Mit Turboprint den RasPi zum Printserver umrüsten

© Happystock, 123RF

Zufuhr von außen

Der RasPi eignet sich eigentlich als kleiner Druckerserver – doch die Auswahl an Treibern für ARM ist begrenzt. Das Paket Turboprint von Zedonet schafft hier Abhilfe.

Die kleine deutsche Firma Zedonet [1] bietet schon lange ein Paket namens Turboprint für Linux an, das fehlende Druckertreiber kostengünstig nachrüstet. Während es üblicherweise für die Billigdrucker einen rudimentären Support durch den Hersteller für Linux gibt, fehlen gerade für Fotodrucker im oberen Preissegment geeignete Treiber.

Zwar handelt es sich bei Turboprint um Closed Source, aber der günstige Preis und der großzügige Zeitraum von 30 Tagen zum Testen erlauben es, zu entscheiden, ob sich der Kauf lohnt. Seit Neuestem gibt es außerdem eine Version für die ARM-Architektur. Angepasst an den günstigen Preis der Mini-PCs verlangt die Firma dafür nur 9,95 Euro inklusive freier Updates für sechs Monate beziehungsweise 14,95 Euro mit Updates für zwei Jahre. Wer schon eine Familienlizenz besitzt, nutzt die Druckertreiber sogar umsonst auf dem Pi.

Eine allgemeine Einführung ins Drucksystem unter Linux findet sich online [2]; der Kasten "Das Drucksystem Cups" fasst die wichtigsten Punkte zusammen. Hardwareseitig genügt ein Modell B; hängt der Pi per Kabel am Netzwerk, tut es sogar ein Modell A. Turboprint funktioniert übrigens auch mit anderen ARM-Rechnern: Im Test lief es erfolgreich auf einem Banana Pi unter Bananian.

Das Drucksystem Cups

Das Common Unix Printing System, kurz Cups, gilt seit Jahren als Standard für das Drucken unter Unix. Das Unternehmen Apple arbeitet aktiv daran weiter. Cups ist konsequent auf den Einsatz im Netzwerk ausgelegt, wozu es das Internet Printing Protokoll IPP nutzt. Die Administration erfolgt entweder über das Kommando cupsctl, über die Tools der jeweiligen Distribution oder über die URL http://localhost:631 (bei entsprechender Rechte-Konfiguration selbst von einem entfernten Rechner). Cups entkoppelt physische von logischen Druckern: So gelingt es problemlos, für denselben Drucker einmal eine Farb- und einmal eine S/W-Warteschlange einzurichten. Damit sparen Sie sich beim Drucken den Umweg über die Einstellungen. Sogenannte PPD-Dateien speichern die Fähigkeiten der Drucker. Mit deren Hilfe passen Anwendungsprogramme die Dialoge dynamisch den Fähigkeiten des Druckers an, bieten also nur solche Optionen zur Auswahl, die der Drucker auch versteht. Mehr zu Cups finden Sie über dessen webbasierte Oberfläche oder im Netz [2] heraus.

Installation

Da sich das Paket von Turboprint ins normale Drucksystem einklinkt, setzt es voraus, dass Sie vorab das Paket cups installieren (Listing 1). Das Paket ist im sonst so üppig ausgestatteten Raspbian oft nicht eingerichtet. Das Kommando in Zeile 3 fügt den User pi der Gruppe lpadmin hinzu: So darf er in der Weboberfläche von Cups alle administrativen Tätigkeiten übernehmen. Ansonsten sind keine weiteren vorbereitenden Aktivitäten notwendig.

Listing 1

 

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install cups
$ sudo usermod -a -G lpadmin pi
$ sudo tar -xvzpf turboprint-2.36-1.ARMhf.tgz
$ cd turboprint-2.36-1/
$ sudo ./setup

Das Herunterladen der Testversion ist schnell erledigt [3]. Achten Sie dabei darauf, auch wirklich die ARM-Variante auszuwählen. Das Paket kommt als gezipptes Tar-Archiv mit rund 24 MByte Umfang. Das Kommando aus der vierten Zeile von Listing 1 entpackt das Archiv. Jetzt wechseln Sie in das neu entstandene Unterverzeichnis und rufen dort das grafische Installationsprogramm auf (Zeile 6). Verwalten Sie das System auf der Kommandozeile via SSH, nutzen Sie stattdessen den Befehl ./setup.sh.

Die grafische Installationsroutine fragt diverse Parameter ab, in aller Regel können Sie die Vorgabewerte übernehmen (Abbildung 1). Für die Testversion überspringen Sie einfach die Eingabe des Lizenzschlüssels. Nach Abschluss der Installation richten Sie den Drucker ein. Im Kontrollzentrum – Sie erreichen es nach der Installation über das Menü oder rufen direkt das Programm turboprint auf – fügen Sie über die verschiedenen Icons neue Drucker hinzu oder geben nachträglich den Lizenzschlüssel ein (Abbildung 2). Je nach den Fähigkeiten des Druckers bietet das Kontrollzentrum mehr oder weniger Möglichkeiten zum Konfigurieren des Druckers an (Abbildung 3).

Abbildung 1: Das Installationsprogramm von Turboprint fragt die notwendigen Parameter ab, darunter den Lizenzschlüssel. Testen Sie die Software, brauchen Sie den Schlüssel nicht einzugeben.
Abbildung 2: Das Turboprint-Kontrollzentrum erlaubt es, Drucker hinzuzufügen, diese zu konfigurieren oder nachträglich einen Lizenzschlüssel einzugeben.
Abbildung 3: Die Konfiguration des Druckers variiert je nach Modell. Bei manchen stehen viele Optionen zum Einstellen bereit, bei anderen weniger.

Arbeiten Sie lieber auf der Konsole, verwenden Sie zum Einrichten von Druckern die CLI-Version tpsetup und für das Konfigurieren der Geräte den Befehl tpconfig.

Im Betrieb

Nach dem Einrichten taucht der neue Drucker unter Cups auf (Abbildung 4) und steht damit lokal auf dem RasPi zur Verfügung. Im Druckdialog jeder Anwendung dürfen Sie jetzt den Drucker auswählen; im Installationsverzeichnis von Turboprint gibt es darüber hinaus ein paar einfache Seiten für Probeausdrucke.

Abbildung 4: Einmal in Turboprint konfiguriert, steht das entsprechende Gerät in Cups bereit und erscheint so in den Dialogen zum Drucken.

Interessanter ist freilich der Remote-Betrieb, in dem der RasPi als Printserver werkelt. Dazu schalten Sie als Administrator in der Cups-Verwaltung die Freigabe über das Netz ein (Abbildung 5). Auf entfernten Rechnern müssen Sie dann noch – ebenfalls unter Cups – eine entsprechende Warteschlange für den Drucker auf dem Netzwerkrechner konfigurieren. Cups findet entsprechend eingerichtete Drucker selbstständig und ohne manuellen Eingriff. Auch der Einsatz des Druckers unter Windows ist möglich, das Einrichten fällt hier aber etwas komplizierter aus [2],[4].

Abbildung 5: Über eine Freigabe der angeschlossenen Drucker ermöglichen Sie anderen Rechnern, via Netzwerk Druckaufträge an die angeschlossenen Geräte zu senden, und verwandeln den RasPi so in einen Printserver.

Drucken Sie von einem entfernten Rechner aus über den RasPi, haben aber trotzdem lokal das Turboprint-Paket installiert, dann nutzen Sie alle Vorteile des Turboprint-Druckmonitors, insbesondere Informationen zum Tintenstand (Abbildung 6), die Druckvorschau oder das Gimp-Druck-Plugin (noch nicht für ARM erhältlich).

Abbildung 6: Der Turboprint-Monitor gibt Aufschluss über den Tintenstand und den Verbrauch des Geräts, selbst wenn dieses an einem zentralen Printserver hängt.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Aktuelle Ausgabe

02/2018
Digital Signage

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 7,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Neues auf der Heft-DVD

    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial des Raspberry Pi. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur die neusten Distributionen für den RasPi und Co., sondern gleichzeitig auch die passenden Programme zu den Artikeln.

  • Ferngebootet

    Das Booten über das Netzwerk beherrscht auch der RasPi 3 – und bietet damit sehr viel mehr Flexibilität, als Sie mit SD-Cards erzielen können.

  • Bleibende Werte

    Ein EEPROM dient dazu, Daten auch nach Abschalten der Energiezufuhr zu speichern, etwa als Kanalspeicher in Autoradios. Wir zeigen, wie Sie einen solchen Speicher beschreiben und wieder auslesen.

  • Auf Wolke 1

    Mit einem schnellen Netzwerkanschluss und einer SATA-Schnittstelle dient sich der Odroid HC1 als NAS-Alternative an – allerdings nicht für jedermann.

  • Wohnungsfunker

    Der kompakte Router GL.iNet dockt problemlos am Raspberry Pi an und erweitert diesen um einen Access Point samt Server-Funktion.

  • Satter Sound

  • Wer klopfet an?

    Wechselsprechanlagen mit Bild- und Tonübertragung gibt es zwar von der Stange, allerdings zu gesalzenen Preisen. Günstiger und obendrein flexibler ist ein Eigenbau mit Pi Zero und RasPi 3.

  • Wiedergeburt

    Mit dem Keyrah-Tastaturadapter und einem Raspberry Pi machen Sie aus einem defekten C64 eine optimale Emulator-Station, bei der Sie die originale Tastatur und die Joystick-Ports nutzen.

  • Kleine Nachtmusik

    Waveform8 beseitigt einige Ecken und Kanten des Vorgängers Tracktion – und macht die DAW endgültig fit für den Einsatz auf dem Raspberry Pi.

  • Recycling

    Mit einer Dockingstation lassen sich ausgemusterte IDE/SATA-Festplatten im 2,5- und 3,5-Zoll-Format am Raspberry Pi betreiben. Mit dem Samba-Server gliedern Sie den Mini-Rechner dann als Datenspeicher in Ihr lokales Netzwerk ein.