RISC OS für den Raspberry Pi 2

© Wilm Ihlenfeld, 123RF

Einfach anders

,

Mit dem aktuellen Release RC14 legt das Projekt um RISC OS ordentlich nach: Das System arbeitet jetzt nicht nur kompatibel zu allen RasPi-Varianten, sondern bringt auch diverse Neuerungen mit.

Mit der aktuellen Version RC14 veröffentlicht das RISC-OS-Projekt ein System, das nicht nur alle derzeit erhältlichen Modelle des Raspberry Pi unterstützt, sondern eine ganze Menge Neuerungen mitbringt. Details dazu lesen Sie im Kasten "Neues in RISC OS".

Sie finden das RC14-Image auf der Heft-DVD dieser Ausgabe. Alternativ laden Sie es von der Webseite des Projekts [2] herunter. Anschließend übertragen Sie es mit Programmen wie USBit unter Windows oder Dd unter Linux auf die SD-Karte. Der folgende Aufruf entpackt das Image und kopiert es direkt auf die mobilen Speicher:

$ gunzip -c RISCOS_RC14.zip | sudo dd of=/dev/sda

Die Dateipfade müssen Sie entsprechend den Gegebenheiten auf Ihrem System anpassen. Beachten Sie: Dd meldet nur den Vollzug oder Fehler, ein falsches Ziel überschreibt es ohne Rückfrage. Unter Windows erlaubt USBit (Abbildung 1) das Übertragen gepackter Image-Dateien, ein Entpacken kann entsprechend entfallen.

Abbildung 1: Das Windows-Tool USBit erlaubt den Transfer gepackter Images auf SD-Karten.

Möchten Sie die Karte unter RISC OS beschreiben, verwenden Sie dafür das Tool !SDCreate (Abbildung 2), das Sie beim Projekt herunterladen. Starten Sie !SDCreate und lassen die Image-Datei darauffallen. Deaktivieren Sie den Punkt Create Image und wählen Sie unter Write Image das korrekte Laufwerk aus, bevor Sie den Schreibvorgang starten.

Abbildung 2: Mit dem Programm !SDCreate überspielen Sie RISC OS Image-Dateien.

Da RISC OS etwa 1900 MByte Platz benötigt, sollte die Speicherkarte mindestens 2 GByte Kapazität aufweisen. Das von RISC OS verwendete Filecore-Format erlaubt mit Bordmitteln kein nachträgliches Ändern der Partitionsgrößen. Falls die Speicherkarte also erheblich größer ausfällt, verschenken Sie den restlichen Platz. Lediglich die kommerzielle Software !Systemdisc von Piccolo Systems [3] vermag es, sie im Nachhinein zu ändern.

Neues in RISC OS

Die wohl wichtigste Änderung von RISC OS RC14 besteht in einer aktualisierten Firmware, die sich mit allen Modellen des Raspberry Pi verwenden lässt. Zu den weiteren wichtigen Neuerungen und Fehlerbereinigungen [1] zählen unter anderem die folgenden:

  • Die Ressource !Internet enthält jetzt das Dienstprogramm MD5 zum Abgleich von Dateiprüfsummen.
  • Das Grafik-Programm !ChangeFSI öffnet eine breitere Palette an unbekannteren Bitmap-Formaten.
  • Das Font-Konvertierungsprogramm ­1ToFont stürzt beim Umwandeln nicht mehr ab.
  • Das Bildmodus-Setup-Plugin für !Configure stellt bei Mausklick ein sauber geordnetes Menü von Auflösungen dar.
  • Booten von einem mit FSLock gesperrten Datenträger nutzt die alten Einstellungen schreibgeschützt, nicht wie früher leere Einstellungen.
  • Die MimeMap-Datei enthält eine größere Auswahl von häufig auftretenden Internet-MIME-Typen als bisher.
  • Das Drucken von Schriften über die Bitmap-Druckertreiber funktioniert nun auch in bestimmten Grenzfällen sicher.
  • Die Voreinstellungen des Webbrowsers Netsurf wurden geändert, weil das Tinct-Module nicht vollständig ARMV7-kompatibel ist.

Auch für Unterhaltung ist gesorgt: So bietet das Kartenspiel !Patience konfigurierbare Spielvarianten und zahlreiche Detailverbesserungen; neu hinzu kommt !Hopper, die RISC-OS-Version des beliebten Spiels Frogger.

Desktop und Software

RISC OS startet sehr schnell in einen voll funktionsfähigen Desktop (Abbildung 3). Der Standardbrowser Netsurf führt beim ersten Start einige Scans durch, bevor die Willkommen-Seite auf dem Bildschirm erscheint. Das in der Grundeinstellung aktivierte Netzwerk verbindet sich mit dem LAN, sobald Sie ein Ethernetkabel einstecken. Sollte es ohne angeschlossenes Kabel Probleme geben, brechen Sie die DHCP-Meldung und das folgende Info-Fenster jeweils mit [Esc] ab.

Abbildung 3: Auf den ersten Blick wirkt RISC OS wie ein System von vielen. Erst beim zweiten Hinsehen offenbart sich das grundsätzlich andere Design.

Einige HDMI-zu-VGA-Adapter bereiten dem System derzeit noch Probleme hinsichtlich der Tonausgabe. Um einen Beamer als Ausgabegerät zu nutzen, müssen Sie in der config.txt eine geeignete Bildschirmauflösung eintragen. Doppelklicken Sie hierzu bei gehaltener Umschalttaste auf die Datei und passen Sie diese entsprechend an.

Für RISC OS stehen viele qualitativ hochwertige Programme bereit, die Sie mit !PackMan und !Store verwalten. Alles, was Sie über die Installation von Software unter Windows oder Linux wissen, können Sie unter RISC OS über Bord werfen: Hier wird ein Programm in der Regel nicht wirklich installiert. Bei den !Programmen handelt es sich um Verzeichnisse mit vorangestelltem Ausrufezeichen (dem "Pling"). Um den jeweiligen Ordner und nicht die darin enthaltene Software zu öffnen, halten Sie die Umschalttaste gedrückt und doppelklicken dann darauf. Im jeweiligen Verzeichnis befindet sich fast alles, was das System zum Ausführen des Programms benötigt. Lediglich Bibliotheken und Funktionen, die viele Programme nutzen, befinden sich in !Boot. Weiterhin erstellen viele Programme beim ersten Start ein Verzeichnis unter !Boot.Choices, wo sie unter anderem ihre Voreinstellungen speichern.

Zur Installation der Software genügt es in der Regel, auf das Archiv doppelzuklicken und den Inhalt des sich öffnenden SparkFS-Fensters in ein Verzeichnis Ihrer Wahl zu ziehen. Auch ein nachträgliches Verschieben an einen anderen Ort gestaltet sich meist unkritisch. Spätestens nach einem Neustart des Rechners funktioniert das Programm wieder. Möchten Sie ein Programm loswerden, genügt es im Umkehrschluss, das entsprechende Verzeichnis zu löschen.

Paketverwaltung

Die Paketverwaltung !Store wird von Plingstore [4], einem der Händler aus UK, angeboten und gepflegt. Es bietet jedem Entwickler kostenfrei die Möglichkeit, seine Software anderen bereitzustellen. Sie starten die Applikation mit einem Doppelklick auf das !Store-Icon auf dem Desktop. Bei jedem Start lädt das Programm zunächst die Liste der aktuell verfügbaren Software herunter (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Programmverwaltung !Store des britischen Herstellers Plingstore bietet eine Vielzahl interessanter Tools zum Download an.

!Store verwaltet die vorhandene Software nach Kategorien und erlaubt auch das Anlegen von Favoriten. Der Großteil der Applikationen lässt sich nach Anmeldung frei herunterladen. Berühren Sie einen Eintrag mit dem Mauszeiger, öffnet sich eine kurze Beschreibung. Kostenpflichtige Software bezahlen Sie mit Kreditkarte oder per Paypal.

Die Paketverwaltung installiert die ausgewählte Software nicht, sondern lädt sie nach klassischem RISC-OS-Verhalten lediglich herunter. Programmverzeichnisse wählen Sie frei aus. Zumindest die freie Software steht in der Regel auch auf den Projektseiten der Entwickler zum Herunterladen bereit.

RiscPkg stellt den Versuch dar, unter RISC OS einen Paketmanager nach Linux-Vorbild zu etablieren; die zugehörige Software nennt sich !PackMan. Nach dem Doppelklick auf das gleichnamige Symbol erhalten Sie eine Übersicht der installierten und der verfügbaren Software (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das Tool !PackMan stellt den Versuch dar, eine Linux-ähnliche Paketverwaltung unter RISC OS zu etablieren.

Ein Klick auf einen Eintrag öffnet im unteren Fensterbereich eine kurze Beschreibung der Software. Installieren Sie Programme über !PackMan, erhalten Sie lediglich eine Rückmeldung über den Erfolg oder Misserfolg. Sie erfahren jedoch nicht, wohin die Applikation installiert wurde. Wie sich herausstellt, dient die Kategorie als Ziel: So richtet die Paketverwaltung beispielsweise Programme aus der Sparte Applikation unter !Apps ein. Alte Hasen empfinden diese Vorgehensweise als Bevormundung, für Neueinsteiger ist diese automatische Installation sicher hilfreich.

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