Intel NUC – eine Alternative zum RasPi?

© Scott Betts, 123RF

Mehr als geNUC

Mini-Computer gibt es nicht nur auf ARM-Basis, sondern auch mit klassischen x86-CPUs. Zu den bekanntesten Vertretern der Gattung zählen die Boards und Barebones der NUC-Serie von Intel. Wir untersuchen, ob, wo und inwieweit sie mit dem RasPi konkurrieren können.

Intels Kleinstrechner hören auf den Namen Next Unit of Computing oder kurz NUC. Das Intel-Marketing wollte damit suggerieren, in den kleinen Kistchen liege die Zukunft der Desktop-Rechner. Für diese Position haben sich zwar inzwischen in vielen Haushalten die Tablets qualifiziert, der Name ist dennoch geblieben. Auch der Formfaktor änderte sich seit der Vorstellung der ersten NUCs im Jahr 2013 kaum, die Innereien mit jeder Generation selbstverständlich schon.

Das Volumen eines NUC beträgt ungefähr das Doppelte eines Raspberry Pi mitsamt Gehäuse. Abbildung 1 zeigt die große Variante des NUC, es gibt jedoch noch eine Version in halber Höhe – später mehr dazu. In Sachen Größe geht der NUC daher als Kleincomputer durch, bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch eine Reihe von Unterschieden, die viele Vergleiche hinfällig machen. Insbesondere fehlt dem NUC eine GPIO-Leiste zum Anschluss von Erweiterungsmodulen oder Sensoren. Damit fällt er für sämtliche Anwendungsgebiete flach, die eine solche Schnittstelle voraussetzen.

Diesen Nachteil macht der NUC jedoch durch andere Fähigkeiten wett. Als potenzieller Käufer gilt es also abzuwägen, welche Funktionen unverzichtbar sind. Da es aber "den NUC" als solches gar nicht gibt – es handelt sich ja um eine ganze Klasse von Geräten –, steht vor dem Kauf sowieso erst einmal die Qual der Wahl.

Abbildung 1: Ein NUC-Barebone samt Speicherriegeln und M.2-SSD im Größenvergleich mit einem Raspberry Pi.

Kaufberatung

Die Webseiten von Intel präsentieren eine Übersicht der angebotenen NUC-Varianten [1]. Nicht alle davon gibt es noch zu kaufen, manche fanden nie weitere Verbreitung. Besonders interessant erscheinen eigentlich nur drei der Kandidaten.

Als ältester und am schwächsten ausgerüsteter Vertreter stellt der etwa 140 Euro teure DN2820FYKH [2] die Einstiegsklasse dar. Mit seinem Atom-Doppelkern steckt er jeden RasPi leistungsmäßig in die Tasche; die Ausstattung mit eingebautem WLAN und Bluetooth sowie mit Standardschnittstellen wie HDMI prädestiniert ihn für den Einsatz als günstigen und trotzdem leistungsfähigen Mediaplayer.

Am anderen Ende der Skala stehen die NUCs der aktuellen Generation mit Broadwell-Chips und USB-3.0-Anschlüssen. Der NUC aus Abbildung 1, ein NUC5i3RYH [3], hat einen sinnvollen Namen erhalten – NUC5 steht für fünfte Generation, i3 für die CPU-Klasse und RYH signalisiert ein hohes Gehäuse. Der Doppelkerner (i3-5010U, 2,1 GHz, Hyperthreading) kostet 280 Euro, etwa das Doppelte des DN2820FYKH. Die halbhohe Variante NUC5i3RYK [4] mit gleicher Ausstattung baut noch kompakter und kostet etwa gleich viel, bietet aber keinen Platz für eine zusätzliche 2,5-Zoll-SATA-Platte. Bei den leistungsstärkeren Geschwistern NUC5i5RYH [5] und NUC5i7RYH [6] mit Core-i5- beziehungsweise i7-CPU fällt der Preis noch höher aus.

Dazwischen liegt eine Reihe von Varianten, die nur in Spezialfällen von Interesse sein dürften. Der D34010WYKH [7] aus der letzten Generation etwa liegt preislich nur etwa 20 Euro unter einem NUC5i3RYH, bietet aber weder WLAN noch Bluetooth oder eine Infrarot-Schnittstelle. Dafür besitzt er einen Anschluss für eine klassische mSATA-SSD. Das mag als Kaufgrund für jemanden ausreichen, bei dem so eine Platte herumliegt – generell erscheint das System im Vergleich zur aktuellen Generation jedoch weniger attraktiv.

Letztlich stellt sich daher in der Regel die Frage, ob der Aufpreis von 140 Euro für einen NUC5i3RHY gegenüber dem Modell D34010WYKH die gewonnene Flexibilität wert ist. Der Core-i5-NUC bietet eine mehr als dreimal höhere CPU-Leistung und gibt über den integrierten Mini-Displayport hochauflösende 4K-Videos mit 60 Hz aus. Beim Stromverbrauch gibt es im Idle-Modus hingegen so wenig Unterschiede, dass dieser als Kriterium keine Rolle spielt.

Ausstattung

Intel bietet alle NUCs sowohl als sogenannte Kits mit Gehäuse und Stromversorgung an als auch pur als nacktes Mainboard an. Speicher und Festplatte fehlen dagegen immer, sie gilt es, extern zu beschaffen und zusätzlich zu installieren. Abbildung 1 zeigt die benötigten Speicherriegel. Alle NUCs benötigen DDR3L-1333/1600-SODIMMs mit 1,35 Volt Versorgungsspannung. Bei der Suche nach passendem Speicher ist Vorsicht angebracht: Es kommt häufig vor, dass Verkäufer falsche oder gar keine Angaben machen. Die Kompatibilitätsliste von Intel [8] oder die Informationen der jeweiligen Hersteller helfen im Zweifelsfall bei der Auswahl.

Die Broadwell-Chips in den aktuellen NUCs profitieren vom Dual-Channel-Betrieb, daher sollten Sie entweder zwei 2-GByte-Speicherriegel oder zwei 4-GByte-SODIMMs einsetzen. Mit den zwei 4-GByte-Chips CT51264BF160B von Crucial reicht die Speicherausstattung für die allermeisten Aufgaben locker aus. Der Preis für zweimal 2 GByte liegt um die 35 Euro; die doppelt so großen Speichermodule schlagen in Summe mit etwa 50 Euro zu Buche.

Als Festplatte eignet sich, falls Sie einen NUC mit 2,5-Zoll-Einbauschacht anschaffen, jedes Speichermedium mit SATA-Anschluss in diesem Formfaktor. Da der NUC die Platte nicht vom Gehäuse entkoppelt, verursachen mechanische Platten Vibrationen und damit unnötige Geräusche. Nervenschonender arbeiten geräuschlose und stromsparende SSDs.

Zu den Besonderheiten der aktuellen NUCs zählt die Unterstützung für gehäuselose M.2-SSDs (Abbildung 1 ganz vorne) [9]. Die gibt es in zwei Ausführungen: einmal mit normaler SATA-III Schnittstelle und einmal mit PCIe (mechanisch gibt es keinen Unterschied). Letztere Variante geht messbar schneller zur Sache, kostet jedoch wesentlich mehr und bietet für die typischen Anwendungsfälle des NUC keinen spürbaren Vorteil. Auch die M.2-SATA-Variante kommt teurer als eine herkömmliche SATA-SSD, der Preisunterschied hält sich allerdings in Grenzen. Die Crucial-SSD MX200 M.2 (M.2 2280) [10] mit 250 GByte Kapazität aus Abbildung 1 kostet im Handel etwa 120 Euro.

Da der NUC mit Mini-Displayport und Mini-HDMI eher ungewöhnliche Ausgänge mitbringt, benötigen Sie entweder entsprechende Kabel oder einen Adapter (wie in Abbildung 1 auf dem NUC zu sehen). Letzterer setzt Mini-Displayport auf VGA, DVI und HDMI um – damit findet der NUC an allen gängigen Bildschirmen und Beamern Anschluss. Die Tabelle "Einkaufsliste" fasst die Investitionen zusammen. Ein Intel NUC NUC5i3RYH mit Core-i5-CPU und 8 GByte Arbeitsspeicher schlägt ohne Betriebssystem mit insgesamt 460 Euro zu Buche. Ein Raspberry Pi 2 mit Gehäuse, einfachem WLAN-Dongle, 16 GByte Speicherkarte und Stromversorgung kostet dagegen nur ungefähr 80 Euro.

Einkaufsliste

Komponente

Preis

NUC5i3RYH

280 Euro

Crucial SSD MX200 M.2 (250 GByte)

115 Euro

2 x CT51264BF160B (je 4 GByte)

50 Euro

Bildschirmadapter

15 Euro

Gesamtkosten

460 Euro

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