Open Source Media Center im Test

© Les (Ladislav) Palenik, 123RF

TV-Evolution

Möchten Sie auf Ihrem RasPi-Mediacenter mehr als nur Filme ansehen, kommen Sie mit OpenELEC nicht weit. Das auf Debian basierende OSMC lässt den Fokus auf den Einsatz am TV nicht aus den Augen, gibt sich genauso flexibel wie sein Elter.

Wer einen RasPi zum Mediacenter ausbauen möchte, der greift in der Regel zur Kodi-Distribution OpenELEC [1]. Das auf einem von den Entwicklern selbst gestrickten, schlanken Linux basierende Mediacenter erfreut sich unter RasPi-Nutzern eines ausgezeichneten Rufs als schnelle, zuverlässige und leistungsfähige Lösung. Der auf Multimedia-Aufgaben optimierte Unterbau sorgt jedoch für eine gewisse Starrheit: OpenELEC fungiert ausschließlich als Mediacenter – möchten Sie den RasPi auch für andere Dinge nutzen, müssen Sie sich einen zweiten anschaffen.

Für solche Dual-Use-Fälle bieten sich als Alternative Mediacenter-Distributionen an, die auf einer herkömmlichen Distribution aufsetzen. Zu den Vorreitern in dieser Kategorie zählen das inzwischen eingestellte Raspbmc [2] und Xbian [3]. Einen ausführlichen Vergleich zwischen Xbian und OpenELEC konnten Sie bereits in RPG 04/2015 lesen [4]. Mit dem Open Source Media Center oder kurz OSMC [5] steht seit Ende Juni ein weiteres auf Debian basierendes RasPi-Mediacenter in einer ersten offiziellen Version bereit.

Open Source Media Center

Wie schon bei Xbian setzen die Entwickler von OSMC auf Debian als Unterbau – konkret auf das aktuelle Debian 8.1 Jessie. Somit eignet sich OSMC eben nicht nur als Mediacenter, sondern auch als kleiner Datei- oder Druckserver oder für fast jedes andere Projekt, das Sie mit dem Raspberry Pi verwirklichen möchten. Das macht OSMC als Mediacenter jedoch nicht komplizierter als OpenELEC – viele Details löst es sogar besser als der Mediacenter-Platzhirsch.

Dies fängt bereits bei der Installation an: Wie bei Raspberry-Pi-Projekten üblich, bietet OSMC Image-Dateien zum Kopieren auf die SD-Speicherkarte des RasPi (Modell 1 und 2) an [6]. Für alle, die sich beim Schreiben des Images mit Tools wie dem Win32 Disk Imager oder Dd unsicher fühlen, stellt OSMC einen Installationsassistenten bereit [7]. Das unter Linux, Mac OS X und Windows lauffähige Programm lädt OSMC aus dem Netz und schreibt das Image auf USB-Sticks oder auf eine in einen Kartenleser eingelegte Speicherkarte (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der OSMC Installer für Linux, Mac OS X und Windows hilft beim Vorbereiten des Installationsmediums für den Raspberry Pi und andere geeignete Geräte.

Nach dem Start von der via Assistent vorbereiteten Speicherkarte optimiert sich OSMC beim ersten Start automatisch. So ordnet es sich etwa den restlichen Speicherplatz der SD-Karte zu und fragt über eine kleine Setup-Routine die gewünschte Lokalisierung ab. Zudem müssen Sie dem Endbenutzer-Lizenzvertrag zustimmen und beantworten, ob Sie den OSMC-Newsletter abonnieren möchten.

Anschließend landen Sie direkt im Kodi-Mediacenter, das jedoch aufgrund eines von OSMC gestalteten eigenständigen Themes nicht wie gewohnt aussieht (Abbildung 2). Der aufgeräumte OSMC-Skin verzichtet auf optischen Firlefanz, zum Teil ergeben sich allerdings durch die schwachen Kontrastwechsel bei Anwahl eines Menüpunkts und die ungewohnte Anordnung der Dialoge Schwierigkeiten bei der Bedienung.

Abbildung 2: Im Gegensatz zu anderen Kodi-Distributionen wie etwa OpenELEC oder Xbian bringt OSMC ein komplett eigenständiges Theme mit.

Vero

OSMC-Entwickler Sam Nazarko [11] refinanziert die Entwicklung seiner Distribution mit dem Vertrieb des von Haus aus mit OSMC ausgestatteten Mediaplayers Vero [12]. Der basiert zu großen Teilen auf dem CuBoxTV [13] und war bei seiner Veröffentlichung dem RasPi weit überlegen. Im Vergleich mit einem Raspberry Pi 2 zieht der Vero mit nur zwei Kernen zwar den Kürzeren, punktet dafür jedoch mit einer schnelleren Cortex-ARM-A9-CPU, 1 GByte DDR3 RAM und Gigabit-LAN. Er kostet allerdings auch stolze 220 Euro.

Einfach zu konfigurieren

Das Hauptmenü ordnet OSMC nicht, wie bei Kodi üblich, horizontal als Streifen in der Bildmitte an, sondern als Seitenleiste am linken Bildschirmrand. Hier finden Sie die üblichen Einträge wie Filme, Videos und Musik sowie die Einstellungen zum Einrichten des Mediacenters. Neu ist der Eintrag My OSMC (Abbildung 3): Hier sammeln die Entwickler die in eigener Regie entwickelten Erweiterungen. Dazu zählen etwa Pi Config zum Bearbeiten der RasPi-spezifischen Konfiguration [8], ein App Store zur Installation nützlicher Programme wie einem Tvheadend-Server sowie ein Bittorrent-Client und die integrierte Update-Routine.

Abbildung 3: In My OSMC konzentriert das Open Source Media Center sämtliche in Eigenregie entwickelten Funktionen und Werkzeuge.

Besonders relevant erscheinen unter My OSMC | Pi Config | GPU**Mem**&**Codec die Optionen Enter MPG2 Licence und Enter WVC1 Licence. Sie dienen zum Eintragen der optional erhältlichen Lizenzschlüssel für die in die Hardware des Raspberry Pi gegossenen MPEG- und VC1-Codecs. Ebenfalls sehr nützlich ist die Option max_usb_current zum Erhöhen der an den USB-Ports anliegenden Stromstärke, sodass externe 2,5-Zoll-Festplatten am RasPi ohne zusätzliches Netzteil anlaufen (Abbildung 4). Für beides müssten Sie bei OpenELEC zum Texteditor greifen und Dokumentationen lesen.

Abbildung 4: Die Konfigurationsmöglichkeiten gehen so weit, dass OSMC eine grafische Oberfläche zum Bearbeiten der RasPi-Konfiguration mitbringt.

Auch beim Übertakten des RasPi nimmt OSMC Ihnen Arbeit ab. Statt wie bei OpenELEC von Hand an der config.txt des Systems zu drehen, brauchen Sie bei OSMC lediglich My OSMC | Overclock zu öffnen, um mit einem Klick auf Turbo den RasPi zu beschleunigen. Alternativ tragen Sie unter Custom eigene Werte für Taktraten oder die Spannungen ein (Abbildung 5). Details zu den jeweiligen Einstellungen erhalten Sie zum Beispiel auf der RasPi-Config-Seite [10].

Abbildung 5: Auch das Übertakten des Raspberry Pi geschieht aus My OSMC heraus mit wenigen Klicks. So kitzeln auch Einsteiger das Maximum aus dem System.

Soll der OSMC-RasPi drahtlos ins Netz finden, bemühen Sie dazu unter Network | Wireless eine grafische Oberfläche für die WLAN-Einstellungen. Steckt ein kompatibler WLAN-Stick im RasPi, aktivieren Sie ihn über Enable Adapter und wählen dann rechts das gewünschte WLAN aus der Liste der gefundenen Drahtlosnetzwerke an (Abbildung 6). Nach Eintippen der Zugangsdaten baut OSMC automatisch die Netzwerkverbindung auf. Auf Reisen kommt die Tethering-Funktion gelegen, mit der Sie OSMC in einen Hotspot verwandeln.

Abbildung 6: Steckt ein geeigneter WLAN-Stick am RasPi, bauen Sie aus der Oberfläche heraus eine WLAN-Verbindung auf oder aktivieren gar Tethering.

SSH

Im Gegensatz zu OpenELEC bringt OSMC von Haus aus einen aktivierten SSH-Server mit. Um sich mit diesem zu verbinden, lesen Sie unter Einstellungen | Systeminfo | Netzwerk die IP-Adresse des OSMC-RasPi aus (alternativ gelingt dies über das Web-Frontend Ihres WLAN-Routers) und melden sich dann mit dem Kommando ssh oder einem SSH-Client für Windows wie PuTTY [14] am RasPi an (User osmc, Passwort osmc). So lassen sich dann auch sehr bequem Daten per Dateimanager oder WinSCP [15] auf das OSMC-System kopieren.

Zudem steht Ihnen unter OSMC ein vollwertiges Debian-System mitsamt Abertausenden von Programmen aus den Debian-Paketquellen zur Verfügung (Abbildung 7). OSMC ergänzt die /etc/apt/sources.list lediglich um einen eigenen Eintrag, nutzt aber ansonsten die regulären Debian-Quellen. Wie gewohnt durchsuchen Sie die Paketquellen mit apt-cache search Begriff und installieren die gewünschten Pakete dann anschließend mit sudo apt-get install Paket.

Abbildung 7: Unter der Haube des Open Source Media Centers steckt ein gewöhnliches Debian-System in Version 8.1 mit allem Drum und Dran.

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