Batch-Betrieb vornehmen. Weil aber auch diese Werkzeuge einer Einarbeitung bedürfen, sollten Sie für das Konvertieren großer Sammlungen ein ruhiges Wochenende einplanen.

Da der Plex-Server auf Linux-Systemen unter dem eigenen Benutzerkonto plex läuft, müssen Sie zudem darauf achten, dass er die einzubindenden Daten überhaupt lesen darf. Bei Windows-Dateisystemen wie FAT32 oder NTFS müssen Sie die Laufwerke entsprechend mounten. Im Beispiel aus Listing 2 müssten Sie die UID, die Partitionsbezeichnung und den Mount-Punkt entsprechend den Ausgaben von id und lsblk an Ihr System anpassen. Bei Linux-Dateisystemen wie Ext4 oder Btrfs korrigieren Sie die Rechte entsprechend Listing 3 direkt auf dem Dateisystem. Das Find-Kommando bietet gegenüber einem rekursiv ausgeführten chmod -R den Vorteil, dass Sie Dateien und Ordnern unterschiedliche Rechte zuweisen können.

Listing 2

 

$ id
uid=1000(clangner) gid=100(users) Gruppen=100(users),3(sys),[...],1003(lnm)
$ lsblk
NAME   MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
sda      8:0    0     8G  0 disk
|-sda1   8:1    0   7,6G  0 part /
|-sda2   8:2    0     1K  0 part
|-sda5   8:5    0   383M  0 part [SWAP]
sdb      8:16   0   1,4T  0 disk
|-sdb1   8:17   0   1,4T  0 part
$ sudo mount -t ntfs -o uid=1000,umask=0022 /dev/sdb1 /media/extern

Listing 3

 

$ find /Pfad/zur/Sammlung -type d -exec chmod 755 {} +
$ find /Pfad/zur/Sammlung -type f -exec chmod 644 {} +

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