Der Raspberry Pi als 3G-Hotspot

Automatik

Den automatischen Start übernimmt auch bei PPP-Wählverbindungen ein Eintrag in die Konfigurationsdatei /etc/network/interfaces (Listing 4, Zeilen 4 bis 8). Soll die Konfiguration des Netzwerkgeräts über die Interfaces-Datei erfolgen, die Verbindung aber nicht automatisch laden, deaktivieren Sie die Zeile 4 (auto ppp0) durch eine vorangestellte Raute (#). Die Zeile 7 führt vor dem Verbindungsaufbau das Skript /usr/local/sbin/setpin aus (Listing 5). Das kleine Programm wartet bis zu 30 Sekunden auf das Modem und setzt, sobald es das Modem findet, die PIN. Sobald die Verbindung steht, lädt das Kommando aus Zeile 8 noch eine Reihe von Firewall-Regeln – dazu später mehr.

Listing 4

 

auto lo
iface lo inet loopback
auto ppp0
iface ppp0 inet wvdial
provider umts
pre-up /usr/local/sbin/setpin
up iptables-restore < /etc/iptables.3ghotspot
auto br0
iface br0 inet static
address   192.168.100.250
netmask   255.255.255.0
network   192.168.100.0
broadcast 192.168.100.255
bridge-ports eth0 wlan0
bridge_maxwait 0

Listing 5

 

#!/bin/bash
# in case /dev/ttyUSB0 does not exist, wait for it at most 30 seconds
let i=1
while ! test -c /dev/ttyUSB0; do
  let i+=1
  if [ $i -gt 10 ]; then
    logger -s -t setpin "/dev/ttyUSB0 does not exist"
    exit 3
  fi
  logger -s -t setpin "waiting 3 seconds for /dev/ttyUSB0"
  sleep 3
done
# check for pin and set it if necessary
wvdial pinstatus 2>&1 | grep -q '^+CPIN: READY'
if [ $? -eq 0 ]; then
  logger -s -t setpin "SIM card is ready to use :-)"
else
  logger -s -t setpin "setting PIN"
  wvdial pin 2>/dev/null
fi
echo -en "sleeping for 3 seconds ..."
sleep 3
echo " done"
exit 0

Nach dieser Vorarbeit sollte die Verbindung gleich beim Systemaufbau hochkommen. Testen Sie die UMTS-Leitung beispielsweise mit einem ping -c 3 google.de. Mit sudo ifdown ppp0 trennen Sie die Verbindung bei Bedarf wieder. Mit sudo ifup ppp0 veranlassen Sie das UMTS-Modem, sich wieder einzuwählen – dieses Kommando benötigen Sie auch, falls Sie den automatischen Verbindungsaufbau deaktiviert haben. Meldungen zum Auf- und Abbau der Verbindung finden Sie stets in der Logdatei /var/log/messages. Details zum Verbindungsaufbau während des Systemstarts suchen Sie hier allerdings vergeblich, da Linux das Netzwerk zu einem sehr frühen Zeitpunkt hochzieht, wenn der Systemlogger noch nicht läuft.

Kontrolle

Bei mobilen Datenverbindungen gilt es, das übertragene Datenvolumen im Auge zu behalten: In der Regel drosselt der Anbieter ab einer bestimmten Datenmenge die Geschwindigkeit der Datenleitung auf Schneckentempo, manch ein Mobilfunkvertrag rechnet sogar jedes weitere Kilobyte gegen teures Geld ab. Um das Übertragungsvolumen regelmäßig zu kontrollieren, setzen Sie das Programm Vnstat [3] ein. Es protokolliert zuverlässig die über jede Netzwerkschnittstelle übertragenen Datenvolumen und fasst die akkumulierten Daten in übersichtlichen Statistiken zusammen. Ständig vorhandene Schnittstellen wie eth0 oder wlan0 müssen Sie in Vnstat nicht extra konfigurieren, das PPP-Interface der UMTS-Leitung erfordert jedoch eine einmalige manuelle Initialisierung.

Sobald die WAN-Verbindung über den UMTS-Stick steht, geben Sie den Befehl sudo vnstat -u -i ppp0 ein. Ab jetzt protokolliert der Vnstat-Dienst den Datenverbrauch der UMTS-Schnittstelle, mit vnstat -i ppp0 geben Sie die aktuelle Statistik aus – es dauert jedoch eine Weile, bis sich diese füllt. Damit Sie zur Kontrolle des noch vorhandenen Datenvolumens nicht immer ein Terminalfenster öffnen müssen, richten wir gegen Ende des Artikels noch ein Webfrontend für Vnstat ein. Verlassen Sie sich jedoch nicht allein auf die von Vnstat ermittelten Daten: Zum einen aktualisiert der Daemon seine Datenbank nur in (konfigurierbaren) Abständen. Zum anderen wirkt sich der "Schlupf" durch die fehlende Echtzeituhr auf dem RasPi aus. Der Mini-PC aktualisiert seine Systemzeit erst mit Zustandekommen einer Netzwerkverbindung. In der Regel stimmt daher die Zuordnung des Verbrauchs zu einzelnen Tagen am Anfang einer Verbindung nicht.

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