Der Raspberry Pi als Minecraft-Server

Vanilla-Server

Der Vanilla-Server benötigt als Systemvoraussetzung eine Java-Umgebung. Steht die SSH-Verbindung, geben Sie zur Kontrolle der Java-Installation java -version ins Terminal ein. Der Pi meldet daraufhin die Versionsnummer der installierten Java-Umgebung; Raspbian installiert in der Standardinstallation automatisch Oracles Java. Erscheint hingegen ein command not found, installieren Sie Java mit sudo apt-get install oracle-java8-jdk über die Paketverwaltung des Systems nach.

Danach legen Sie aus Sicherheitsgründen für den Server einen eigenen Benutzer an, erstellen ein neues Verzeichnis, weisen es dem User als Home-Verzeichnis zu und wechseln in dieses. Anschließend laden Sie die Server-Software in Form der Datei minecraft_server.Version.jar [9] aus dem Netz und korrigieren die Dateirechte (Listing 1). Achten Sie darauf, die jeweils neueste Ausgabe herunterzuladen. Dadurch bietet der Server nicht nur die neuesten Funktionen, ältere Server sind zum aktuellen Minecraft-Client eventuell nicht mehr kompatibel.

Listing 1

 

$ sudo adduser --system --no-create-home minecraft
$ sudo mkdir /opt/minecraft
$ sudo usermod -d /opt/minecraft minecraft
$ cd /opt/minecraft
$ sudo wget https://s3.amazonaws.com/Minecraft.Download/versions/Version/minecraft_server.Version.jar
$ sudo chown minecraft:nogroup -R /opt/minecraft

Damit haben Sie die Installation hinter sich – das Anlegen eines gesonderten Nutzers macht sie etwas aufwendiger als viele andere Installationsanleitungen im Netz das beschreiben. Server-Dienste sollten allerdings der Systemsicherheit wegen grundsätzlich im Kontext eines eigenen Users laufen.

Da es sich um ein Java-Archiv handelt, erfolgt der Start des Servers nun über einen Java-Befehl. Dazu wechseln Sie am einfachsten in das Verzeichnis des Archivs und rufen das Programm wie in Listing 2 zu sehen auf. Die Screen-Sitzung sorgt dafür, dass Sie das Terminalfenster nach dem Start des Diensts und Abkoppeln der Sitzung mit [Strg]+[A],[D] schließen dürfen.

Listing 2

 

$ screen -S minecraft
$ cd /opt/minecraft
$ sudo -H -u minecraft java -Xmx256M -Xms256M -jar minecraft_server.1.8.7.jar
### Bei Problemen den Server ohne weitere Parameter starten
$ sudo -H -u minecraft java -jar minecraft_server.1.8.7.jar

Beim ersten Start des Vanilla-Servers erhalten Sie nun jedoch umgehend eine Fehlermeldung, die eine fehlende Zustimmung zum Endbenutzer-Lizenzvertrag (EULA) bemängelt. Dazu legt die Software im selben Verzeichnis die Textdatei eula.txt an. Mit sudo nano eula.txt öffnen Sie die Datei im Standardeditor Nano und ändern darin die Zeile eula=false auf eula=true ab. Mit [Strg]+[O] speichern Sie die Änderung, wobei Sie mit [Eingabe] den Dateinamen bestätigen. Mit [Strg]+[X] kehren Sie in das Terminal zurück und rufen erneut den Minecraft-Server auf. Er zeigt Ihnen jetzt auf der Konsole seine Bereitschaft an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auf der Konsole verfolgen Sie das Geschehen auf dem Minecraft-Server, wie etwa das Generieren der Spielwelten und die Anmeldung von Nutzern.

Cuberite

Die Installation des Cuberite-Servers geschieht auf ähnliche Art und Weise. Zu seinen Vorzügen gehört, dass es eine für den ARM-Prozessor kompilierte Version gibt. Außerdem bietet Cuberite ein Web-Interface für die Konfiguration an – beim Vanilla-Server müssen Sie Konfigurationsdateien bearbeiten oder mit Kommandos aus dem Minecraft-Client heraus arbeiten.

Zur Installation laden Sie den aktuellen Build für ARM-Prozessoren herunter [10], erzeugen ein eigenes Benutzerkonto für Cuberite und entpacken das Programm aus dem aktuellen Verzeichnis nach /opt/ (Listing 3). Die dabei entstandenen Dateien und Ordner tragen noch die alten Namen des Projekts, wie etwa /opt/MCServer/.

Listing 3

 

$ sudo adduser --system --no-create-home cuberite
$ sudo tar -xf Cuberite.tar.gz -C /opt
$ sudo usermod -d /opt/cuberite cuberite
$ sudo chown cuberite:nogroup -R /opt/MCServer

Anschließend rufen Sie Cuberite innerhalb einer Screen-Sitzung unter dem zuvor eingerichteten Account auf (Listing 4). Beim Starten legt das Programm automatisch die Einstellungsdatei webadmin.ini für die Webschnittstelle an. Aus Sicherheitsgründen fehlen in dieser Datei die Login-Daten. Daher beenden Sie den Server mit [Strg]+[C] im Terminal und öffnen die Datei in Nano:

$ sudo nano /opt/MCServer/webadmin.ini

Hier löschen Sie das führende Semikolon vor dem Benutzernamen und dem Passwort und tragen ein Passwort für den Admin-Account ein (Listing 5). Mit [Strg]+[O] und [Eingabe] speichern Sie Ihre Änderungen wieder ab, sodass Sie dann mit [Strg]+[X] zurück zum Terminal kommen.

Listing 4

 

$ screen -S cuberite
$ cd /opt/MCServer
$ sudo -H -u cuberite /opt/MCServer/MCServer

Listing 5

 

; This file controls the webadmin feature of MCServer
; Username format: [User:*username*]
; Password format: Password=*password*; for example:
[User:admin]
Password=ganzgeheim
[WebAdmin]
Ports=8080
Enabled=1

Dort starten Sie Cuberite ein weiteres Mal, diesmal loggen Sie sich nun aber mit einem Browser unter der URL http://localhost:8080 beziehungsweise allgemein unter http://IP-Adresse:8080 und den zuvor angegebenen Benutzerdaten auf der Weboberfläche ein (Abbildung 2). Die meisten Einträge erklären sich hier von ganz allein, in der Regel müssen Sie anfangs auch nichts ändern.

Abbildung 2: Die Weboberfläche von Cuberite hilft besonders Einsteigern bei ihren ersten Schritten mit einem Minecraft-Server.

Cuberite kompilieren

Optional lässt sich Cuberite auch direkt aus dem Quellcode kompilieren und so optimal auf das jeweilige System abstimmen. Dazu bietet das Projekt auf seinem GitHub ein Skript an, das die meisten Schritte zum Bauen des Programms automatisch abarbeitet [14]. Auf einem Raspberry Pi benötigt der Build-Vorgang jedoch mehrere Stunden, ohne dass am Ende ein Plus an Leistung zu spüren wäre.

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